• vom 24.04.2012, 15:15 Uhr

Chronik

Update: 24.04.2012, 15:22 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (8)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Gefängnisstrafe für Jus-Student, der Ex-Freundin erstochen hat

20 Jahre Haft für Mörder der Opernball-Debütantin



  • 18-Jährige mit 24 Stich- und 14 Schnittverletzungen umgebracht.
  • Einstimmiger Schuldspruch wegen Mordes.

Wien. Ein 22-jähriger Jus-Student, der in der Nacht auf den 31. August 2011 seine Ex-Freundin Claudia L. in der gemeinsamen Wohnung in Wien-Margareten mit einem Küchenmesser erstochen hatte, ist am Dienstag im Straflandesgericht wegen Mordes zu 20 Jahren Haft verurteilt worden. Er hatte der 18-Jährigen im Zuge einer verbalen Auseinandersetzung 24 Stich- und 14 Schnittverletzungen zugefügt. Der einstimmige Schuldspruch wegen Mordes ist nicht rechtskräftig, sowohl der Verteidiger als auch die Staatsanwältin meldeten Rechtsmittel an.

Die jungen Leute waren seit Herbst 2009 ein Paar. Zunächst führten sie eine Fern- bzw. Wochenendbeziehung, da der gebürtige Kärntner in der Bundeshauptstadt studierte, während die Steirerin in ihrer Heimat noch die Schule beendete. Im Vorjahr zog sie zu ihm. "Ab Februar 2011 haben wir versucht, uns als junges Paar in Wien zu etablieren", erzählte der Angeklagte den Geschworenen.

Alles schien zunächst eitel Wonne: Das Mädchen eröffnete als Debütantin den Opernball, fand eine Anstellung in einem Haubenlokal und hatte Aussichten auf einen Model-Vertrag. Im selben Ausmaß, in dem sich für sie die Welt öffnete, reduzierte sich jedoch ihr Interesse an ihrem Freund. "Ihr hat er zu viel geklammert", stellte die Staatsanwältin fest. Der Psychiater Werner Brosch, der den 22-Jährigen im Auftrag des Gerichts untersucht hatte, beschrieb diesen als "ich-schwachen, traumverlorenen Menschen, der am Beginn seines Erwachsenenlebens steht". Er habe Claudia L. "in überproportionalem Ausmaß zu seiner Identität und für sein Selbstwertgefühl gebraucht".

Im Juli lernte die 18-Jährige bei einem Kurzausflug nach Deutschland einen anderen, offenbar interessanteren Mann kennen. Zunächst zog sie sich von ihrem Freund zurück, schließlich erklärte sie die Beziehung für beendet. "Für mich ist eine Welt zusammengebrochen. Ich war wie am Boden zerstört. Ich hab' mich sehr abhängig gemacht von ihr. Ich hab das Gefühl gehabt, ohne sie nicht leben zu können", schilderte der Student seine Gefühlslage. Claudia sei "die erste große Liebe seines Lebens gewesen", gab Verteidiger Günter Harrich zu bedenken.

Konsequent kehrte die 18-Jährige ihrem Ex-Freund allerdings nicht den Rücken. Sie blieb weiter bei ihm wohnen, versicherte, weiter mit ihm "gut befreundet" sein zu wollen. Wenn ihr langweilig war, rief sie ihn an und klagte, ihr sei "fad". Als sie den Führerschein machte, bat sie ihn, mit ihr zu lernen, wobei es wieder zu "Kuscheleien" kam.

In der Nacht auf den 31. August kam es zu einem kurzen Gespräch, als sie in der Wohnung angeblich am Computer saß und er gegen Mitternacht aus dem Schlaf erwachte. Nachdem er ein paar Tage zuvor mit einem halbherzigen Selbstmordversuch versucht hatte, sie wieder zurückzugewinnen, habe sie ihn nun wissen lassen, er sei "kein Mann für mich",  zitierte der Angeklagte seine Ex-Freundin. Sie habe ihm auch gestanden, mit dem anderen Mann in Deutschland geschlafen zu haben: "Ich war gedemütigt von ihr." Daraufhin habe er "leider das Messer geholt". Er habe "anscheinend Wut bekommen. Ich hab' das als Angriff auf mich gesehen."

