San Francisco.

Am Sonntag wird die Golden Gate Bridge 75 Jahre alt. Die Amerikaner werden dies zum Anlass nehmen, die Einzigartigkeit ihres Wahrzeichens zu feiern. Hunderttausende Menschen werden auf der meist fotografierten Brücke der Welt erwartet, flankiert wird das Jubiläum von einer ganzen Reihe von Veranstaltungen wie Feuerwerken, Konzerten und historischen Ausstellungen. Die Brücke hat eine ähnliche Symbolkraft für den amerikanischen Westen wie die Freiheitsstatue sie für amerikanische Einwanderer hat.
Die Bauzeit betrug seinerzeit nur erstaunliche vier Jahre. Und dies in Zeiten, als Ingenieure noch keine Computer hatten, um die Kräfte zu berechnen, die an der 2,7 Kilometer langen Brücke zerren. "Damals hatte man Papier und Stift. Damit wurden auch die Berechnungen gemacht", erläutert Geschichtsprofessor Kevin Starr von der Universität Southern California. Angesichts der Tatsache, dass es erst kürzlich sechs Jahre dauerte, eine kleine Zufahrtsrampe zur Brücke zu errichten, wird die damalige Leistung noch erstaunlicher, meint die derzeitige Chefingenieurin der Brücke, Ewa Bauer. "Diese Brücke ist das Resultat großer Handwerkskunst."
Gegen alle Zweifler
Mit einer Höhe von 227 Metern war die Golden Gate Bridge bei der Einweihung die höchste und auch längste Brücke der Welt. Das Fundament musste bei einer der stärksten und tückischsten Strömungen der Welt 90 Meter unter der Wasseroberfläche errichtet werden. Dass sie überhaupt gebaut werden würde, war aber über lange Zeit heftig umstritten gewesen. Nur mit Müh und Not konnte Konstrukteur Joseph Baermann Strauss seine Pläne gegen den heftigen Widerstand von Fährleuten, die Skepsis von Geldgebern und Politikern und die wirtschaftlichen Zwänge der Großen Depression durchsetzen.
Bei den Menschen hat die Brücke allerdings sofort Anklang gefunden. "Es war einfach unglaublich", erinnert sich die 85-jährige Martha Furman, die die Brücke bei der Eröffnung im Jahr 1937 als eine von 200.000 Schaulustigen überquerte. Anlässlich des Jubiläums überlegt sie nun nach San Francisco zu reisen, um "erneut über die Brücke zu gehen."
Es gibt keine genauen Aufzeichnungen darüber, wie viele Menschen damals an der Konstruktion arbeiteten. Aber es ist bekannt, dass elf der Arbeiter ums Leben kamen. Weitere 19 stürzten von der Brücke, wurden aber von einem riesigen Sicherheitsnetz gerettet, das Konstrukteur Strauss hatte spannen lassen.
Heute überqueren täglich 110.000 Autos und 10.000 Fußgänger die Brücke. Die Arbeit an der Brücke hat aber noch kein Ende gefunden. "Es gibt eigentlich keinen schlechteren Platz für eine Stahlbrücke als diesen. Der Nebel ist voller Salz, das erzeugt natürlich ordentlich Rost", erklärt der ehemalige Chefingenieur Daniel Mohn. Zudem wird der Anstrich kontinuierlich erneuert. Mit "International Orange", einer Farbe, die eigens für die Brücke gemischt wird. Und die Stahlkabel mit einem Gesamtgewicht von 22 Millionen Kilogramm müssen ständig gewartet werden.
Aktuell wird die Brücke zudem umgerüstet. Nach Abschluss der Arbeiten soll sie auch einem Erdbeben der Stärke 8,1 Stand halten. Seit 15 Jahren läuft dieser Umbau bereits, am Ende wird er 660 Millionen Dollar gekostet haben. Außerdem soll das Bauwerk dadurch höhere Windgeschwindigkeiten aushalten. Nach der Einschätzung von Mohn kann die Golden Gate Bridge damit weitere 150 Jahre Bestand haben. Allerdings macht er eine Einschränkung: "Als am Tag der Eröffnung einer der Konstrukteure meinte, dies sei eine Brücke für die Ewigkeit, hätte er sagen müssen, dass dies nur bei guter Pflege gilt."
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