Klagenfurt. Das Ferlacher Büchsenmacherhandwerk kann auf eine jahrhundertealte Tradition zurückblicken - vor zwei Jahren wurde es sogar zum Immateriellen Unesco-Kulturerbe Österreichs ernannt. Auch heutzutage erfreuen sich die kunstvoll verzierten Gewehre weit über die Grenzen der kleinen 7000-Seelen-Gemeinde hinaus großer Beliebtheit in der Zunft.
Der gute Ruf reicht sogar bis nach Spanien - denn kein Geringerer als der spanische König Juan Carlos zählt zu den Kunden der Ferlacher Büchsenmacher. Bemerkenswert daran ist, dass es sich der große König nicht nehmen ließ, zwei Mal persönlich zu den kleinen Handwerkern nach Südkärnten zu reisen, um die Schießeisen persönlich in Auftrag zu geben und abzuholen. Völlig unbemerkt von der Öffentlichkeit, denn das spanische Staatsoberhaupt reiste inkognito.
Juan Carlos, der sich ja ob seiner Elefantenjagd in Afrika derzeit massiv in der öffentlichen Kritik befindet, war laut Informationen der "Wiener Zeitung" 2001 und 2003 zu Gast in Ferlach. "Er war diese beiden Male bei uns. Inkognito", bestätigt Ludwig Borovnik, Chef der gleichnamigen Büchsenmacherei, einer von neun in der Kleinstadt.
Teure Waffenkunst
Noch heute ist Borovnik stolz auf seinen hohen Gast - zumal die Szenerie etwas von einem modernen Märchen hat. Denn das gekrönte Haupt erschien nur mit drei seiner engsten Mitarbeiter und fachsimpelte auf Du-und-Du mit dem Kärntner Gewehrbauer. "Er ist ein wirklich umgänglicher Mensch - im Gegensatz zu anderen, die mit der Nase an der Decke spazieren gehen", erzählt Borovnik. Die Bilder im Familienalbum über den königlichen Besuch zeigt der Meister noch heute gerne her. Eines wird freilich nicht verraten: welche Gewehre zu welchem Preis Juan Carlos bestellt hat. Je nach Ausführung kostet ein echtes "Ferlacher" mindestens 15.000 Euro - immerhin steckt darin oft ein ganzes Jahr Arbeit. Zur viel kritisierten Elefantenjagd will sich Borovnik nicht äußern, vielmehr sorgt er sich nun um Juan Carlos: "Ich erkundige mich gleich um den Gesundheitszustand seiner Majestät."
Positive Erinnerungen hat auch der Ferlacher Graveur Hans Obiltschnig, der die Gewehre einst kunstvoll verziert hat. "Er war ausgesprochen nett. Obendrein ist er mein Jahrgang", sagt der 74-Jährige. Bevor er damals mit Juan Carlos das Album durchsah, gab es freilich Besuch von der Polizei, die die Werkstatt aus Sicherheitsgründen durchsuchte. Die Gravur im Boulino-Stil zeigte dann Tierszenen - "mit Elch, Bär und Reh". Kein Elefant? Obiltschnig muss lachen: "Eine Elefantenjagd ist ja heute überhaupt keine Kunst. Mit einem schweren Kaliber wird man ja einen solchen Koloss leicht treffen."
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