• vom 09.03.2011, 19:17 Uhr

Chronik


Udo Jesionek, Präsident des "Weißen Ringes", zieht im Interview nach einem Jahr Missbrauchsskandal Bilanz

"Geld kann die Wunden nie heilen"




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Von Petra Tempfer

  • Erste Zahlungen durch die Stadt Wien in der Vorwoche.
  • Kommission für Opfer von Bundes- Internaten geplant.
  • "Koordination durch den Staat scheitert an Ländern."
  • "Wiener Zeitung":Herr Jesionek, Sie sind seit 20 Jahren Präsident des "Weißen Ringes". Wie werden Sie dieses Jubiläum feiern?

Laut Udo Jesionek ist die beste Hilfe die Therapie. Foto: Tanzer/Wirtschaftsblatt/picturedesk

Laut Udo Jesionek ist die beste Hilfe die Therapie. Foto: Tanzer/Wirtschaftsblatt/picturedesk Laut Udo Jesionek ist die beste Hilfe die Therapie. Foto: Tanzer/Wirtschaftsblatt/picturedesk

Udo Jesionek: Wir haben vor drei Jahren das große Jubiläum 30 Jahre "Weißer Ring" gefeiert. Mein Jubiläum werde ich nicht feiern. Von Innenministerin Maria Fekter wurde ich geehrt, das hat mich schon gefreut.

Diese Woche jährt sich auch der Missbrauchsskandal zum ersten Mal. Am 9. März 2010 hatte sich erstmals ein Opfer an die Öffentlichkeit gewandt. Sie stehen zwei Opferschutzkommissionen vor - wie ist die Bilanz?

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In der Vorwoche sind die ersten Zahlungen durch die Stadt Wien an Opfer städtischer Heime erfolgt. 230 Opfer haben sich gemeldet, 86 Fälle wurden behandelt. Mehr als 60 Opfer nehmen Therapien in Anspruch. In der Klasnic-Kommission behandeln wir mehr als 800 Fälle, von denen etwa 170 einen Betrag zugesichert oder erhalten haben. Daneben gingen hunderte Meldungen an die Ombudsstellen der Diözesen ein.

In welchem Rahmen bewegen sich die Beträge?

Die Entschädigungen bewegen sich zwischen 5000 und 25.000 Euro und liegen in Extremfällen darüber. Das ist international gesehen zwar wenig, aber von den Budgets her muss es leider eine Grenze geben.

Diese Woche hat die Klasnic-Kommission einem Opfer, das vom Salzburger Domprediger misshandelt worden sein soll, 50.000 Euro zugesprochen. Böse Zungen sprechen von "Schweigegeld".. .

Dieser Vorwurf ist unausgegoren, denn wie sieht die Alternative aus? Die Kommission ist eine freiwillige Vorwegleistung der Kirche. Ohne sie bleibt dem Opfer nur noch die Möglichkeit, zu klagen, was es in jedem Fall kann. Wenn das Opfer will, dass der Täter bestraft wird, leiten wir das an die Staatsanwaltschaft weiter.

Vielen ist nur eine Entschuldigung wichtig. Zuletzt hat sich jemand an die Kommission gewandt, weil er wollte, dass sich der Papst entschuldigt.

Nach welchen Kriterien wird entschieden, welches Opfer eine Entschädigung erhält?

Wichtig ist, dass dem Opfer tatsächlich etwas passiert ist, sodass es jetzt traumatisiert ist. Verjährung oder Kausalität des Falles werden nicht geprüft.

An wen soll sich ein Betroffener wenden? An die Stadt Wien, die Opferschutz-Kommission oder eine der Ombudsstellen der Diözesen?

Für die Opfer von Bundes-Internaten plant das Unterrichtsministerium aktuell, eine Kommission einzurichten - der "Weiße Ring" hat schon Gespräche mit dem Ministerium geführt. Die neue Einrichtung könnte wie die Opferschutzkommission und jene der Stadt Wien agieren.

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2011-03-09 19:17:15
Letzte nderung am 2011-03-09 19:17:00




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