• vom 18.04.2012, 18:06 Uhr

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Die "Wiener Zeitung" hat mit zwei Betroffenen über ihre persönlichen Krankheitserfahrungen gesprochen

Wenn die Jungen der Schlag trifft


Von Christoph Rella

  • Jährlich erleiden 25.000 junge Menschen einen Schlaganfall, Tendenz steigend.

Wien/Graz/Innsbruck.

Wer Glück hat, kommt mit "weißen Flecken" davon. Besonders gefährdet sind Raucher.

Wer Glück hat, kommt mit "weißen Flecken" davon. Besonders gefährdet sind Raucher. Wer Glück hat, kommt mit "weißen Flecken" davon. Besonders gefährdet sind Raucher.

Eigentlich hätte Sabine (Name geändert) auch sterben können. Als die 27-Jährige im Herbst des Vorjahres plötzlich im Badezimmer zusammenbrach und nicht mehr aufstehen konnte, dachte auch ihr Lebensgefährte zunächst an einen Kreislaufkollaps. "Ihr war extrem schwindlig, sie konnte das Gleichgewicht nicht halten", erzählt der Niederösterreicher stellvertretend für Sabine, die noch immer unter den Folgen ihres Schlaganfalls zu leiden hat. Ihre Namen will das Paar deswegen nicht in der Zeitung lesen. "Im Krankenhaus haben sie gesagt, es sei eine Gastritis, haben ihr Medikamente gegeben und sie wieder nach Hause geschickt", sagt Sabines Freund. Für die junge Frau hätte das fatale Folgen haben können, wenn sie sich nicht an den Hausarzt gewandt hätte. Er interpretierte die heftigen Kopfschmerzen schlussendlich richtig und schickte die Patientin zur Computertomographie (CT) erneut in die Klinik. Die Diagnose traf das Paar hart: Ein kleiner Teil von Sabines Kleinhirn war aufgrund von Sauerstoffmangel abgestorben.

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Dabei steht die 27-Jährige mit ihrer Krankengeschichte nicht alleine da. Laut einer Studie der Österreichischen Schlaganfall-Gesellschaft ist in den vergangenen zehn Jahren die Anzahl der sogenannten "juvenilen Schlaganfälle" bei Menschen im Alter von 18 bis 45 Jahren um 20 Prozent auf rund 25.000 Fälle jährlich gestiegen.

"Es ist ein großer Irrtum, wenn Leute in der Ärzteschaft und auch in der Bevölkerung glauben, dass nur alte Menschen einen Schlaganfall erleiden können", erklärt dazu Johann Willeit von der Universitätsklinik für Neurologie in Innsbruck im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Dies sei auch der Grund gewesen, warum offensichtlich die von Sabine beschriebenen Symptome nicht richtig erkannt wurden. Einfach sei das Erkennen eines Hirnschlags freilich nie, fügt der Experte hinzu. "Gerade der Schwindel ist für Schlaganfälle nicht wirklich typisch."

"Auf den Scans hat man die weißen Flecken gesehen"
Gefragt, warum die Zahl der Hirnschläge bei jungen Menschen zunimmt, meint Willeit: "Das lässt sich nicht deutlich sagen, da gibt es mehrere Möglichkeiten." Demnach könne eine Embolie, also ein Gerinnsel, genauso zu einer Apoplexie führen wie der Riss eines Gefäßes. Wobei das Risiko in diesem Bereich für Jugendliche nur bei 30 Prozent liegt. Weitaus gefährlicher seien laut dem Mediziner die Folgen der Arteriosklerose, für die vor allem junge Leute mit schlechter Lebensführung anfällig seien. "Wer ungesund isst, sich wenig bewegt und viel raucht ist gefährdet", sagt Willeit.

Als Jugendlicher viel geraucht hat auch Anton aus Graz. Ihn hat es vor Jahren "beim Fortgehen erwischt", wie er der "Wiener Zeitung" erzählt. "Ich konnte auf einmal meinen rechten Arm und den Fuß nicht mehr heben, und wenn ich was gesagt habe, hat mich niemand verstanden." Als ausgebildeter Sanitäter sei ihm aber bald der Verdacht gekommen, dass es sich um einen Schlaganfall handeln könnte. Was dem damals 23- Jährigen auch im Spital bestätigt wurde. "Auf den Scans hat man die weißen Flecken gesehen und welche Stellen im Gehirn betroffen waren", erzählt Anton und ist froh, mit einem blauen Auge davongekommen zu sein. "Mir fehlt nichts, mit dem Rauchen habe ich aufgehört." Tatsächlich liegt die Genesungsrate bei jungen Menschen bei 80 Prozent. Ob es wirklich der Tabak war, der den Grazer in Lebensgefahr gebracht hat? Für Willeit ist das nicht sicher: "Bei jungen Leuten bleiben solche Anfälle oft ungeklärt."

Ein Drittel aller Hirnschläge bleibt ungeklärt
Mediziner sprechen dann von sogenannten "kryptogenen Schlaganfällen", die durch mehrere Faktoren gleichzeitig ausgelöst werden. Gemessen an der Gesamtzahl liegt der Anteil der ungeklärten Fälle bei einem Drittel.

Zu diesen muss auch der Fall von Sabine gerechnet werden. Die Frage, warum das ausgerechnet ihr passieren musste, konnten die Ärzte ihrem Freund nicht sicher beantworten. "Sie haben gesagt, dass es mit der Pille zusammenhängen könnte", sagt er. Für Sabine ist trotz Rehabilitierung nichts mehr wie vorher. So ist sie nicht mehr so belastbar wie früher, außerdem leidet sie seit dem Schlaganfall unter Klaustrophobie. "Gemessen daran, dass sie 48 Stunden lang nicht behandelt wurde, grenzt es an ein Wunder, dass sie so davongekommen ist."




Schlagwörter

Jugend, Schlaganfall

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Dokument erstellt am 2012-04-18 18:11:10


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