
Linz. Ein hoch brisanter "Geheimbericht", revoltierende Offiziere als Drahtzieher und eine Anschlagsserie: Das soll hinter dem Feuer in der Kaserne Hörsching in Oberösterreich vom 6. Mai stecken, sagen die einen. Alles reine Spekulation ohne Basis, sagen die anderen.
Fakt ist, dass der Bericht der Tageszeitung "Österreich" vom Sonntag für Debatten sorgt. Wird in diesem doch behauptet, dass der Anschlag in Hörsching, bei dem insgesamt sieben Lkw ausbrannten, kein Einzelfall, sondern einer von 20 Vorfällen seit 2007 sei. Neben Brandanschlägen seien Fenster einer Kasernenseite eingeworfen, Bremskabel bei Heeresjeeps durchgeschnitten und Panzer manipuliert worden. Tatverdächtige seien zum Teil namentlich bekannte Offiziere: Mit den Anschlägen wollten sie Widerstand gegen Personalkürzungen im Zuge der Heeresreform leisten, gegen die sie sich bereits mehrmals ausgesprochen hatten, so "Österreich". Als Quelle nennt die Zeitung "Geheimdienstkreise" und einen von diesen übermittelten, streng geheimen Bericht, den das Heeresabwehramt am Montag Verteidigungsminister Norbert Darabos vorlegen wollte.
So weit, so offenbar strengstens geheim. Im Verteidigungsministerium will man nämlich nichts von einem "Geheimbericht" wissen, wie auf Nachfrage der "Wiener Zeitung" betont wird. Keine der Behauptungen könne bestätigt werden, es gebe auch keine Hinweise auf Namen oder Tatverdächtige. Das Militärkommando Oberösterreich wiederum räumt zwar ein, dass es innerhalb der vergangenen fünf Jahre neben jenem in Hörsching zwei weitere Brandanschläge gab - diese stünden allerdings in keinem Zusammenhang zueinander. "Der erste wurde 2007 auf das Dienstauto eines Militärkommandanten in Eferding in Vorarlberg verübt, der zweite 2010 in Wels im Zuge einer Versteigerung von Heeresgerät durch das Dorotheum", präzisiert Gerhard Oberreiter vom Militärkommando Oberösterreich. Aufgeklärt seien die Fälle noch nicht.
"Die Offiziere zünden doch nicht ihre eigenen Autos an"
Die Ermittlungen zu Hörsching werden vom Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung in Oberösterreich und der Staatsanwaltschaft Wels geleitet - und auch diese dementieren die Vorwürfe. Das Landespolizeikommando Oberösterreich behauptet gar, nicht einmal etwas von diesen zu wissen.
Sind sie also tatsächlich nur an den Haaren herbeigezogen? Oder sollten die Offiziere bewusst angeschwärzt werden? "Da fragen Sie beim Büro des Herrn Bundesministers Darabos nach, ob die da mehr wissen", meint dazu knapp Eduard Paulus, Präsident der Österreichischen Offiziersgesellschaft. Könnten doch die Vorwürfe von jemandem stammen, der "dazu angestiftet wurde". Weiter ins Detail gehen will er zwar nicht - dass aber "die Offiziere die Letzten wären, die solche Brandanschläge verüben würden", darüber ist sich Paulus sicher. "Die zünden doch nicht ihre eigenen Autos an, das wäre ja absurd." Für eine kriminelle Handlung dieser Art würde jedenfalls jeder Offizier sofort entlassen werden.
Ob die Vorwürfe nun illusorisch sind, realistisch oder gar inszeniert - sie haben auf jeden Fall gezeigt, dass auch potenzielle Zeitungsenten Wogen schlagen. Bleibt nur noch abzuwarten, was die Ermittlungen ergeben.
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