• vom 18.07.2012, 15:33 Uhr

Chronik

Update: 18.07.2012, 16:28 Uhr
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Kirche unterbindet Regierungspläne

Heimliche Verhütung auf den Philippinen



Philippinische Frauen konnten am Weltbevölkerungstag im Stadtteil Baseco kostenlos Verhütungsmittel bekommen.

Philippinische Frauen konnten am Weltbevölkerungstag im Stadtteil Baseco kostenlos Verhütungsmittel bekommen.APAweb/Reuters/Erik De Castro Philippinische Frauen konnten am Weltbevölkerungstag im Stadtteil Baseco kostenlos Verhütungsmittel bekommen.APAweb/Reuters/Erik De Castro

Manila. (dpa/weg) Es ist bereits ihr viertes Kind: Den drei Monate alten Sohn auf dem Arm tragend, steht die 27-jährige Jonalyn Corpuz in einer langen Schlange und wartet auf das Stäbchen, das sie drei Jahre lang vor einer weiteren Schwangerschaft bewahren soll. Ihr Sohn macht Theater, sie stillt ihn, um ihn zu beruhigen. Daheim lassen hätte sie ihn nicht können und die Gelegenheit, das Verhütungsstäbchen gratis zu bekommen, konnte sie nicht verpassen: Sie möchte keine weiteren Kinder. Deswegen ist sie hier. Auf den erzkatholischen Philippinen ist das kein ganz einfacher Schritt: Die mächtige katholische Kirche unterbindet normalerweise alle Versuche, Empfängnisverhütung leichter zugänglich zu machen. Doch zumindest heute gibt es Verhütungsmittel im Slum-Dorf Baseco umsonst. Anlässlich des Weltbevölkerungstages 2012 findet hier nämlich zum zweiten Mal die Familienplanungsmesse statt.

Spritzen, Implantate, Pillen

Arme Frauen und Paare, mit Kinder oder ohne, konnten sich auf dieser Messe kostenlose Informationen, Beratung und Verhütungsmittel besorgen. Einwohner von Baseco, dem größten Stadtteil mit über 50.000 Bewohner, und die angrenzenden Dörfer Parola und San Nicolas konnten diese kostenfreien Dienste nutzen. Und das taten sie auch: Hunderte Frauen haben sich angemeldet, um gratis an verhütende Spritzen, Implantate, die Pille oder andere Mittel zu kommen – oft ohne dem Wissen ihrer Ehemänner. Organisiert wurde die mobile Beratungsstelle von dem Frauengesundheitszentrum Likhaan aus der Hauptstadt Manila. Unterstützung bekam das Projekt vom UN-Bevölkerungsfonds UNFPA und der Europäischen Union (EU). Jonalyn kommt aus einem provisorischen Behandlungsraum mit einem Pflaster am Arm. Sie sagt, es hätte nicht wehgetan - weitere Kinder zu bekommen wäre schmerzhafter.

Eine Philippinerin bekommt das Verhütungsstäbchen implantiert. Für drei Jahre muss sie nun nicht an Verhütung denken.

Eine Philippinerin bekommt das Verhütungsstäbchen implantiert. Für drei Jahre muss sie nun nicht an Verhütung denken.APAweb/Reuters/Erik De Castro Eine Philippinerin bekommt das Verhütungsstäbchen implantiert. Für drei Jahre muss sie nun nicht an Verhütung denken.APAweb/Reuters/Erik De Castro

Nach UNFPA-Zahlen waren 2008 von 3,4 Millionen Schwangerschaften auf den Philippinen 1,9 Millionen ungeplant. Im vergangenen Jahr hatten 19,3 Prozent aller philippinischen Frauen, die eigentlich nicht schwanger werden wollten, keine Verhütungsmittel. Fünf Jahre zuvor lag dieser Anteil noch bei 15,7 Prozent. Am schlimmsten trifft es nach Angaben von UNFPA arme und bildungsferne Frauen, heranwachsende Mädchen, sowie Frauen aus den Konfliktgebieten im Süden des Landes. Sie haben im Durchschnitt sechs Kinder – zwei mehr als sie sich wünschen.

Katholische Kirche unterbindet Empfängnisverhütung

"Das hier ist ein Vorbild für Familienplanungsdienste, wie sie alle Regierungen für all jene, die keinen Zugang oder kein Geld dafür haben, anbieten sollten", sagt Joy Salgado von Likhaan. Doch alle Ansätze der Regierung, Empfängnisverhütung leichter zugänglich zu machen, werden von der mächtigen katholischen Kirche torpediert. Im Parlament gibt es schon seit elf Jahren ein Entwurf zur Regelung der Familienplanung – doch bist jetzt war der Einfluss der Kirche und anderer religiöser Gruppen zu stark. Trotzdem ist Salgado hoffnungsfroh, dass der Entwurf bald Gesetz wird, damit auch den ärmsten Philippinerinnen geholfen wird.

Heimliche Verhütung

Obwohl sich viele der Frauen in Baseco für das Verhütungsstäbchen entscheiden, eine bequeme und langwirkende Methode, entscheidet sich ein 17-jähriges Mädchen für die Dreimonatsspritze. Ihren richtigen Namen möchte die junge Frau nicht nennen - aus Angst, ihr Ehemann könnte herausfinden, dass sie hier war. Deshalb will sie auch nicht zu lange warten und entscheidet sich für die Spritze statt des Stäbchens. Viele der Männer sind stark beeinflusst von der katholischen Erziehung und billigen keine Empfängnisverhütung. Aus diesem Grund gehen viele Frauen heimlich zu der Familienplanungsmesse, um endlich selbst bestimmen zu können, ob sie ein Kind bekommen wollen oder nicht. Auch das junge Mädchen will in nächster Zeit nicht mehr schwanger werden - für zumindest drei Monate kann sie nun aufatmen.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-07-18 15:39:13
Letzte Änderung am 2012-07-18 16:28:20


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