• vom 09.12.2010, 18:20 Uhr

Chronik


Vergiftungen aufgrund defekter Gasthermen häufen sich - die Gebäude sind zu dicht

Geruchlose, tödliche Gefahr




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Von Petra Tempfer

  • Fünf Unfälle durch Gasthermen innerhalb einer Woche.
  • "100 Fälle hätten in den Vorjahren durch Wartung verhindert werden können."
  • Einzige Sauerstoff-Therapie derzeit in Graz möglich.
  • Wien. Wenn man Übelkeit und starke Kopfschmerzen verspürt, ist es oft schon zu spät. Bricht man doch unmittelbar nach diesen ersten Anzeichen einer Kohlenmonoxid (CO)-Vergiftung für gewöhnlich bewusstlos zusammen. Glück hatten jene 18 Opfer, die innerhalb der vergangenen Tage in Wien und Gänserndorf wegen defekter Gasthermen mit CO vergiftet worden sind. Sie alle wurden rechtzeitig gefunden - die Tatsache, dass die Zahl dieser Unfälle drastisch steigt, schreit allerdings nach Maßnahmen und ruft Experten auf den Plan.

Gesetzlich ist vorgeschrieben, dass eine Therme alle fünf Jahre gewartet werden muss. Foto: Wien-Energie

Gesetzlich ist vorgeschrieben, dass eine Therme alle fünf Jahre gewartet werden muss. Foto: Wien-Energie Gesetzlich ist vorgeschrieben, dass eine Therme alle fünf Jahre gewartet werden muss. Foto: Wien-Energie

Zuletzt ist am Montag eine dreiköpfige Familie mit einer CO-Vergiftung ins Spital gebracht worden. Mit demselben Krankheitsbild kamen in den Tagen zuvor eine Neunjährige, die beim Duschen zusammengebrochen ist, eine 31-Jährige und zwei Teenager in Wien ins Krankenhaus. Am Dienstag der Vorwoche erlitten elf Personen in einem Einfamilienhaus in Gänserndorf eine CO-Vergiftung - an jedem dieser Unfälle war eine kaputte Gastherme schuld. Im Juli kostete diese einer 67-Jährigen in Wien sogar das Leben.

"Die Ursache ist immer die gleiche", erklärt Josef Rejmar, Innungsmeister der Wiener Rauchfangkehrer, der "Wiener Zeitung": Die Abgase (darunter das geruchlose, giftige CO) können nicht aus der Therme abziehen, wodurch sie in den Raum strömen. Etwa weil Fenster und Türen - aus Energiekostengründen - bereits so dicht sind, dass zu wenig Verbrennungsluft für die Feuerstätte im Raum ist und hier ein Unterdruck entsteht. Oder weil das Gerät verschmutzt ist. Im Sommer ist zumeist die heiße Außenluft, die durch den Abzug ins kühle Innere strömt, an CO in der Wohnung schuld.

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Gefahr durch Ventilator

Ein gefährlicher Mangel an Verbrennungsluft kann laut Christian Ammer von der Wien-Energie auch durch Ventilatoren und Dunstabzugshauben entstehen. "Sie saugen die Luft aus dem Raum - wer neue Ventilatoren in der Wohnung anbringt, ist daher gesetzlich verpflichtet, eine Luftzahlmessung durchführen zu lassen, bei der die Verbrennungsluftzufuhr gemessen wird."

Diese kostet rund 20 Euro, falls sie im Zuge der Hauptkehrung passiert. Wiener Wohnen wird sie ab 2011 flächendeckend einführen. "Die ideale Lösung sind allerdings jene neuen Brennwertgeräte für Gasthermen, die sich die Luft für die Verbrennung über einen Schacht von außen holen", betont Ammer, "da diese jedoch teuer sind und deren Installation kompliziert ist, sind sie in Wien noch sehr selten." In die Einfamilienhäuser der Umgebung würden sie hingegen häufig eingebaut.

Wer noch eine alte Gastherme besitzt und einer Vergiftung vorbeugen möchte, soll laut Ammer die Fenster oft kippen und die Therme einmal jährlich warten lassen - gesetzlich sei eine Wartung alle fünf Jahre vorgesehen. Die Wiener FPÖ kündigte diesbezüglich den Antrag an, dass Wien-Energie die Kosten für eine jährliche Wartung der Geräte zumindest in den Gemeindebauten übernehmen soll. "Das wäre ja so, wie wenn ein Autokonzern auf eigene Kosten alle Bremsbacken tauschen müsste - natürlich ist der Gerätebetreiber selbst für die Einhaltung aller Maßnahmen für den sicheren Betrieb verantwortlich", antwortet darauf Ammer.

Langzeitfolgen möglich

Falls es dennoch zu einem Unfall kommt, müssen sich alle mit einer schweren CO-Vergiftung einer Sauerstoff-Therapie unterziehen, um Langzeitfolgen wie chronischem Kopfschmerz vorzubeugen. Die Therapie ist derzeit nur im LKH Graz möglich - in einer Druckkammer, in der die Patienten Sauerstoff einatmen.

Zwar steht im Wiener AKH auch eine Druckkammer, diese erhielt jedoch vor zwei Jahren keine Betriebsgenehmigung mehr. "Die rund 90 Gasthermen-Opfer jährlich finden mit Graz das Auslangen", meint Susanne Drapalik vom Wiener Krankenanstaltenverbund dazu. Bevor das alte Gerät repariert werde, "wäre für die Zukunft aufgrund der steigenden Opferzahl eine Neuanschaffung für Wien wirtschaftlicher."



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2010-12-09 18:20:09
Letzte nderung am 2010-12-09 18:20:00




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