• vom 28.03.2012, 18:21 Uhr

Chronik

Update: 30.03.2012, 10:36 Uhr
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"Die Jagd war schon immer in den Händen der Aristokraten"


Von Petra Tempfer

  • Laut dem Soziologen Roland Girtler geht es beim Jagen "nur um die Schießerei".

Jagd war mitunter gefährlich: Nibelungen-Siegfried etwa wurde bei der Jagd getötet, warnt Roland Girtler.

Jagd war mitunter gefährlich: Nibelungen-Siegfried etwa wurde bei der Jagd getötet, warnt Roland Girtler.© APA/HERBERT PFARRHOFER Jagd war mitunter gefährlich: Nibelungen-Siegfried etwa wurde bei der Jagd getötet, warnt Roland Girtler.© APA/HERBERT PFARRHOFER

"Wiener Zeitung": Mit Essensbeschaffung hat die Jagd in Österreich ja schon lange nichts mehr zu tun. Seit wann haftet ihr das Image des Elitären an?

Information

Roland Girtler
Der österreichische Soziologe und Kulturanthropologe (70) ist außerordentlicher Professor am Institut für Soziologie der Universität Wien. Seit 2000 leitet er das Museum "Wilderer im Alpenraum - Rebellen der Berge" in St. Pankraz in Oberösterreich. Zwei Jahre davor, 1998, erschien zu diesem Thema sein Buch "Wilderer - Soziale Rebellen in den Bergen".

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Roland Girtler: Die Jagd war schon immer in den Händen der Aristokraten. Sie waren es, die einst alte Bauerngüter aufkauften, diese aufforsteten und zu Jagdgebieten machten. Als Gegenbewegung zu diesen feinen Leuten gab es die Wilderer, die das erbeutete Wild oft wirklich brauchten, um ihre Familien zu ernähren. Wenn man Wilderer erwischt hat, sind sie schwer bestraft worden. "Der schießt die Gams weg", hat es dann geheißen. Für die arme Landbevölkerung waren die Wilderer aber Helden, weil sie gegen den jeweiligen Landesherren revoltierten. Offiziell durften Bürgerliche und Bauern bis 1848 nicht jagen, erst dann fiel das Jagdprivileg des Adels.

Die Jagd blieb dennoch elitär?

Selbstverständlich. Die Bauern konnten es sich ja auch weiterhin nicht leisten, großartig auf die Jagd zu gehen. Sie haben vielleicht ein Stück geschossen und mussten damit zufrieden sein, während die Aristokraten prunkvolle Jagden veranstaltet haben, bei denen es auch ziemlich zugegangen ist. Es waren große Gesellschaften mit Tanz und Musik. Aus diesen noblen Festen sind jene Jagdrituale entstanden, die es bis heute gibt.

Den Aristokraten ging es um den Spaß - das Wort "Hetz" kommt ja von der "Hetzjagd". Die Redewendung "Er ist durch die Lappen gegangen" kommt wiederum daher, dass bei Treibjagden Stofflappen aufgehängt wurden, in die das Wild hineingetrieben wurde. Manche Tiere blieben nicht drin, sie gingen den Jägern durch die Lappen. Kaiser Franz Ferdinand von Österreich war ein erfolgreicher Jäger, er soll 250.000 Stück Wild geschossen haben. Die Kaiservilla war voll mit Geweihen.

Welcher Jagdgedanke steckt hinter solchen Jagden? Will man tatsächlich das Wild jagen - oder will man sich vor allem an Geschäfte heranpirschen?

Stellen Sie sich vor, Sie sind draußen in der Natur gemeinsam auf der Jagd. Man macht Scherze, ist freundlich - da können auch gute Geschäfte abgeschlossen werden. Vor allem beim anschließenden Essen und Trinken, da lässt sich’s leichter reden. Deshalb werden Politiker zur Jagd eingeladen.

Allerdings waren nicht alle Jäger nette Leute. Siegfried aus der Nibelungensage wurde bekanntlich bei der Jagd getötet. Andere sind so ungeschickte Jäger, dass sie aus Versehen einen Kollegen erschießen, wie es bei Diplomatenjagden bereits öfter passiert ist. Aber generell verbindet das gemeinsame Jagen, das ist richtig.

Erfolgreich eingefädelte Geschäfte sind also wie Trophäen . . .

Ja, es geht ums Trophäensammeln in jeder Hinsicht und um das Jagdvergnügen. Für den besonderen Anlass zieht man sich sogar nobel an, mit feinem Jagdgewand und Hut.




Schlagwörter

Roland Girtler, Jagd

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-03-28 18:26:04
Letzte Änderung am 2012-03-30 10:36:08


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