• vom 10.05.2012, 13:54 Uhr

Chronik

Update: 10.05.2012, 14:01 Uhr
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Nach Kinder-Unfallserie

Zwei Buben weiter auf Intensivstation



  • Mediziner bezeichneten Zustand von Zwei- und Fünfjährigem aber als stabil.
  • KfV kritisiert Verhalten von Verkehrsteilnehmern.

Viele Verkehrsteilnehmer achten zu wenig auf die anderen. Dadurch kommt es zu Unfällen. - APAweb / Herbert Pfarrhofer

Viele Verkehrsteilnehmer achten zu wenig auf die anderen. Dadurch kommt es zu Unfällen. APAweb / Herbert Pfarrhofer

Wien. Sechs Kinder sind von Montag bis Mittwoch bei Verkehrsunfällen in Wien teils schwer verletzt worden. Der kleine Johan befand sich am Donnerstag noch immer auf der Kinderintensivstation. Der Zweijährige war am Dienstagnachmittag in der Quellenstraße in Favoriten von einem Klein-Lkw angefahren worden. Sein Zustand sei aber stabil, sagte Conny Lindner, Sprecherin des Krankenanstaltenverbundes (KAV).

Die Polizei sucht noch immer den Lenker: Johan war laut einem Bericht der Tageszeitung "Österreich" seinen beiden Tanten davon und zwischen parkenden Autos auf die Quellenstraße gelaufen. Der Lkw-Lenker hielt an, die geschockten Frauen sahen laut dem Bericht aber die Schuld bei sich und schickten den Mann fort.

"Auch wenn das zutreffen sollte, handelt es sich trotzdem definitiv um Fahrerflucht, denn der Lenker ist nicht nur verpflichtet, stehen zu bleiben. Er muss sich vergewissern, dass alle erforderlichen Maßnahmen getroffen worden sind und an der Aufklärung mitwirken", sagte Polizeisprecherin Michaela Rossmann der APA. Laut Straßenverkehrsordnung ist jeder, der in einen Unfall verwickelt wird, verpflichtet anzuhalten, die Unfallstelle abzusichern und Hilfe zu holen. Das trifft ganz besonders auf den Verursacher zu.

Sechsjähriger auf dem Weg der Besserung,
Fünfjähriger auf Intensivstation
Gute Neuigkeiten gab es von einem Sechsjährigen, der Montag früh mit seinem Vater auf einem Tretroller, den ein Hund zog, beim Überqueren der Ziegelofenstraße in Margareten in einen Bus der Wiener Linien gekracht war. "Er befindet sich bereits auf einer Normalpflegestation und ist auf dem Weg der Besserung", sagte AKH-Sprecherin Karin Fehringer.

Ein fünf Jahre alte Bub hingegen, der ebenfalls am Montag auf einem Schutzweg in der Hadikgasse in Penzing bei Rotlicht über die Straße gelaufen und von einem Pkw erfasst worden war, wurde noch intensivmedizinisch behandelt. "Er ist leider noch immer in Lebensgefahr, aber stabil", berichtete Fehringer auf APA-Anfrage. Beide Buben hatten schwere Kopfverletzungen davongetragen.

Am Montagnachmittag waren bei zwei weiteren Unfällen Kinder zu Schaden gekommen. In der Favoritner Raxstraße stießen ein Pkw und ein Bus zusammen. Eine Zweijährige auf dem Schoß der Mutter im Bus wurde leicht verletzt. Ein Neunjähriger wurde beim Überqueren eines Schutzweges in der Brigittenauer Hellwagstraße von einem Pkw erfasst, er erlitt eine Oberschenkelprellung.

Letztes Opfer der unheimlichen Serie wurde am Mittwoch ein neun Jahre alter Schüler. Der Bub ist in der Arbeitergasse in Margareten von einem rückwärts einparkenden Auto niedergestoßen worden. "Der Schüler wollte noch schnell vorbeihuschen. Er wurde aber nur ganz leicht verletzt, er hat Abschürfungen erlitten", sagte Polizeisprecherin Rossmann.

Sachverständiger: Vielzahl an Fehlverhalten
Angesichts der Unfallserie von Kindern hat das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) mit einem Sachverständigen das Verhalten von Verkehrsteilnehmern an sechs stark frequentierten Kreuzungen in Wien beobachtet. Die Ergebnisse waren ernüchternd, berichtete das KFV am Donnerstag. Sorglosigkeit, Unaufmerksamkeit und fehlende Kompetenz im Umgang mit realen Risiken, attestierte Armin Kaltenegger, Leiter der Abteilung Recht & Normen im KFV, den Verkehrsteilnehmern.

Der Verkehrssachverständige Martin Winkelbauer ergänzte: "Während der Beobachtungsphase stellte ich unzählige Verkehrsverstöße fest, die schwere Unfälle nach sich ziehen hätten können." Die Details:

  • Fast zwei Drittel der Pkw-Lenker auf einer Abbiegespur hatten ihren Blinker nicht eingeschaltet und somit das Abbiegen nicht angezeigt. Jeder fünfte Autofahrer hielt erst deutlich nach der Haltelinie an. Bei fast jeder Grünphase fuhren mindestens fünf Fahrzeuglenker, trotz stockenden Verkehrs, in die Kreuzung ein, ohne sie verlassen zu können.
  • 90 Prozent der beobachteten Radfahrer querten bei einer Kreuzung trotz roter Ampel. Zahlreiche Fußgänger gingen einige Meter neben dem Schutzweg über die Straße. Jeder zehnte überquerte den Zebrastreifen trotz beginnender Rotphase.
Das Fazit des KFV: Sämtliche Verkehrsteilnehmer achten generell zu wenig auf das Umfeld und suchen keinen Blickkontakt zu anderen Verkehrsteilnehmern. Othmar Thann, Direktor des KFV, rief zudem in Erinnerung: "Im Straßenverkehr gibt es nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten und Verantwortungen, Rücksicht zu nehmen. Dies ist seit Mitte 2011 mit dem Rücksichtnahmegebot in der StVO verankert."



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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-05-10 13:57:17
Letzte Änderung am 2012-05-10 14:01:50


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