• vom 31.05.2012, 17:08 Uhr

Chronik

Update: 31.05.2012, 20:05 Uhr
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Welttreffen der Hells Angels in der Steiermark - Nur Motorradenthusiasten oder eine kriminelle Bande?

Teufelsgeschäfte der Höllenengel


Von Wolfgang Zaunbauer

  • Deutsche Motorradrocker schielen auf den österreichischen Markt.

Relativ ruhig ist die Situation im Rockermilieu in Österreich - noch. - © AFP ImageForum

Relativ ruhig ist die Situation im Rockermilieu in Österreich - noch. © AFP ImageForum

Wien. Ganz wohl ist den Unterpremstättern nicht bei der Sache. Von Freitag bis Sonntag werden tausende Mitglieder der berüchtigten Hells Angels zu ihrem Jahrestreffen - dem "World Run" - die kleine Gemeinde südlich von Graz bevölkern. Die Polizei rechnet offiziell mit 1800 Rockern, die Buchungslage in den Hotels lässt jedoch vermuten, dass es mehr als 3000 sein werden. Was in diesen Tagen am Schwarzlsee so abgeht, darüber lässt die Motorradgang die Öffentlichkeit im Unklaren. Es geht um Motorräder und geselliges Beisammensein, mehr verraten die Rocker nicht.

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Zum "World Run", der jedes Jahr in einem anderen Land stattfindet, reisen Hells Angels aus der ganzen Welt an. In mehr als 30 Ländern gibt es die 1948 gegründete Gang (die ersten Mitglieder waren übrigens nicht wie oft behauptet Mitglieder der US-Bomberstaffel Hell’s Angels). In Österreich ist der HAMC seit 1975 aktiv. Zuerst in Vorarlberg, zehn Jahre später in Wien. Mittlerweile gibt es sechs Zweigstellen, Charter genannt.

Beim Welttreffen in Graz werden auch zahlreiche deutsche Hells Angels erwartet. Für diese wird der Ausflug nach Österreich wohl eine angenehme Abwechslung, stehen sie doch in der Bundesrepublik unter erheblichem Druck, seit Polizei und Politik die Rocker verstärkt ins Visier genommen haben. Alleine seit 2010 wurden sechs Charter verboten, zuletzt am Dienstag in Berlin. Allerdings war die Aktion samt Großrazzia ein Reinfall. Jemand hatte die Hells Angels gewarnt.

Was den Rockern vorgeworfen wird, ist kein Pappenstiel. In einem Interview mit der "Frankfurter Rundschau" erklärte das ehemalige Klubmitglied Ulrich Detrois: "Es geht um illegale Geschäfte im Rotlichtmilieu, Drogen- und Waffenhandel, Zwangsprostitution, Schutzgelderpressung, Auftragsmord."

Weltweiter Rockerkrieg mit kuriosen Entwicklungen
Die Hells Angels gehören zu den sogenannten "Outlaw Motorcycle Gangs". Dazu zählen auch Klubs wie Bandidos, Mongols oder Outlaws, mit denen sich die Angels blutige Territorialkämpfe liefern. Diese Rivalitäten bestehen weltweit. Einen regelrechten Krieg mit zahlreichen Toten fochten Hells Angels und Bandidos über Jahre auch in Skandinavien aus.

Angesichts drohender Verbote gibt es aber auch kuriose Entwicklungen im deutschen Rockerkrieg. So sind ganze Charter der Bandidos geschlossen zu den Hells Angels übergelaufen, um einem Klubverbot zu entgehen. Für den Ex-Polizisten und Szenekenner Stefan Schubert ein Beleg dafür, dass es bei den Motorradclubs längst nicht mehr ums Harleyfahren und Werte wie Treue und Ehre geht, sondern ums Geschäft. Dafür werde "zur Not auch der Klub verraten", so Schubert in der "Süddeutschen Zeitung".

Weil aber die Luft in Deutschland zunehmend dünner wird, zieht es die Höllenengel vermehrt auch nach Österreich. So sollen etwa Berliner Hells Angels versuchen, im Salzburger Rotlichtmilieu Fuß zu fassen. Österreich ist auch deshalb für die Deutschen interessant, weil hier die Preise im Sexgewerbe noch wesentlich höher sind als in Deutschland.

BMI rechnet mit mehr Rockerkriminalität
Diesen Zuzug haben auch die österreichischen Behörden registriert, wie es im jüngsten Sicherheitsbericht des Innenministeriums heißt. Bislang war es diesbezüglich in Österreich relativ ruhig. Relativ, denn vor allem die Vorarlberger Hells Angels lieferten sich in der Vergangenheit heftige Auseinandersetzungen mit den Outlaws und sollen auch kräftig im Rotlichtmilieu mitmischen. Durch den Zuzug aus Deutschland befürchtet das Innenministerium laut Sicherheitsbericht, "dass mit einem Anstieg von schweren Straftaten im Zusammenhang mit der "Rockerkriminalität" gerechnet werden muss".

Noch ist die Lage in Österreich aber "kein Vergleich zu Deutschland", sagt Mario Hejl vom Bundeskriminalamt. Zwar komme es vor, dass einzelne Mitglieder eines Charters straffällig würden, aber nicht die Organisation an sich. "Dennoch beobachten wir die Situation ganz genau", so Hejl.




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Dokument erstellt am 2012-05-31 17:14:14
Letzte Änderung am 2012-05-31 20:05:07


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