Salzburg.

Ein Besuch des 14. Dalai Lama in Österreich stellt aber immer auch eine Herausforderung für die Politik dar. Es gilt dem geistlichen Oberhaupt der tibetanischen Buddhisten die nötige Ehre zu erweisen, ohne die chinesische Politik zu stark zu verärgern. Bundeskanzler Werner Faymann will den Dalai Lama treffen, hatte aber bisher keine Einzelheiten mitgeteilt. Auch hatte die chinesische Botschaft bereits gewarnt, dass ein solches Treffen "nicht nützlich für die guten Beziehungen" wäre.
Faymanns Parteikollegin, Salzburgs Landeshauptfrau Gabi Burgstaller, führt den Dalai Lama auf die Bühne der Salzburgarena und präsentiert ihn beim Vortrag "Weltfrieden und universelle Verantwortung" stolz als Gast Salzburgs. In ihren Grußworten legt Burgstaller einen thematischen Parforceritt hin, der sie in wenigen Minuten von Salzburgs Parallelen zu Tibet zur Eurokrise führt und schließlich Gemeinsamkeiten in der Lehre des Dalai Lamas und der amerikanischen Verfassung erkennen lässt.
Auf einem derart ausgebreiteten Feld findet sich der Dalai Lama mit seiner einnehmenden, humorvollen Art leicht zurecht und gibt sich als EU-Fan zu erkennen: "Ich bewundere das Konzept der EU: Unterschiedliche Identitäten verfolgen gemeinsame Interessen." Er schafft den Sprung von politischen Konzepten zu seiner spirituellen Lehre. Das Wichtigste sei Selbstvertrauen, sagt der Buddhist. "Der Quell für eine positive Einstellung liegt in Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit und Transparenz."
"Er ist ein großes Licht"
Was den Mönch unbewusst direkt in die Tagespolitik bringt. Letztere können die Moderatoren in der folgenden Diskussionsrunde nicht hinter sich lassen - es dominieren Fragen zur Lage Tibets und der Weltpolitik. Dazu sagt der 76-Jährige: "Ich will hier eigentlich nicht politisieren" - und bezieht dennoch pointiert Stellung gegen die chinesische Tibet-Politik. Die tagespolitischen Fragen kommen beim Publikum aber nicht wirklich an, es kommt zu vereinzelten Unmutsäußerungen an die Moderatoren. So sagt eine Frau, die anonym bleiben will, nach dem Vortrag: "Mir hat es nicht gefallen. Die Fragen waren nicht das, was angekündigt war. Ich hätte es mir mehr auf die Zukunft gerichtet erwartet." Einem anderen Besucher, Franz Manzl, hat es hingegen gereicht. "Die Fragen waren zwar kompliziert und schwierig zu beantworten, aber der Dalai Lama ist ein großes Licht in der Welt."
Am Nachmittag traf der Dalai Lama Salzburgs Erzbischof Alois Kothgasser und Schlomo Hofmeister, den Gemeinderabbiner der israelischen Kultusgemeinde Wien. "Harmonie in der Vielfalt" lautete das Thema. Die drei Akteure betonten den guten Willen zum Zuhören und zum Lernen voneinander. Dass das friedliche Zusammenleben von Religionen möglich sei, zeige seine zweite Heimat Indien, sagte der Dalai Lama.
Am Dienstag reist er nach Italien und später Belgien weiter, um am Freitag und Samstag nach Österreich zurückzukehren.
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