Rom. Einen Tag nach dem schweren Erdbeben in Norditalien ist die Region am Montagabend von einem starken Nachbeben erschüttert worden. Der Erdstoß der Stärke 4,1 ereignete sich nach Behördenangaben am Montagabend und dauerte mehrere Sekunden. Das Epizentrum lag erneut in der Ortschaft Finale Emilia zwischen den Provinzen Modena und Ferrara, wie bereits beim ersten Erdbeben am Sonntag, teilte das nationale Institut für Geophysik und Vulkanologie mit.

Der italienische Premier Mario Monti traf am Montagabend in Ferrara ein, im Herzen der vom Erdbeben betroffenen Region. Monti wurde von Innenministerin Annamaria Cancellieri begleitet und bleibt bis Dienstag in der Gegend. Der Regierungschef plant am Dienstag eine Ministerratsitzung, bei der der Notstand ausgerufen wird. Damit sollen Gelder für den Wiederaufbau locker gemacht werden. Wegen der Einsparungen infolge der Schuldenkrise sei jedoch mit wenig Hilfe seitens des Staates zu rechnen, verlautete es in Regierungskreisen.
Tausende obdachlos
Nach dem schweren Erdbeben in Norditalien haben tausende Menschen die Nacht zum Montag in Notunterkünften oder bei Freunden und Verwandten verbracht. Am frühen Sonntagmorgen hatte ein Beben der Stärke 6,0 die Region erschüttert. Mindestens sieben Menschen kamen ums Leben, darunter auch eine Deutsche. Das italienische Fernsehen berichtete von etwa 50 Verletzten. An vielen historischen Gebäuden entstanden schwere Schäden.

Heftige Regenfälle
Die vom Erdbeben betroffenen Gemeinden in der norditalienischen Region Emilia Romagna haben eine schwierige Nacht erlebt. Wegen heftigem Regen und starken Nachstößen verbrachten rund 3.000 Obdachlose in den Provinzen Modena und Ferrara eine schlaflose Nacht. Tausende Menschen mussten die Nacht zum Montag in Notunterkünften oder bei Freunden und Verwandten verbringen.
Der Zivilschutz stellte in Sporthallen und Schulen 4.500 Bettplätze zur Verfügung. Der Regen erschwerte die Arbeit der Rettungsmannschaften, die die Stabilität der vom Erdbeben betroffenen Gebäuden überprüfen mussten. Das Gefängnis von Ferrara wurde vorsorglich evakuiert, wie das Fernsehen RAI Montagfrüh berichtete.
Schwere Schäden
Nach ersten Schätzungen wurden mindestens 5.000 Menschen obdachlos. Die Großteil in der Provinz Modena und einige hundert in der ebenfalls stark betroffenen Provinz Ferrara mit der gleichnamigen Renaissancestadt, die zum Weltkulturerbe gehört. Wegen der schweren Schäden sollten in der Region am Montag und Dienstag zahlreiche Schulen geschlossen bleiben.

Besonders betroffen waren Modena, Ferrara, Bologna und Mantua. Mindestens vier Arbeiter starben in den Trümmern ihrer Betriebe. Das Epizentrum lag in Sant'Agostino in der Provinz Ferrara. Eine Seniorin wurde in dem Ort in ihrer Wohnung von Teilen der herunterfallenden Decke erschlagen; sie wäre im Juni 103 Jahre alt geworden. Eine 86-Jährige erlitt einen Schlaganfall.
Tote und Verletzte
Eine 37-jährige Deutsche, die sich aus beruflichen Gründen in Sant'Alberto di San Pietro in Casale in der Region von Bologna aufhielt, bekam Medienberichten zufolge nach dem Erdbeben Atemprobleme und starb. Sie soll obduziert werden. Die Behörden machten bislang keine Angaben über ihre Heimatstadt.
Das Fernsehen zeigte schwer beschädigte Gebäude. Trümmer lagen auf den Straßen. In San Felice stürzte eine historische Kirche ein. Von dem Turm stand nur noch die Hälfte - das Zifferblatt der Turmuhr war in der Mitte durchgerissen. Viele historische Gebäude wurden schwer beschädigt. Auch Straßen waren unpassierbar.
Das Beben war etwa so stark wie das von Aquila, das am 6. April 2009 die Stadt in den Abruzzen erschüttert und schwere Schäden angerichtet hatte. 300 Menschen starben damals. Bis heute sind Teile des historischen Stadtkerns gesperrt - der Wiederaufbau ist ins Stocken geraten.
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