• vom 19.05.2012, 11:35 Uhr

Chronik

Update: 20.05.2012, 17:07 Uhr
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Ermittler jagen nach 50-jährigem Mann

Schock nach Attentat vor Schule in Süditalien



  • 16-jährige Schülerin getötet.
  • Ermittler vermuten Einzeltäter mit guten Elektronik-Kenntnissen.
  • Anfangsverdacht gegen die Mafia hat sich nicht erhärtet.

Ein Zeichen der Trauer: Menschen legen Blumen vor die Schule im italienischen Brindisi. Am Samstagvormittag wurde hier die Schülerin Melissa Bassi bei der Bombenexplosion getötet, zehn weitere Menschen wurden verletzt. - EPAweb / BIAGIO CLAUDIO LONGO

Ein Zeichen der Trauer: Menschen legen Blumen vor die Schule im italienischen Brindisi. Am Samstagvormittag wurde hier die Schülerin Melissa Bassi bei der Bombenexplosion getötet, zehn weitere Menschen wurden verletzt. EPAweb / BIAGIO CLAUDIO LONGO

Rom. Nach dem Bombenanschlag auf eine Berufsschule in der süditalienischen Stadt Brindisi mit einem Todesopfer und vier Verletzten gehen die Ermittler von einem Einzeltäter aus. Die Staatsanwälte jagen nach einem Mann im Alter von 50 Jahren mit dunkler Jacke, heller Hose und Tennisschuhen. Er soll mit einem ferngesteuerten Gerät den Sprengkörper ausgelöst haben, mit dem vor der Schule ein 16-jähriges Mädchen getötet wurde. Der Mann wurde von Videoanlagen unweit der Schule aufgenommen, berichteten die Ermittler. Sein Gesicht ist jedoch nicht klar zu erkennen, daher konnte der Mann noch nicht identifiziert werden.

   Es sei unwahrscheinlich, dass die Mafia hinter der Tat stecke, sagte Staatsanwalt Marco Di Napoli bei einer Pressekonferenz am Sonntag. Möglicherweise handle es sich bei dem Täter um einen psychisch Kranken. Vor der Berufsschule in Brindisi war am Samstagmorgen ein aus drei Gasflaschen und einem Zeitzünder bestehender Sprengsatz explodiert, als die Schüler gerade zum Unterricht strömten. Splitter flogen durch die Luft, die Opfer erlitten schwere Verbrennungen. Eine 16-Jährige wurde getötet, fünf weitere Schüler schwer verletzt.

Nach einem Bombenattentat auf eine in Brindisi, die nach der Ehefrau des Mafia-Jägers Falcone benannt ist, wird der Tatort untersucht.

Nach einem Bombenattentat auf eine in Brindisi, die nach der Ehefrau des Mafia-Jägers Falcone benannt ist, wird der Tatort untersucht.APAweb / AP Nach einem Bombenattentat auf eine in Brindisi, die nach der Ehefrau des Mafia-Jägers Falcone benannt ist, wird der Tatort untersucht.APAweb / AP

   In der Nacht auf Sonntag wurden zwei Personen vernommen. Dabei handelt es sich um einen Ex-Soldaten und um eine weitere Person, deren Identität nicht bekanntgegeben wurde, berichtete die Webseite BrindisiReport.it. Die beiden Personen wurden mit Hilfe von Videos identifiziert. Ihre Wohnungen wurden durchsucht, sie wurden allerdings nicht festgenommen. Weitere Durchsuchungen wurden in der ganzen Provinz Brindisi durchgeführt.

  Zu dem Anschlag bekannte sich bisher niemand. Beobachter vermuteten anfangs wegen des Namens der Berufsschule einen Zusammenhang mit der Mafia. Die Schule ist Francesca Morvillo Falcone, der Ehefrau des bekannten Mafia-Jägers Giovanni Falcone, gewidmet. Sie starb mit ihrem Mann und drei Leibwächtern vor fast genau 20 Jahren bei einem Anschlag unweit von Palermo. Zudem war in Brindisi am Samstag ein Protestmarsch gegen die Mafia geplant. Ermittler betonten jedoch, es sei unwahrscheinlich, dass die in der Region um Brindisi aktive Mafia-Organisation Sacra Corona Unita auf ihrem eigenen Territorium Minderjährige töte.

  "Wir können einen mafiösen Hintergrund des Anschlags mit großer Wahrscheinlichkeit ausschließen", sagte Di Marco am Sonntag. Bei der Bombe sei Benzin und nicht - wie bei der Mafia üblich - Dynamit verwendet worden, begründete Anti-Mafia-Staatsanwalt Cataldo Motta seine Zweifel. Auch der nationale Polizeichef Antonio Manganelli bezweifelte öffentlich die Mafia-Theorie, die unmittelbar nach dem Anschlag als wahrscheinlichster Hintergrund des Attentats galt.

  Inzwischen bessert sich der Zustand der vier verletzten Mädchen. Zwei von ihnen schweben allerdings noch in Lebensgefahr, teilten die Ärzte in Brindisi mit. Hunderte Menschen pilgerten am Sonntag zur Schule in Brindisi und legten Blumen im Gedenken an die getötete Schülerin Melissa Bassi nieder.

  Der Anschlag löste in Italien eine Schockwelle aus. Landesweit wurden die Flaggen auf Halbmast gesetzt. In mehreren Städten Italiens gingen am Samstagabend Menschen auf die Straße, um damit ein Zeichen gegen die Gewalt zu setzen und der getöteten Schülerin zu gedenken. In Rom versammelte sich eine Menschenmenge vor dem Pantheon. Unter den Demonstranten waren viele Studenten und Schüler, manche hatten Tränen in den Augen. "Wir haben keine Angst" und "Man darf nicht in der Schule sterben", war auf Transparenten zu lesen. Auch in Brindisi kamen zahlreiche Menschen zusammen. "Brindisi weint mit den Opfern", hieß es auf Spruchbändern, die sich auch gegen die Mafia richteten. Die Fahnen an öffentlichen Gebäuden in Italien wurden für die nächsten Tage auf halbmast gesetzt.

  Der Papst verurteilte beim Angelusgebet am Sonntag den Anschlag in Brindisi. Er rief zu Gebeten für die Angehörigen des 16-jährigen Opfers auf. Das Mädchen sei "ein unschuldiges Opfer brutaler Gewalt", sagte das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche.

  In ganz Italien wurden die Anti-Terrorismus-Maßnahmen verschärft. Die Sicherheitsvorkehrungen rund um mutmaßlich gefährdete Einrichtungen und Personen wurden verstärkt. Über 20.000 Sicherheitskräfte und Soldaten seien im Einsatz, berichteten italienische Medien am Sonntag.




Schlagwörter

Anschlag, Italien, Mafia

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-05-19 11:36:19
Letzte Änderung am 2012-05-20 17:07:27


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