• vom 03.08.2012, 13:46 Uhr

Chronik

Update: 03.08.2012, 13:56 Uhr
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Murenabgänge

Spur der Verwüstung im Lungau



  • 100.000 Kubikmeter Geröll im Talboden.

Bei einem Gewitter mit Hagel und Starkregen sind am Donnerstag im Talschluss des Göriachtals im Lungau insgesamt vier Muren abgegangen. Die größte davon war rund 200 Meter lang und bis zu sechs Meter hoch.

Bei einem Gewitter mit Hagel und Starkregen sind am Donnerstag im Talschluss des Göriachtals im Lungau insgesamt vier Muren abgegangen. Die größte davon war rund 200 Meter lang und bis zu sechs Meter hoch.APAweb / feuerwehr Göriach Bei einem Gewitter mit Hagel und Starkregen sind am Donnerstag im Talschluss des Göriachtals im Lungau insgesamt vier Muren abgegangen. Die größte davon war rund 200 Meter lang und bis zu sechs Meter hoch.APAweb / feuerwehr Göriach

Salzburg. Nach den verheerenden Murenabgängen im Göriachtal im Salzburger Lungau bei denen ein Auto mit zwei Insassen mitgerissen worden war, hat am Freitag große Betroffenheit über das Ausmaß der Verwüstung geherrscht. Die Helfer waren aber sehr erleichtert, dass niemand zu Schaden gekommen ist. Das Ehepaar sprang auf der Beifahrerseite aus dem Wagen und blieb unverletzt - ebenso die rund 50 im Talschluss eingeschlossenen Personen. Sie wurden von Einsatzkräften in den Ort Göriach gebracht. Am Freitag fuhren Bagger auf, um einen Weg in das hintere Göriachtal anzulegen und die 17 Fahrzeuge der Evakuierten zu bergen.

"Murenabgänge in dieser Heftigkeit hat es hier noch nie gegeben. Es hat sich eine Weltuntergangsstimmung eingestellt. Aber Hauptsache, es ist niemand verletzt worden", zeigte sich Bürgermeister Reinhard Radebner im APA-Gespräch erleichtert. Rund 60 Einsatzkräfte begleiteten insgesamt 55 Einheimische und Touristen aus dem von der Außenwelt abgeschnittenen "Hüttendorf" zu einem Sammelplatz in Göriach, wo sie vom Roten Kreuz betreut wurden. Elf vorwiegend ältere Personen wurden mit dem Polizeihubschrauber evakuiert. "Heute ist niemand mehr eingeschlossen", erklärte am Freitag Ortsfeuerwehrkommandant Alois Macheiner.

Geröll-Lawine

Das Ehepaar aus Bruck an der Mur (Steiermark), deren Auto auf dem "Göriacher Winklweg" von einer Geröll-Lawine erfasst und in ein Bachbett mitgerissen worden war, "hatte einen Schutzengel", sagte der Bürgermeister. "Ich nahm den Lenker des Fahrzeuges an der Hand und begleitete ihn mit Einsatzkräften über die Geröllmassen hinaus. Er hat gestern seinen zweiten Geburtstag gefeiert." Wie durch ein Wunder sei auch das Auto nahezu unbeschädigt geblieben. "Wenn wir es herauskriegen, kann man damit wegfahren." Zwei weitere Fahrzeuge, in denen sich keine Insassen befanden, wurden unter der Mure begraben.

Das heftige Gewitter mit sintflutartigen Regenfällen und Hagel setzte um etwa 15.00 Uhr ein. Innerhalb einer halben Stunde bildete sich im Talboden bis zu 100.000 Kubikmeter Geröll. "Zwischen zehn bis 15 Murenstiche sind heruntergegangen. Die größte Mure war jene aus dem Kasergraben, mit über 200 Meter Breite und bis zu sechs Meter Höhe", schilderte der Lungauer Katastrophenreferent Philipp Santner. Diese Mure war es auch, die den Wagen des Ehepaares erfasst hatte.

17 herrenlosen Autos

Die Erdmassen verschütteten den Almweg in Hintergöriach und die Almwiesen entlang des Göriachbaches. Jene Urlauber, die in dem Hüttendorf wohnten, fanden bei den Pächtern der Hütten oder in Gasthäusern eine Unterkunft. Die 17 herrenlosen Autos der Evakuierten befanden sich am Freitagvormittag noch im Talschluss. "Wir versuchen jetzt, dass wir schnellstmöglichst den Weg dorthin wieder herstellen, damit wir die Fahrzeuge talwärts bringen können", sagte der Ortschef.

Vier Bagger wurden angefordert, die Mitglieder der Feuerwehr Göriach hatten alle Hände voll zu tun. "Wir haben hier jährlich Überschwemmungen. Aber das Ausmaß von gestern ist unvorstellbar. Gott sei Dank ist das unbewohntes Gebiet. Es sind aber über den Weg fünf Almen zu versorgen, das Gebiet ist auch touristisch von enormer Bedeutung", erklärte der Bürgermeister.

Am Freitagvormittag habe man schon kleinere Muren freilegen können, sagte der Katastrophenreferent. Die Einsatzkräfte legen ein Weg über die große Mure an, um in den Talschluss zu gelangen. "Das wird vermutlich bis morgen dauern," so Santner. Zur Beurteilung der Gefahrenlage und des Schadensausmaßes fand auch schon ein Erkundungsflug mit einem Landesgeologen und dem Gebietsleiter der Wildbach- und Lawinenverbauung statt.

Zahlreiche Feuerwehreinsätze in Tirol

Zum Teil heftige Gewitter haben Donnerstagabend kleine Murenabgänge und Schäden in Tirol verursacht. Die Feuerwehren mussten zahlreiche Keller auspumpen und umgefallene Bäume aus dem Weg räumen. Besonders betroffen waren Osttirol, das Wipptal und Teile des Unterlands.

In Osttirol wurde die Landesstraße nach Glanz verlegt. In Axams (Bezirk Innsbruck-Land) setzte ein Blitz ein Hausdach in Brand. In Jenbach (Bezirk Schwaz) ging eine Mure auf die Jenbacher Straße (L7) ab.




Schlagwörter

Tirol, Unwetter, Wetter

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-08-03 13:53:51
Letzte Änderung am 2012-08-03 13:56:49


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