• vom 15.04.2005, 16:01 Uhr

Chronik

Update: 15.04.2005, 16:15 Uhr

Bikulturelle Partnerschaften leiden unter Klischees und Unwissen

Beziehung mit Vorurteil




  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Iris Mostegel

  • Problemlos sind bikulturelle Beziehungen keineswegs. Viel mühsamer als die eigenen kleinen Konflikte sind aber die Vorurteile der anderen, meint ein österreichisch-ägyptisches Paar im Gespräch mit der "Wiener Zeitung."

Liebe bikulturell: Maria und Tamer. Mostegel

Liebe bikulturell: Maria und Tamer. Mostegel Liebe bikulturell: Maria und Tamer. Mostegel

Die zwei waren das perfekte Paar. Als sie beschlossen zu heiraten, waren Freunde und Familie dennoch skeptisch. Obwohl Skepsis ist untertrieben. "Ich wurde gefragt, ob ich mich eh erkundigt hätte, was ich machen kann, wenn er meine Kinder entführt", erzählt Maria B.. "Und für meine Familie war es ein Schock. Lieber hätten sie eine Ägypterin als Schwiegertochter gehabt", erinnert sich ihr Mann Tamer. Auch drei Jahre nach der Hochzeit, wird die 31-jährige Wienerin noch auf ihre Ehe mit einem Ägypter angesprochen. Was, du darfst alleine am Abend fortgehen? Warum trägst du kein Kopftuch?


"Alles nur Vorurteile", meint Petruska Krcmar von der Wiener Beratungsstelle Fibel für bikulturelle Partnerschaften. Wie diese Vorurteile zustande kommen? "Genauso wie das Schlampen-Image von Europäerinnen im arabischen und afrikanischen Raum zustande kommt: Es ist eine Mischung aus Unkenntnis der anderen Kultur und Beeinflussung der Medien, die sich auf Einzelfälle stürzen."

Eine Beziehung zwischen einer Österreicherin und einem Orientalen also völlig reibungsfrei? "Nein. Einfach ist es sicher nicht. Klassisches Problemfeld ist etwa die Kindererziehung." Abgesehen davon gebe es viele, die überstürzt heiraten und zu wenig über die Kultur oder Religion des Partners wüssten. "Unlängst war eine Frau bei mir, die völlig perplex war, als sie erfuhr, dass ihr Sohn gemäß den Regeln des Islam beschnitten werde. Sie hatte gedacht, das sei nur im Judentum üblich."

Zu wenig über die Kultur des Partners zu wissen, kann sich Christa I. nicht vorwerfen lassen: Sie hat ein Arabistik-Studium absolviert. Seit acht Jahren ist die Mittdreißigerin mit einem Iraker verheiratet. Dass es nur selten negative Reaktionen gibt, führt sie auf den Glauben ihres Mannes zurück: "Wenn die Leute erfahren, dass er Christ ist, heißt es: Na, dann kann es ja nicht so schlimm sein." Solche Aussagen bringen Maria regelmäßig in Rage: Man könne partnerschaftliche Probleme nicht auf die verschiedenen Religionszugehörigkeiten reduzieren. In ihrem Alltag stehen viel eher Missverständnisse aufgrund der unterschiedlichen Sprache und Kultur im Vordergrund. "Und ansonsten führen wir eine ganz normale Beziehung mit den üblichen Streitereien rund um Abwasch und die korrekte Bügelmethode eines Männerhemds."



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2005-04-15 16:01:27
Letzte Änderung am 2005-04-15 16:15:00


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Hochegger belastet Grasser schwer
  2. Koalitionsverhandler auf der Zielgeraden
  3. Volle Konzentration auf die Krankenkassen
  4. Die Anwälte schlagen zurück
  5. Geplante Maßnahmen
Meistkommentiert
  1. Es darf geraucht werden
  2. 12-Stunden-Tag wird kommen
  3. "Spender haben Ziel erreicht"
  4. Ist jedes Kind gleich viel wert?
  5. NEOS-Chef will Ende der Pflichtmitgliedschaft

Werbung




Werbung


Werbung