Wien. "Schani, trag den Fernseher hinaus" - diese leicht abgewandelte Wiener Formel wird es diesmal bei einem Fußball-Großereignis nicht mehr spielen. Denn erstmals ist es Wiener Wirten nicht mehr erlaubt, Bildschirme im Schanigarten aufzustellen, um den Kunden Fußballleckerbissen aus Polen und der Ukraine an der frischen Luft zu servieren. "Weil es gegen die Gewerbeordnung verstößt. Denn im Freien ist Singen, Musizieren und lautes Sprechen verboten", berichtet Willy Turecek, Gastronomie-Spartenobmann in der Wiener Wirtschaftskammer. Und diesmal sei es nicht gelungen, die Politik davon zu überzeugen, dass es für Fußball eine Ausnahme geben müsse - weshalb heuer Strafen drohen.
Für Wirte ist dies doppelt bitter, denn der zur Fußball-WM 2006 groß aufgekommene Trend des Mega-Spektakels "Public Viewing" ist hierzulande nach den geschäftlichen Fanzonen-Flops bei der Heim-Euro 2008 endgültig gestoppt. Größere Veranstaltungen, wie es sie früher schon vor der Votiv-Kirche, in der Krieau oder auf der Kaiserwiese gegeben hat, gibt es längst nicht mehr - weshalb Turecek trotz des Freiluft-Verbots davon ausgeht, dass die EM den mehr als 2000 Wiener Wirten Umsatzsteigerungen bringen wird.
Die größte Veranstaltung in Wien ist jene in der Strandbar Herrmann am Donaukanal mit rund 2000 Plätzen. Trotz der ständig steigenden Kosten und der Lizenzgebühr an die Uefa für die 23Quadratmeter großen LED-Leinwand kann Geschäftsführer Rudi Konar nicht auf das sportliche Großereignis verzichten. "Allein der Schirm kostet 30.000 bis 40.000 Euro an Miete - das kann man mit Bier alleine nicht verdienen, dazu braucht man Sponsoren." Und nur dort, wo schon ein Gastronomie-Betrieb steht, mache "Public Viewing" Sinn; wenngleich das Risiko auch so groß genug sei: "Wenn es drei Wochen durchregnen würde, wäre es ganz schlecht. Und ich habe auch noch keinen gefunden, der so etwas versichern würde", sagt Konar.
"Nicht finanzierbar"
Dabei hätte das Stadt-Wien-Marketing, 2008 noch Schirmherr der Uefa-Fanzone, Veranstalter unterstützt: "Bei der Kaiserwiese gab es Interesse - bis sich herausstellte, dass es nicht finanzierbar ist", erzählt Geschäftsführerin Barbara Forsthuber. Schließlich braucht es für Bildschirme mit mehr als drei Metern Diagonale eine Uefa-Genehmigung - weiters sei dann eine Kooperation mit den offiziellen Sponsoren von Vorteil.
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