• vom 25.04.2012, 17:38 Uhr

Chronik

Update: 25.04.2012, 18:47 Uhr
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Das All verspricht unendliche Reichtümer, ein Asteroid kann Platin im Wert von 50 Milliarden Dollar enthalten

Goldgräberstimmung im Weltraum


Von Ronald Schönhuber

  • Ein US-Unternehmen will binnen zehn
  • Jahren Rohstoffe auf Asteroiden schürfen.

Eine Flotte von Robotern soll Jagd auf die knapp an der Erde vorbeifliegenden Asteroiden machen. - ap

Eine Flotte von Robotern soll Jagd auf die knapp an der Erde vorbeifliegenden Asteroiden machen. ap

Seattle. Der Gedanke fällt ganz unweigerlich auf Bruce Willis. 1998 bohrte dieser als muskelbepackter Titelheld Harry Stamper im Hollywood-Blockbuster "Armageddon" ein Loch in einen Asteroiden, um mit Hilfe der dort versenkten Sprengladung die bevorstehende Kollision mit der Erde zu verhindern. Doch auch wenn der Film kommerziell überaus erfolgreich war, traf er nicht unbedingt den Geschmack der Kritiker. Neben der oft unfreiwilligen Komik und den allzu pathetischen Szenen wurde "Armageddon" vor allem der mangelnde Bezug zur technischen Wirklichkeit und der sehr freimütige Umgang mit physikalischen Gesetzen angekreidet. Zu viel Hollywood-Science-Fiction, zu wenig Realitätsnähe, lautete das Urteil.

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Doch was vor 14 Jahren von den Filmkritikern noch primär als überzeichnetes Weltraum-Märchen rezipiert wurde, könnte schon in absehbarer Zeit Realität werden. Das im US-Bundesstaat Washington beheimatete Unternehmen Planetary Resources hat bei einer Pressekonferenz einen detaillierten Fahrplan vorgelegt, wie es innerhalb der kommenden zehn Jahre wertvolle Metalle und seltene Mineralien auf an der Erde vorbeifliegenden Asteroiden fördern will. Harte Kerle wie Harry Stamper aus "Armageddon" wird man für das waghalsige Unternehmen allerdings nicht brauchen, die brachliegenden Schätze im Weltall sollen von Robotern gehoben werden. Erst sollen es nur wenige sein, doch irgendwann hofft man bei Planetary Resources mit einer ganzen Flotte von automatisierten Bergbauraumschiffen Jagd auf jene knapp 9000 Asteroiden machen zu können, die an der Erde in relativ geringem Abstand vorbeifliegen.

Prominente Investoren
Dass das alles nach einer verrückten Idee und doch einer ganzen Menge Science-Fiction klingt, irritiert die Macher bei Planetary Resources wenig. Im Gegenteil: Man gibt sich demonstrativ selbstbewusst, betont den guten alten Pioniergeist und natürlich fällt die Rede immer wieder auf die enormen Verdienstchancen. "Das Universum ist voll von Rohstoffen, und wir machen sie für die Menschheit nutzbar", sagte Firmenchef Peter Diamandis bei der Vorstellung der Pläne. Das Ganze sei "eine der größten kommerziellen Gelegenheiten" überhaupt.

Diamandis hat das Unternehmen schon vor drei Jahren im Stillen mit seinem Partner Eric Anderson gegründet. Beide sind Altbekannte in der privaten Raumfahrt, wo sich Gutbetuchte eine Reise ins All gönnen können. Unterstützung bekommt das Gespann zudem von einer ganzen Reihe ebenso prominenter wie potenter Geldgeber. Unter denjenigen, die ihre Börse öffnen wollen, befindet sich neben den Google-Größen Larry Page und Eric Schmidt auch Regisseur James Cameron. Der Oscar-Preisträger soll aber nicht nur als Investor fungieren, sondern auch als Berater. Erfahrung mit dem Thema hat Cameron bereits. Sein 2010 gedrehter Film "Avatar" behandelt die Ausbeutung eines fremden Planeten in epischer Breite.

Bevor allerdings die Roboter tatsächlich zu schürfen beginnen können, steht Planetary Resources noch einiges an Vorarbeiten ins Haus. Binnen zwei Jahren will man zunächst mehrere Weltraum-Teleskope ins All schicken, die auskundschaften sollen, welche Asteroiden sich lohnen.

Wenn die Roboter nach der Erkundungsphase dann ihre Arbeit aufnehmen, werden sie es vor allem auf extrem seltene Metalle wie Platin abgesehen haben. Schon ein relativ kleiner Asteroid kann Mengen im Wert von 25 bis 50 Milliarden Dollar enthalten, die größeren Exemplare beherbergen vermutlich mehr Platin als jemals auf der Erde gefördert wurde. "Wenn das erfolgreich ist, verdienen wir viel Geld", sagte Anderson. Voraussetzung für einen Erfolg ist aber, dass es gelingt, die Ausgaben für die Robotermissionen dramatisch zu senken. Statt der derzeit üblichen Größenordnung von mehreren hundert Millionen Dollar werden Kosten im zwei- oder sogar einstelligen Millionenbereich angepeilt.

Diamandis und Anderson sind aber nicht nur auf Edelmetalle aus. In weiterer Folgen will man auch Wasser fördern, um daraus noch im Weltraum Wasserstoff und Sauerstoff gewinnen zu können. Als Treibstoff und Atemluft wird beides für lange Reisen tief ins All benötigt. Ein wenig Bodenhaftung hat man sich bei Planetary Resources aber trotz all der hochfliegenden Träume bewahrt. "Wie erwarten nicht, dass wir über Nacht das große Geld machen", sagt Anderson.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-04-25 17:44:06
Letzte Änderung am 2012-04-25 18:47:04


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