• vom 13.04.2012, 18:11 Uhr

Chronik

Update: 13.04.2012, 20:37 Uhr
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Der Advokat des Teufels



  • Für Breiviks Anwalt Geir Lippestad bringt der Prozess vor allem eines: Ruhm.

Lippestad (links) und sein Team plädieren auf "Freispruch".

Lippestad (links) und sein Team plädieren auf "Freispruch".

Oslo. (rel) Was wünscht sich ein Seelenverkäufer? Doktor Faust erwählt sich ein Mädchen. Und Geir Lippestad? Immerhin hat ihm die Entscheidung, den Attentäter von Oslo und Utöya, Anders Behring Breivik, zu verteidigen, eines eingebracht: Mehr Bekanntheit. "Ich habe meine Seele verkauft", sagte der Norweger im Vorfeld des Prozesses. Dass ihn der "Teufel" persönlich um diesen Gefallen gebeten hat, ist Lippestad dennoch unangenehm. Erklären kann er sich seine Wahl nicht - noch dazu, wo er der von Breivik verhassten Arbeiterpartei als Mitglied abgehört.

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Der Angeklagte könnte ja vielleicht seinen Namen auf dem Firmenschild vor seiner Kanzlei gelesen haben, vermutete der Jurist am Donnerstag. Oder ließ sich der Attentäter am Ende doch von dessen Verteidigungskünsten überzeugen? Immerhin hatte der 47-Jährige im Jahr 2002 einen Mann namens Ole Nicolai Kvisler, der wegen seiner Verwicklung in die Ermordung eines norwegisch-ghanaischen Jugendlichen zu 17 Jahren verurteilt worden war, verteidigt. Im konkreten Fall geht aber um mehr. Im Juli 2011 hatte Breivik in Oslo acht Menschen mit einer Autobombe getötet und dann auf der Insel Utöya 69 Teilnehmer eines Sommerlagers der Arbeiterpartei erschossen.

Als Lippestad von seiner Nominierung durch Breivik erfuhr, erbat er sich "zehn bis zwölf Stunden" Bedenkzeit - und stimmte dem Deal zu. Es sei Zeit gewesen, "an die Demokratie zu denken", in der das Rechtswesen ein "sehr wichtiger Bestandteil" sei, meinte der makellos gekleidete Jurist mit dem glatt rasierten Schädel. Und: Wäre Breivik auf Utöya verletzt worden, hätten die Ärzte im Krankenhaus wohl auch alles tun müssen, um sein Leben zu retten.

Bei der norwegischen Bevölkerung kam Lippestads Entschluss, die Rolle als des "Teufels Advokat" zu übernehmen, nicht gut an. So soll der Anwalt nach Annahme des Falls bedroht worden sein. Für Lippestad Grund genug, um noch mehr auf Distanz zu seinem Mandaten zu gehen. Er habe ihm von Anfang an klargemacht, dass er nur Rechtsfragen mit ihm klären werde und sich nicht als "politischer Agitator" für dessen extreme Ansichten instrumentalisieren lasse, betonte er.

Verteidiger der Demokratie
Was nichts daran ändert, dass der Massenmörder von Oslo und Utöya Lippestad über Nacht weltweit bekannt gemacht hat. Dass er allein deswegen den heiklen Fall angenommen hat, will der Anwalt nicht so stehen lassen. Breivik werde auf jeden Fall einen fairen Prozess bekommen, erklärte er. "Ich glaube an das Rechtssystem meines Landes". Was am Ende bleibt, ist die Gretchenfrage: "Wie hältst du’s mit der Ehre?"




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-04-13 18:17:05
Letzte Änderung am 2012-04-13 20:37:56


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