Wien. Meistens passiert es während des Einkaufsbummels. Oder beim Urlaub in einer fremden Stadt: Man muss auf einmal dringend aufs Klo - und keine öffentliche Toilette ist in Sicht. Erlösung bringen freundliche Wirte, die ihr WC gratis zur Verfügung stellen. Falls allerdings Drehkreuze oder Schranken, die sich nur gegen Gebühr öffnen lassen, den Weg zur ersehnten Toilette versperren, steht man vor dem nächsten Problem. Vor allem dann, wenn sich trotz hastiger Suche kein entsprechendes Geldstück finden lässt.
Erst in der Vorwoche gerieten diesbezüglich die Gebühren auf Autobahn-Toiletten in die Kritik: Sie müssen nun laut Autobahnbetreiber Asfinag fallen, weil aufgrund der Pachtverträge die WC-Benützung gratis sein muss. Unmittelbar danach meldeten sich Bahnkunden zu Wort und beschwerten sich über WC-Gebühren von bis zu 50 Cent auf Großbahnhöfen. Laut ÖBB-Sprecher Herbert Ofner sind diese allerdings gerechtfertigt und decken nur ein Drittel der Reinigungs- und Wartungskosten von rund drei Millionen Euro pro Jahr ab. Zudem werde dadurch verhindert, dass Bahnhofstoiletten zum Schlafplatz für Obdachlose mutieren. Gleichzeitig tauchen immer mehr Drehkreuze mit Münz- oder Chipeinwurf vor den Toiletten von Cafés auf. Sind diese nicht aufgestellt, gibt es zumindest einen "Spendenteller". Die Debatten um Toilettengebühren werden also noch lange nicht zu Ende zu sein.
In Deutschland scheint man indes einen Schritt weiter zu sein. Hier stand man vor einem ähnlichen Problem - und fand eine Lösung dafür: die "Nette Toilette". Dabei unterstützen Städte Gastronomen mit monatlich 50 Euro, damit auch Passanten deren Toiletten gratis benützen dürfen. Für einen Wickeltisch oder Barrierefreiheit gibt es 25 Euro zusätzlich.
Deutschland ist "netter"
Wer eine "Nette Toilette" anbietet, erkennt man an einem Aufkleber im Eingangsbereich. Bereits 2000 wurde das Projekt in Aalen in Baden-Württemberg entwickelt, mittlerweile beteiligen sich 120 Städte daran. Die Stadt erspart sich dadurch den Kauf von vollautomatischen, öffentlichen Toiletten um rund 130.000 Euro pro Stück sowie deren Wartung von jährlich 15.000 Euro. Zum Vergleich: Für ihre 27 "Netten Toiletten" muss Aalen nur 17.000 Euro im Jahr bezahlen.
Auch in Österreich startete man den Versuch, die "Nette Toilette" zu etablieren - und scheiterte. Es war die Stadt Traun in Oberösterreich, die vor fünf Jahren Gastronomen aufrief, ihr WC gegen eine Entschädigung für Passanten zu öffnen. "Das Projekt ist eingeschlafen", heißt es heute aus dem Magistrat. Aktuell flammt die Debatte um die "Nette Toilette" in Wiener Neustadt in Niederösterreich wieder auf: Hier schlug sie Stadtrat Franz Piribauer (ÖVP) als Alternative zum geplanten Ankauf einer 100.000 Euro teuren Sanitäreinrichtung auf dem Hauptplatz vor. Die Verantwortlichen im Magistrat sehen aber "zu viele Schwierigkeiten".
Warum die "Nette Toilette" für Österreich keine Lösung zu sein scheint und weder Städte noch Gastronomen Interesse zeigen, erklärt Thomas Wolf vom Fachverband Gastronomie in der Wirtschaftskammer Österreich so: "Unsere größeren Städte sind ausreichend mit öffentlichen Toiletten versorgt, es besteht kein akuter Handlungsbedarf." Gäste eines Gastronomiebetriebs könnten zudem stets gratis die Toilette benutzen. Für Passanten falle die Toilettenbenützung zwar nicht unter die "Nebenleistung der Dienstleistung" - zahlreiche Wirte seien jedoch kulant.
Ob ihnen der Toilettenbesuch tatsächlich verwehrt werden darf, ist allerdings unklar. Denn während laut Wolf Wirte vom Hausrecht Gebrauch machen können, heißt es aus dem Büro Sandra Frauenberger, Wiener Stadträtin für Konsumentenschutz: "Jeder, der die Verrichtung der Notdurft verweigert, kann strafrechtlich angezeigt werden: wegen Unterlassung der Hilfeleistung."
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