Denver.

Wer den Aufmarsch der schwerbewaffneten Polizisten und der umhereilenden Sanitäter sah, konnte wohl schon erahnen, was sich im Inneren des Century 16 abgespielt haben muss. Über die Kinobesucher, die vor allem gekommen waren, um die Mitternachts-Premiere des neuen Batman-Films "The Dark Knight Rises" zu erleben, war ein Alptraum hereingebrochen. Ein Alptraum, an dessen Ende 12 Menschen tot und 50 teils schwer verletzt sind.
Nach Angaben von Augenzeugen war knapp eine Viertelstunde nach Filmbeginn ein Mann durch den Notausgang in den Kinosaal Nummer 9 gekommen und hatte eine Tränengas-Granate ins Publikum geworfen. Anschließen eröffnete der Mann, der eine ähnliche Gasmaske wie der aktuelle Batman-Filmbösewicht Bane trug, das Feuer. Viele der zumeist jungen Premierengäste waren sich der Gefahr zunächst aber offenbar gar nicht bewusst gewesen. Da auch der Leinwand gerade eine Schießerei gezeigt wurde, dachten viele im ersten Moment, die Schüsse gehörten zum Film. "Ich habe zunächst überhaupt nicht begriffen, was los ist", sagte ein Augenzeuge gegenüber CNN.
Atypischer Schauplatz

Als die Zuschauer schließlich den Ernst der Lage begriffen, brach im Kinosaal Panik aus. Wer nahe an einem Ausgang saß, versuchte durch diesen zu fliehen, wer sich mitten im Raum befand, suchte hinter den Stühlen Deckung. "Ich habe zu meiner Freundin einfach nur gesagt, sie solle sich totstellen", erzählte der 25-jährige Chandler Brannon. Andere Augenzeugen berichteten von blutüberströmten Menschen, die sich teilweise auf allen Vieren nach draußen schleppten.
Laut Polizei handelt es sich bei dem Amokläufer um den 24-jährigen James Holmes, Student der Neurowissenschaften. Der mit einer kugelsicheren Weste bekleidete Mann ließ sich kurz nach der Tat widerstandslos auf einem Parkplatz hinter dem Kino festnehmen. Bei ihm wurden ein Gewehr und eine Handfeuerwaffe sichergestellt, im Kinosaal fand die Polizei auch noch eine weitere Schusswaffe. In der Wohnung des Täters wurden zahlreiche Sprengfallen entdeckt. Über das Motiv des Täters herrschte zunächst Unklarheit, lediglich einen terroristischen Hintergrund konnte die Polizei bereits ausschließen. Atypisch erscheint den Kriminologen aber jedenfalls die Wahl des Tatorts. In so gut wie allen Fällen finden Amokläufe an Orten statt, mit denen der Täter sozial eng verwoben ist, wie etwa die Schule oder der Arbeitsplatz, und keine anonyme Massenveranstaltung.
Auch dass der Täter überlebt hat, ist eine Ausnahme. "Der persönliche Showdown ist meist miteingeplant. Es ist ein erweiterter Selbstmord", sagte Christian Pfeiffer, Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen. Zuvor steht bei Amokläufern laut Pfeiffer aber immer der Wunsch, einmal Herr über Leben und Tod zu sein, um die Ohnmacht, die sie im Alltagsleben prägt, zu kompensieren. "Die Supermacht genießen, die Panik in den Augen der Gegenüber, die zu flüchten versuchen - das alles soll entschädigen für die vielen Demütigungen und Niederlagen, die sie erlebt haben."
Die Region Denver war bereits vor 13 Jahren von einem Massaker erschüttert worden. Damals eröffneten an der Columbine High School zwei Schüler das Feuer und töteten 13 Menschen. Littleton liegt 20 Kilometer von Aurora entfernt.
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