
"Wiener Zeitung": Mit Essensbeschaffung hat die Jagd in Österreich ja schon lange nichts mehr zu tun. Seit wann haftet ihr das Image des Elitären an?
Die Jagd blieb dennoch elitär?
Selbstverständlich. Die Bauern konnten es sich ja auch weiterhin nicht leisten, großartig auf die Jagd zu gehen. Sie haben vielleicht ein Stück geschossen und mussten damit zufrieden sein, während die Aristokraten prunkvolle Jagden veranstaltet haben, bei denen es auch ziemlich zugegangen ist. Es waren große Gesellschaften mit Tanz und Musik. Aus diesen noblen Festen sind jene Jagdrituale entstanden, die es bis heute gibt.
Den Aristokraten ging es um den Spaß - das Wort "Hetz" kommt ja von der "Hetzjagd". Die Redewendung "Er ist durch die Lappen gegangen" kommt wiederum daher, dass bei Treibjagden Stofflappen aufgehängt wurden, in die das Wild hineingetrieben wurde. Manche Tiere blieben nicht drin, sie gingen den Jägern durch die Lappen. Kaiser Franz Ferdinand von Österreich war ein erfolgreicher Jäger, er soll 250.000 Stück Wild geschossen haben. Die Kaiservilla war voll mit Geweihen.
Welcher Jagdgedanke steckt hinter solchen Jagden? Will man tatsächlich das Wild jagen - oder will man sich vor allem an Geschäfte heranpirschen?
Stellen Sie sich vor, Sie sind draußen in der Natur gemeinsam auf der Jagd. Man macht Scherze, ist freundlich - da können auch gute Geschäfte abgeschlossen werden. Vor allem beim anschließenden Essen und Trinken, da lässt sichs leichter reden. Deshalb werden Politiker zur Jagd eingeladen.
Allerdings waren nicht alle Jäger nette Leute. Siegfried aus der Nibelungensage wurde bekanntlich bei der Jagd getötet. Andere sind so ungeschickte Jäger, dass sie aus Versehen einen Kollegen erschießen, wie es bei Diplomatenjagden bereits öfter passiert ist. Aber generell verbindet das gemeinsame Jagen, das ist richtig.
Erfolgreich eingefädelte Geschäfte sind also wie Trophäen . . .
Ja, es geht ums Trophäensammeln in jeder Hinsicht und um das Jagdvergnügen. Für den besonderen Anlass zieht man sich sogar nobel an, mit feinem Jagdgewand und Hut.
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