Wien. Der Alptraum eines jeden U-Bahn-Fahrers wurde am Ostersonntag für einen Mitarbeiter der Wiener Linien wahr: Laut Informationen der "Wiener Zeitung" wurde der Fahrer einer U6 im Bereich der Station Tscherttegasse auf offener Strecke mit einer Waffe beschossen. Der Vorfall endete insofern glimpflich, als der Fahrer aufgrund des lauten Schusses "nur" ein Knalltrauma erlitt und seither am Wiener AKH medizinisch betreut werden muss. Der Schuss hatte die neben ihm befindliche Seitenscheibe der Fahrerkabine durchschlagen und dabei zerbersten lassen.
"Schuss aus Gaspistole"
Die Wiener Linien bestätigen gegenüber der "Wiener Zeitung" den in der Wiener U-Bahn-Geschichte wohl einzigartigen Vorfall: "Unser Mitarbeiter hat angegeben, dass er zwei Personen auf einer Böschung wahrgenommen hat. Der Schuss erfolgte offenbar aus einer Gaspistole oder Ähnlichem", erklärt Verkehrsbetriebe-Sprecher Dominik Gries. Die Attacke, die sich nur gegen den Fahrer richtete, habe gegen 17.40 Uhr - also in einer betriebsarmen Zeit - stattgefunden. Trotz der Verletzung sei es dem Mitarbeiter noch gelungen, die U-Bahn-Garnitur in die nächste Station zu fahren, um die Passagiere aussteigen zu lassen, berichtet Gries. Danach sei der Mitarbeiter umgehend medizinisch und notfallpsychologisch versorgt worden.
Wer hinter der Attacke steckt, darüber kann derzeit nur spekuliert werden: Möglicherweise handelt es sich um gelangweilte junge Männer, wie es zuletzt bei den "Wiener Heckenschützen" der Fall war. "Wir hoffen, dass die Täter ausgeforscht und zur Rechenschaft gezogen werden", sagt Gries. Bei der Polizei konnte man am Donnerstag noch keine näheren Angaben machen. Der Vorfall sei deshalb nicht kommuniziert worden, weil man keine Nachahmungstäter auf den Plan rufen wolle, so die Wiener Linien.
Fakt ist, dass es weder auf der U6 noch auf anderen Linien seither oder davor solche Schussattacken gegeben hat. Laut Gries seien die Kollegen über den Vorfall äußerst betroffen und würden mit dem verletzten Fahrer mitfühlen - spezielle Anweisungen für den Dienst würde es nun aber nicht geben.
Zuletzt sorgte eine Attacke auf einen Mitarbeiter der Brüsseler Verkehrsbetriebe für internationales Aufsehen: Bei der Aufnahme eines Unfalls wurde ein 56-jähriger Mann totgeprügelt.
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