Graz.

Dass aber der Ort, am Ausgang des Paltentales gelegen, ein hochwassergefährdetes Wohngebiet ist, war allgemein bekannt - und deshalb in den Gefahrenzonenplänen des Landes und der Gemeinde Trieben, der St. Lorenzen zugeordnet ist, als "rote Zone" ausgewiesen. Dass es aber tatsächlich einmal zu so einer Jahrhundertkatastrophe kommen würde, daran dachte niemand. Auch nicht beim Land Steiermark. "Es war ein Ereignis von einer Schadensdimension, wie sie in den vergangenen 30 Jahren nicht mehr vorgekommen ist", erklärte dazu der Leiter der Katastrophenschutzabteilung, Kurt Kalcher, am Montag.
Allein für die betroffenen Familien, die die letzten Nächte in Notunterkünften des Roten Kreuzes, bei Verwandten oder in Pensionen verbringen mussten, ist das nur ein schwacher Trost. Denn 30 Jahre sind eine lange Zeit. Und in der hätte man etwas gegen das Hochwasserrisiko unternehmen müssen, wird nun kritisiert. Auch sei die Gefahr von den Behörden runtergespielt und den St. Lorenzern erst vor wenigen Wochen bei einer Sitzung gesagt worden, dass der Ort "kein gefährdetes Gebiet" sei. Damit, dass eine kleine Verklausung beim Lorenzerbach eine derartig große Katastrophe auslösen könnte, hatte damals wie heute niemand gerechnet. Da halfen auch die Maßnahmen der Wildbachverbauung sowie die Bemühungen der Feuerwehr, den Bach noch am Vorabend des Unglücks von Treibgut zu säubern, nichts. Folge: Kurz nach fünf Uhr Früh wurden die Sperren weggerissen und eine fünf bis sieben Meter hohe Schlammwelle wälzte sich bis in den Ort.
Wildbachverbauung kostet bis zu sechs Millionen Euro
Dabei dürfte dort, wo jetzt rund 400 Helfer von Bundesheer und Feuerwehren mit den Aufräumarbeiten beschäftigt sind, eigentlich gar kein Haus stehen. Zumindest, wenn man den aktuellen Gefahrenzonenplan der Gemeinde Trieben von 2009 ernst nimmt. Dass in den eingezeichneten roten Zonen dennoch Menschen leben, erklärte Gerhard Baumann von der Wildbach- und Lawinenverbauung Steiermark im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" so: "Das alles sind Gebäude, die vor der Erstellung des ersten Gefahrenzonenplanes in den 80ern errichtet wurden." Die Frage, ob es nicht aufgrund der Muren- und Hochwassergefahr eine Handhabe gegen die Grundstückbesitzer gebe, verneinte der Experte. "Sie können niemandem befehlen, dass er aussiedeln muss. Das ist schließlich sein Grund."
Keiner Schuld bewusst ist sich auch der Triebener Bürgermeister Helmut Schöttl. "Wir als Gemeinde sind für die Einstufung der Gefahrenzonen nicht zuständig, sondern sind dazu da, jährliche Begehungen zu machen und Missstände aufzuzeigen." Tatsächlich seien in den letzten Jahren und Jahrzehnten die meisten Bäche, auch der Lorenzerbach, verbaut und Sicherheitsmaßnahmen zum Hochwasserschutz gesetzt worden, so der Ortschef. Gegenüber den Bewohnern habe er die Gefährdung nie geleugnet. "Aber mit so einer starken Flutwelle hat niemand gerechnet", fügte er hinzu.
Wie eine solche Katastrophe in St. Lorenzen in Zukunft doch verhindert werden kann, darüber hat Schöttl am Montag im Rahmen einer Begehung mit Experten der Wildbachverbauung beraten. Angesichts der klimatisch-geologischen Bedingungen in der Obersteiermark keine leichte Aufgabe, wie Gerhard Baumann weiß: Demnach würden die Böden in der Gegend nach starken Unwettern mit viel Regen oft "tiefgründig durchnässt", zudem sei die Region von rutschanfälligem Schiefergestein dominiert. Trotz allem werde man das Problem "Lorenzerbach" sehr rasch in Angriff nehmen. Kostenpunkt: sechs Millionen Euro.
Dringend finanzielle Hilfe nötig haben auch jene Hausbesitzer, die auf einen Schlag Hab und Gut verloren haben. Sowohl das Land Steiermark als auch die Bundesregierung haben rasche Hilfe für die Opfer zugesagt.
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