Die Anzahl der vom Gerichtsmediziner festgestellten Verletzungen hätten ihn "erschreckt", versicherte der 22-Jährige. Er könne sich maximal an drei Stiche erinnern.

Zweifel an den Angaben des 22-jährigen Angeklagten nährte eine Zeugin, die sowohl mit ihm als auch der 18-Jährigen befreundet gewesen war. Die Kellnerin erklärte, das Mädchen habe sie unmittelbar vor ihrem Ableben noch in ihrem Lokal besucht. Es sei vereinbart gewesen, dass Claudia L. die Nacht nicht mehr bei ihrem Ex-Freund verbringt. Dann - offenbar nach Erhalt einer SMS - sei diese jedoch mit den Worten, dieser "brauche sie", aufgestanden und habe das Lokal in Richtung dessen Wohnung verlassen.

Um 0.31 Uhr erhielt die Kellnerin einen Anruf von Claudia L., die meinte sie habe "eine Scheiß Angst".  Die Kellnerin forderte die 18-Jährige auf, sich in ein Taxi zu setzen und zu ihr zu kommen. Wenige Minuten später dürfte es zu der tödlichen Messerattacke gekommen sein.

Laut Anklage hatte der 22-Jährige nach den zahllosen Stichen die leblos vor ihm Liegende noch zu reanimieren versucht. Doch jede Hilfe kam zu spät. Dies erkennend, ging der Jus-Student duschen, zog sich neue Kleider an und schickte Claudias Eltern eine SMS: "Es tut mir von Herzen leid. Ich bin psychisch krank. Ich habe eure Tochter Claudia ermordet." Im Anschluss teilte er seinem Vater mit: "Eines Tages verstehst du mich. Ich bin krank." Dann kontaktierte er die Polizei und ließ sich beim Eintreffen der Sicherheitskräfte unweit des Tatorts auf der Reinprechtsdorfer Straße widerstandslos festnehmen.




Schlagwörter

Mord

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-04-24 15:15:55
Letzte Änderung am 2012-04-24 15:22:58


Beliebte Inhalte



Die Moschee in Telfs ist in Österreich eines der wenigen islamischen Gebetshäuser mit Minarett. Die meisten Moscheen oder Kulturvereine sind nicht so sichtbar. - apa/Gindl
  • Chef der Islam-Glaubensgemeinschaft fordert Rücktritt von Efgani Dönmez.
  • weiter

Der grüne Bundesrat Efgani Dönmez bekundet sein Bedauern und nimmt via Aussendung alles zurück. - APAweb
  • "Das verwendete Bild war eine unglückliche, überspitzt getätigte Formulierung und eine Grenzverletzung."
  • weiter

Aus dem Iran und Afghanistan nach Oberösterreich: Hesam (l.) und Mahmud wollen in Österreich bleiben, vorerst sind sie zum Nichtstun verdammt. Schmidt
  • 20.000 Asylweber sind in Österreich in Grundversorgung - die "Wiener Zeitung" hat drei von ihnen besucht.
  • weiter

Aufschrei: E. Dönmez - apa
  • Bundesrat Dönmez: "One-Way-Ticket" für alle Pro-Erdogan-Demonstranten.
  • weiter

  • Verhandlungen mit Investoren ziehen sich; Hoffnung auf ausländische Banken.
  • weiter

Aufschrei: E. Dönmez - apa
  • Bundesrat Dönmez: "One-Way-Ticket" für alle Pro-Erdogan-Demonstranten.
  • weiter

Österreich hat mit dem Abzug seiner UN-Soldaten von den Golan-Höhen begonnen, am heutigen Mittwoch kehren die ersten Blauhelme zurück. - reuters
  • Der Golan als Beispiel, dass UN-Missionen künftig härter werden.
  • weiter

Wo bleibt der Nachwuchs? Der ÖGB hat Mühe, mit der Jugend in Kontakt zu treten. - apa/Newald
  • Nur jeder Dritte ist bei der Gewerkschaft.
  • weiter

WEGA-Beamte erschossen in Wien einen Mann. - APAweb / APA, Georg Hochmuth
  • 52-Jähriger war mit Messer auf Beamten losgegangen
  • weiter

