Wien. Wer ab 2. Juli mit der Bahn von Wien nach Linz reisen möchte, muss 34,30 Euro dafür bezahlen – bisher kostete die Fahrt 31,20 Euro. Mit ÖBB-Vorteilscard sowie mit der Westbahn kostet die Karte 17,20 Euro statt 15,60 Euro. Erhöhen doch sowohl die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) als auch Mitbewerber Westbahn die Preise für Einzeltickets um acht Prozent, wie sie am Donnerstag verkündeten. Und folgen somit den Wiener Linien, die erst am 1. Mai ihre Einzelfahrschein-Preise ebenfalls um rund acht Prozent von 1,80 auf zwei Euro verteuert hatten. Gleichzeitig bewegen sich die Treibstoffpreise auf hohem Niveau: Laut Autofahrerclub Arbö wurde Diesel seit 2009 um 30 Prozent teurer.
Pünktlich mit Ferienbeginn kommen somit nicht nur auf Autofahrer, sondern auch auf Nutzer des öffentlichen Verkehrs hohe Fahrtkosten zu. Für Vielfahrer wird es allerdings billiger: Die ÖBB-Österreich-Card kostet ab 2. Juli 1640 statt wie bisher 1790 Euro im Jahr. "Damit kann man um 4,50 Euro pro Tag ein Jahr lang durch Österreich fahren. Wer mehr als elf Kilometer täglich mit dem Auto fährt, ist somit billiger unterwegs", heißt es von den ÖBB. Unter 26-Jährige zahlen für diese künftig 999 Euro statt 1050 Euro. Senioren über 60 können die Österreich-Netzkarte für 1150 statt 1260 Euro lösen. Kinder unter sechs Jahren fahren in Zukunft gratis bei den ÖBB.
Im Unterschied zu früher gelten auch zwei Bahnfahrer künftig als Gruppe – und können fünf Prozent Rabatt in Anspruch nehmen. Weiters verringert sich die Zahl der Tarife von 118 auf 61. "Die Kunden hatten keinen Überblick mehr über die vielen Sonderregelungen", sagt ÖBB-Sprecherin Sarah Nettel.
Die Sparschiene-Angebote bleiben indes gleich. Auch für Vorteilskarten, mit denen laut ÖBB zwei Drittel aller Tickets um den halben Preis gekauft werden, sowie für die Zeitkarten der meisten Pendler bleiben die Preise unverändert: Die Tickets der Verkehrsverbünde sind von der Tarifreform nicht betroffen. "60 Prozent unserer Kunden und die meisten Pendler haben Verbundkarten", so Nettel. Pendler außerhalb der Verbünde (etwa auf der Strecke Melk-Wien) müssen in Zukunft allerdings ebenfalls acht Prozent mehr für Wochen- und Monatskarten zahlen. Obwohl die Westbahn mit dieser Erhöhung mitzieht, betont Sprecher Manfred Mader: "Wir halten weiterhin unser Versprechen, Tickets zum halben Preis des ÖBB-Normaltarifes anzubieten."
Tarifreform zuletzt 2009
Die Ticket-Preise der ÖBB waren zuletzt im Juli 2009 reformiert und zum Teil erhöht worden: Die Preise für Einzelfahrscheine wurden damals um 4,8 Prozent angehoben. Warum sie diesmal gleich um acht Prozent teurer werden, glauben Kritiker zu wissen: Großbauprojekte sollen schuld daran sein. "Weil sich die ÖBB auf Polit-Wunsch unrentable Riesenbauprojekte leisten müssen, werden Schulden gemacht, Strecken zugesperrt, Angebote reduziert und Ticketpreise erhöht", kritisiert etwa Gabriela Moser, Verkehrssprecherin der Grünen. Die ÖBB sehen das anders. "Trotz steigender externer Kosten für den Konzern wie Energiekosten und einer Steigerung des Großhandelspreisindex um 13 Prozent seit 2009 beträgt die Indexanpassung lediglich rund acht Prozent."
"Der gesamte Tunnelbau ist absolut unsinnig", sagt Verkehrsexperte Hermann Knoflacher Moser. Die ÖBB seien von der Bauindustrie beeinflusst, wirtschaftliche Aspekte wie die Forcierung des Güterverkehrs zählten in Wahrheit nicht. Warum? "Weil ein ehemaliger Generaldirektor des Baukonzerns ,Porr im Aufsichtsrat sitzt", so Knoflacher, der damit Horst Pöchhacker anspricht. Zuletzt wurde dieser im Korruptions-Untersuchungsausschuss wegen des Verdachts der Schmiergeldzahlungen belastet.
Lainzer Tunnel ist fertig
Zeitlich etwas unglücklich gewählt wirkt in diesem Licht, dass die ÖBB ebenfalls am Donnerstag die Fertigstellung des Lainzer Tunnels verkündeten. Nach mehr als einem Jahrzehnt Bauzeit seien die Arbeiten nun abgeschlossen – das 12,8 Kilometer lange Bauwerk werde am 9. Dezember gemeinsam mit der Neubaustrecke Wien-St. Pölten in Betrieb genommen. Vorerst allerdings nur vom Güterverkehr: Personenzüge sollen erst mit der Vollinbetriebnahme des Hauptbahnhofs durch den Lainzer Tunnel fahren. Dessen Bau kostete 1,3 Milliarden Euro, künftig wird er West-, Süd- und Donauländebahn (Strecke zum Zentralverschiebebahnhof Wien-Kledering) verbinden. Für Zugreisende ergeben sich somit künftig zum Teil kürzere Fahrzeiten, heißt es von den ÖBB. Die Fahrt Wien-St. Pölten dauere dann nur noch 25 Minuten ab dem Hauptbahnhof statt wie bisher 45 Minuten ab Westbahnhof.
An Preiserhöhungen sollten generell Fahrplanverbesserungen wie diese gekoppelt sein, meint Knoflacher. "Wie etwa in der Schweiz, wo die Preise zwar um zwölf Prozent erhöht, der Fahrplan aber fast verdoppelt wurde – und die Zahl der Fahrgäste wuchs um 15 Prozent an." Der ÖBB-Fahrplan hingegen werde zunehmend gekürzt, "weshalb hier durch die Tariferhöhung Fahrgäste fern bleiben werden".
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