• vom 20.09.2011, 18:14 Uhr

Chronik

Update: 20.09.2011, 18:23 Uhr

Weltumsegelung

Das Lächeln des Segelmädchens




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Von Ronald Schönhuber

  • Laura Dekker ist 16 geworden und bei ihrer umstrittenen Weltumsegelung viel problemloser unterwegs als erwartet
  • Nach 13 Monaten hat Laura Dekker Australien erreicht.
  • Titel der jüngsten Weltumseglerin wird nicht anerkannt.

Unter großem Medieninteresse brach Dekker als 14-Jährige zu ihrer Solo-Weltumsegelung auf. - © EPA

Unter großem Medieninteresse brach Dekker als 14-Jährige zu ihrer Solo-Weltumsegelung auf. © EPA

Amsterdam. Auf den Fotos, von denen sie viele selbst geschossen hat, lächelt Laura Dekker zumeist versonnen. Einmal steht sie vor einem tropischen Wasserfall, dann wieder vor einer Vulkanlandschaft. Man sieht die junge Niederländerin beim Schnorcheln und beim Gitarrespielen. Und am alleröftesten sieht man sie beim Segeln.

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Fotos, mit denen Teenager ihren dreiwöchigen Urlaub im Club-Hotel festhalten, sehen wohl so aus. Doch Dekker dokumentiert mit den Aufnahmen nicht ihren wassersportlastigen Aufenthalt in einer Ferienanlage, sondern eine Reise, die weltweit für massive Kontroversen gesorgt hat. Am 4. August 2010 war sie als 14-Jährige im niederländischen Brouwersdam aufgebrochen, um als jüngster Mensch allein um die Welt zu segeln.

Dass Dekker - die entweder als kesse Pippi Langstrumpf oder als aufmüpfiges, ihren geschiedenen Eltern auf der Nase herumtanzendes Gör gezeichnet wird - überhaupt starten durfte, war dabei lange Zeit unsicher gewesen. Denn als der Teenager im Jahr 2009 seine Weltumsegelungspläne bekanntgab, schalteten sich die niederländischen Behörden ein, denen die Sache nicht ganz geheuer erschien. Ein Gericht beschränkte das Sorgerecht der Eltern, die Tochter wurde unter die Aufsicht des Jugendamtes gestellt. Eine Psychologin wurde beauftragt festzustellen, ob das Mädchen bereits über die nötige geistige Reife für ein derartiges Unterfangen verfügt. Das Unterrichtsministerium weigerte sich zudem, die 14-Jährige fast zwei Jahre lang vom Schulbesuch freizustellen. Unterstützung bekamen die Behörden dabei von vielen niederländischen Medien, die von einem "Wahnsinnsunternehmen" sprachen.

Viel Freiheit, wenig Geld
Im Dezember 2009 verschwand das sich unverstanden fühlende Mädchen schließlich spurlos. Erst mehrere Tage später wurde es auf der Karibikinsel St. Marteen aufgespürt und unter Polizeibegleitung heim in die Niederlande gebracht. Wenige Monate später erlaubte ein Gericht Dekker aber schließlich doch, ihr Vorhaben in die Tat umzusetzen.

Seitdem hat Dekker, die am Dienstag 16 Jahre alt geworden ist, schon mehr als die Hälfte ihrer Strecke hinter sich gebracht. Anfang September lief sie im australischen Darwin ein, nachdem sie zuvor die tückische und mit Riffen durchzogene Inselwelt des Südpazifiks durchquert hatte. Die Reise gestaltete sich dabei viel problemloser, als viele vermutet hatten. Zwar musste auch Dekker mit schweren Stürmen, gerissenen Segeln oder sorgenvoll durchwachten Nächten kämpfen, lebensbedrohliche Zwischenfälle, wie sie die 16-jährige Abby Sunderland erlebt hat, gab es allerdings keine. Die Amerikanerin, die wenige Monate vor Dekker als jüngster Mensch um die Welt segeln wollte, hatte im Sturm den Mast ihrer Yacht verloren und konnte nur durch eine internationale Suchaktion gerettet werden.

Um einen neuen Solorekord aufzustellen, muss das "Segelmädchen", wie Dekker von den niederländischen Zeitungen genannt wird, spätestens vier Tage vor ihrem 17. Geburtstag am 20. September 2012 ihren Ausgangspunkt erreichen. Doch von dem durchaus in Greifweite liegenden neuen Jugendrekord ist in letzter Zeit kaum noch etwas zu hören. Lauras Vater Dick Decker, der das Segelprojekt von Anfang an massiv unterstützt hat, spricht nun lieber davon, dass der Weg das Ziel sei. Einen offiziellen Titel würde es für die blonde Niederländerin sowieso nicht geben. Denn sowohl die Segelverbände als auch das Guiness Buch der Rekorde haben die Rekordjagd nach der jüngsten Soloweltumsegelung eingefroren, um zu verhindern, dass immer jüngere Teilnehmer zu immer waghalsigeren Unternehmen aufbrechen.

Doch die junge Weltumseglerin, die 1995 auf einem Boot geboren wurde und seitdem mit dem Segelvirus infiziert ist, plagen auch noch ganz handfeste Sorgen. Die massive mediale Kritik an ihrer Reise hatte viele potenzielle Sponsoren noch vor dem Start abspringen lassen, mittlerweile kämpft das Projekt mit erheblichen Finanzierungsproblemen. Auf ihre Website bittet Dekker bereits um Spenden in der Höhe von "mindestens zehn Euro". Und auch das niederländische Jugendamt könnte bald wieder Probleme bereiten. Sie habe das Lernen schon vor längerer Zeit aufgegeben, erzählte die noch schulpflichtige Dekker am Dienstag in einem Interview zu ihrem 16. Geburtstag. "Das Boot ist jetzt wichtiger, darauf konzentriere ich mich." Für Dekkers Kritiker mögen Aussagen wie diese Wasser auf den Mühlen sein. Doch das Segelmädchen wird es wohl als Treue zu sich selbst interpretieren. Denn die Idee, dass man auf dem Ozean mehr fürs Leben lernt als in einem Klassenzimmer, hat Dekker seit Beginn ihrer Reise begleitet.




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Dokument erstellt am 2011-09-20 18:21:08
Letzte Änderung am 2011-09-20 18:23:46



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