Wien. Die Schussattacke auf die Wiener U6 (die "Wiener Zeitung" berichtete) beschäftigt mittlerweile nicht nur die Wiener Linien, sondern auch das Landeskriminalamt. Laut Polizei-Sprecherin Adina Mircioane wird intensiv gegen zwei unbekannte Täter ermittelt, die am vergangenen Ostersonntag im Bereich der Station Tscherttegasse auf die Fahrerkabine geschossen haben sollen.
Wie berichtet, ging dabei die Seitenscheibe zu Bruch, und der 34-jährige U-Bahn-Fahrer erlitt ein Knalltrauma, das am Wiener AKH behandelt wird. Ermittelt wird nun wegen Sachbeschädigung und Gefährdung der körperlichen Sicherheit - der Strafrahmen beträgt sechs beziehungsweise drei Monate Haft.
Offen ist allerdings noch, womit die mutmaßlichen Täter auf den U6-Zug gefeuert haben. "Der Fahrer glaubt, eine Faustfeuerwaffe gesehen zu haben. Allerdings hätten wir dann in der U-Bahn ein Projektil finden müssen", erörtert Mircioane. Es könnte daher auch eine Softgun, bestückt mit Stahlkugeln, gewesen sein; die Kugel könnte zurückgeprallt sein und nun irgendwo zwischen den Gleisen liegen. Theoretisch möglich wäre aber auch ein Wurf mit einem Stein.
Schüsse schon vor 10 Jahren
"Um die ganze Situation zu klären, ist mit dem U-Bahn-Fahrer am Montag eine Begehung geplant", verrät die Polizei-Sprecherin. Von den Angaben des Schussopfers erwarten sich die Ermittler Aufschlüsse über den Standort der Schützen sowie eventuell den Fund eines Projektils.
Bereits vor rund zehn Jahren, im November 2002, gab es einen ähnlichen Vorfall - und zwar ebenfalls auf der U6 und just in der Nähe des jetzigen Tatortes, nämlich bei der Station Am Schöpfwerk. Damals durchschlugen insgesamt sechs abgefeuerte Geschosse zwei Fensterscheiben eines U-Bahn-Zuges.
So wie beim aktuellen Fall konnten anschließend keine Projektile gefunden werden; gemutmaßt wurde, ob es sich bei den Waffen um Steinschleudern oder Luftdruckgewehre gehandelt haben könnte - der Fall wurde jedenfalls niemals aufgeklärt. Anders als heute gab es allerdings keine Verletzten.
Insgesamt werden pro Jahr rund 130 Mitarbeiter der Wiener Linien Opfer von Angriffen - trotz Nacht-U-Bahn und Netzausbau stagniert diese Zahl (136 Vorfälle 2010). Laut Sprecher Dominik Gries reichten die Fälle von Angespuckt-Werden bis zu Ohrfeigen - schwerere Verletzungen seien dabei aber "ganz, ganz selten". "Der Großteil passiert, wenn es um schwierige soziale Fälle geht, meist im Zusammenhang mit Fahrschein-Kontrollen." Wiewohl die Statistik anderes aussagt, wird doch eine Lage-Verschärfung registriert: "Die Temperatur in der Gesellschaft ist höher geworden, das spüren auch unsere Mitarbeiter", konstatiert Gries.
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