Vor mehr als einem Jahr endete der umstrittene Tierschützerprozess in Wiener Neustadt mit einem Freispruch von dreizehn Aktivisten. Die Sendung "Am Schauplatz. Märtyrer oder Mafiosi?", befasst sich noch einmal mit dem Tierschützerprozess, wobei das Filmmaterial eines Staatsanwalts, der mit einer "Schieß-Geste" auf Tierschützer "zielt", neuerlich gesichtet wurde. Im Bild: Ein unbeteiligter Staatsanwalt aus Wr. Neustadt der bei dieser "Schieß-Geste" gegen Tierschützer von einem ORF-Kamera Team nach dem Freispruch, am 2. Mai 2011, gefilmt wurde. - APA/ORF Wiener Neustadt/Wien. Das Oberlandesgericht (OLG) Wien hat einen Teil der Freisprüche im Tierschützer-Prozess aufgehoben...weiter




Werbung




Wegen seiner Nähe zum DDR-Regime umstritten

Willi Sitte, der Maler des sozialistischen Realismus, ist tot

20130608sitte - APAweb / dpa-Zentralbild, Waltraud Grubitz Berlin. Der Maler Willi Sitte gilt als einer der wichtigsten deutschen Künstler des 20. Jahrhunderts. Aber wegen seiner Staatsnähe und seiner Haltung... weiter




Eddi Arent ist tot

Abschied von einem begnadeten Komiker

Eddi Arent Der deutsche Schauspieler und Komiker Eddi Arent ist tot. Arent sei Anfang der Woche beigesetzt worden, sagte die Bürgermeisterin von Oberschleißheim... weiter




Mitbegründer der "Schmetterlinge" stirbt an Krebs

Erich Meixner ist tot

Erich Meixner und Christoph Michalke (ja) Der vielseitige Musiker Erich Meixner ist am vergangenen Freitag, dem 24. Mai einer Krebserkrankung erlegen. Meixner war mit der 1969 gegründeten... weiter




Der österreichische Aktionist Otto Muehl ist knapp 88-jährig gestorben

Der Künstler als Sektenführer

Otto Muehl polarisierte mit Werk und Biografie. - apa/Pfarrhofer Otto Muehl ist tot. Der Aktionist und Kommunengründer starb am Sonntag in Moncarapacho, Olhão (Portugal). Mühl war eine der umstrittensten Gestalten... weiter




1930 - 2013

Der Farbmagier Gotthard Graubner ist tot

Neuss. Seine Bilder hängen im Berliner Reichstag und beim Bundespräsidenten: Gotthard Graubner war berühmt für seine riesigen abstrakten Farbflächen -... weiter




Schwere Unwetterschäden nach einem Murenabgang im Ortskern von Hallstatt aufgenommen am Mittwoch, 19. Juni 2013. Nach einem heftigen Unwetter ist der Mühlbach über die Ufer getreten wobei eine Mure den Ortskern von Hallstatt im oberösterreichischen Salzkammergut beschädigt hat.

Ein Fahrrad an einer Kreuzung mitten im 9. Bezirk war der etwas ungewöhnliche Rastplatz für ein Bienenvolk. Guten Tag, Lubango! Der Giraffen-Junge kam am Samstag, 15. Juni, zur Welt.

19.6.2013: Ein Turopolje-Schwein schwimmt in einem Teich im Tierpark in Schleswig-Holstein. Die robusten Schweine stammen ursprünglich aus den Flussniederungen der Save in Kroatien. Die Turopolje sind ausgezeichnete Schwimmer, die sich bei Überschwemmungen die Nahrung auch unter Wasser suchen und sogar nach Muscheln tauchen. Kunstraub der anderen Art: Von einer Hauswand  in London ausgemeißelt wurde im Februar das Banksy-Graffitikwerk "Slave Labour". Kurz darauf tauchte es bei einem Auktions-Haus in Miami in Florida wieder auf. Am 2. Juni wiederum wurde es trotz Proteste um 1,1 Millionen Dollar in London versteigert. Das Kulturbild der Woche geht nun für zwei Wochen auf Urlaub und ist am 24.Juni wieder zurück.

Werbung