London. Ein stolzes Jubiläum feiert Elizabeth II. an diesem Wochenende. 60 Jahre auf dem britischen Thron - das hat bislang allein Königin Viktoria geschafft. Drei Jahre und drei Monate bloß liegt Elizabeth jetzt nur noch hinter ihrer Ururgroßmutter zurück. Im September 2015 wird sie dienstältester Monarch der gesamten britischen Geschichte sein. Aber schon jetzt hat sie das zweite "elisabethanische Zeitalter" zu einer langen und denkwürdigen Ära gemacht. Zwölf Premierminister, von Winston Churchill bis David Cameron, hat sie in dieser Zeit zur wöchentlichen Audienz im Schloss empfangen. Tausende von Empfängen hat sie gegeben. Hunderte von Reisen in alle Welt absolviert.
Zum Dank für ihre sechzigjährige Anstrengung "im Dienst des Staates" richtet man ihr nun in London viertägige Feiern aus. Vielerorts soll es Straßenpartys geben. Über den Pubs der Hauptstadt hängen schon Girlanden und Wimpel aus (die dann zur Fußball-EM gleich hängen bleiben können). Am meisten gespannt ist man hier aber auf den Flottenaufzug am Sonntag auf der Themse, an dem rund tausend Schiffe teilnehmen sollen. Und auf das Popkonzert vor dem Buckingham-Palast am Montagabend. Der "Diamond Gig", bei dem unter anderm Paul McCartney und Elton John auftreten, soll das größte Popkonzert aller Zeiten auf den Britischen Inseln werden. Sogar auf dem berühmten Balkon, heißt es, würde gerockt und gerollt.
Lilibet von vorn. Lilibet von hinten. Wohin man kommt in Großbritannien, ist sie schon da. Lilibet im Profil. Von links. Von rechts. Von allen Seiten. Von Bildern und von Karten grüßend. Nicht eine Briefmarke kommt ohne ihren Umriss aus. Sie ist das vertrauteste Gesicht der gesamten Insel. Ohne ihr Konterfei wäre das Königreich gar nicht vorstellbar. Die Ikone, die sie in all diesen Jahren wurde, hat freilich ihre Person eher verborgen als enthüllt. Künstler, denen sie Modell saß, fanden es schwer, hinter die königliche Maske zu sehen (wie eine Ausstellung der Britischen Nationalgalerie jetzt dokumentiert). Weniger Mühe hat sich da Madame Tussauds machen müssen. Das berühmte Wachsfigurenkabinett braucht nur dafür zu sorgen, dass es dem öffentlichen Eindruck möglichst nahe kommt.
In dieser Hinsicht ist die neueste Wachsfigur Ihrer Majestät zweifellos gelungen. Es ist die 23. seit 1952. Zwei Sitzungen waren dem Chef-Skulpteur des Kabinetts erlaubt, bevor die Figur gestaltet wurde. Bei einer Gelegenheit bat er die übermäßig lächelnde Königin, doch bitte den Mund zu schließen. "Das", fügte er hinzu, "sagen wahrscheinlich nicht viele Leute zu Ihnen" - und brachte die Queen noch mehr zum Lachen Die 22. Kopie ist mittlerweile in die Tussaud-Filiale in Blackpool verfrachtet worden. Die anderen 21 Köpfe sollen im Londoner Stadtteil Acton gelagert sein. Aber Genaues weiß niemand. Lilibets Köpfe sind ein Staatsgeheimnis.

Im Dienste Ihrer Majestät operieren, wie man aus dem Kino weiß, die weltberühmten Doppel-0-Agenten des britischen Secret Service. Seine "Licence to Kill" verdankt James Bond dem Schutzschirm der Monarchie. Im engeren Sinne "dient" der Königin aber ein kleines Heer weniger spektakulärer Handlanger und Helfer. Rund 1200 Beschäftigte gehören dem königlichen Haushalt an. Ein Drittel davon, etwa 400, werden aus öffentlichen Mitteln bezahlt. Den Rest finanzieren die Windsors selber. Ein Betrieb mittlerer Größe sorgt sich ums Wohl der Queen. Dienstboten, Küchengehilfen, Zimmermädchen, Butler gehören dem Personal der Krone an. Dann gibt es Angestellte, die sich um die Pferde und Kutschen kümmern. Oder um die königlichen Finanzen. Ums Protokoll bei großen und kleinen Empfängen. Die vermaledeite Pressearbeit. Jedes Jahr werden 150 feste Posten neu vergeben. Und mehrere hundert "Sommer-Jobs". Als Fremdenführer für die Schlösser. Um diese Plätze bei Hofe bewerben sich viele Interessenten. Zugang zu den Palästen und ein Krönchen auf dem Arbeitszeugnis sind natürlich begehrt.
Gelegentlich gibt es mal Rummel um die schlechte Bezahlung. Dann verweist das Königshaus darauf, dass in der Regel auch freie Unterkunft, drei Mahlzeiten am Tag, die Benutzung des Schwimmbads im Buckingham-Palast und ein paar andere Vergünstigungen mit inbegriffen sind. Eine Audienz mit der Königin selbst steht ihnen nach zehn Jahren Betriebszugehörigkeit zu. Und eine zweite nochmal nach zwanzig Jahren.
Zum Sparen sieht sich selbst eine Königin bisweilen genötigt. Man kann es sich schlecht bei Hofe gut gehen lassen, wenn Mr. und Mrs. Jones knapp bei Kasse sind. Mit 33 Millionen Pfund muss die Queen dieses Jahr auskommen. Das klingt nach viel Geld, wiewohl Royalisten versichern, dass "die Firma" niemanden im Lande im Jahr mehr als den Preis einer Büchse gebackener Bohnen koste. Andererseits hat Elizabeth II. natürlich auch alle Hände voll zu tun, um allein schon ihre übers Königreich verteilten 160.000 Quadratmeter Wohnraum instand zu halten.
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