Avranches. Bloß nicht im August den Mont-Saint-Michel besuchen, hieß es lange - in der Hauptreisezeit sei der Klosterberg am Ärmelkanal allzu überlaufen von Touristen, die eine der berühmtesten Sehenswürdigkeiten Frankreichs besichtigen. Bis zu drei Millionen Menschen kamen im Jahr. Besuchten in früheren Jahrhunderten vor allem religiöse Pilger die 1300 Jahre alten Abtei, die noch immer Ordensleute beherbergt, so sind es heute überwiegend touristische. 1979 nahm die Unesco Berg und Bucht in ihre Weltkulturerbe-Liste auf.
Doch seit kurzem erklingen andere Töne von den Gewerbetreibenden rund um die felsige Insel, auf der die historische Benediktinerabtei steht. "Der Mont-Saint-Michel ist ein Freizeitpark geworden", klagt Patrick Gaulois. "Um 18 Uhr ist keiner mehr da. Die Leute kommen nicht mehr zum Abendessen, weil man abends nicht gratis parken kann." Gaulois gehört zu den Wirten und Geschäftsleuten, die die massiven Umbauarbeiten von Anfang an kritisiert haben, die den Mont-Saint-Michel seit 2005 in eine riesige Baustelle verwandeln. Wie viele seiner Kollegen befürchtet er durch den erschwerten Zugang zum Klosterberg negative Auswirkungen auf den Tourismus, von dem immerhin mehrere hundert Geschäftsleute leben.
Denn durch den Umbau, der die Bucht vor der drohenden Versandung retten soll, liegen die Parkplätze drei Kilometer von der Bucht entfernt. Um zu den gratis zur Verfügung gestellten Pendelbussen zu gelangen, müssen 900 Meter zurückgelegt werden - eine weite Strecke für Besucher, die schlecht zu Fuß unterwegs sind oder es ganz einfach eilig haben, weil sie in kurzer Zeit möglichst viele Sehenswürdigkeiten abhaken wollen. "Den Japanern gefällt die neue Organisation nicht", erklärt Busfahrer Pierre. Ein Projekt mit Pferdekutschen konnte zunächst nicht umgesetzt werden.
Zusätzlich zu den 9 Euro Eintritt kostet der Parkplatz zudem nun 8,50 statt bisher 6 Euro. Das Tourismusbüro spricht von einem Besucher-Rückgang von 11,6 Prozent im Vergleich zu den Vorjahren, seit der Eröffnung des neuen Parkplatzes Ende April. Allein am ungünstigen Wetter und der generell schlechten Konjunktur könne das nicht liegen, sagt Tourismus-Chef Alain Conan: "Wir bekommen viele Beschwerden."
Neuer Damm bis 2015
Eigentlich sollten die Arbeiten den Mont-Saint-Michel attraktiver machen und den idyllischen Postkartenbildern wieder annähern, die es von ihm gibt. Infolge eines 1877 erbauten Staudamms trug die natürliche Strömung die Sediment-Schichten, die die Flut in die Bucht spülte, in den vergangenen Jahrzehnten nicht mehr ab. Ohne Gegenmaßnahmen wäre die Klosterinsel in spätestens 30 Jahren wohl mit dem Festland verwachsen gewesen. Bereits 1995 formierte sich deshalb eine Interessengruppe, die die Restaurierungsarbeiten und die Errichtung eines neuen Staudamms vorantrieben, die noch bis 2015 andauern. Unumstritten waren sie nie. Seit langem sind Anwohner und Geschäftsleute gespalten in Gegner und Befürworter des Projektes. Die einen fürchten den Abschreckungseffekt durch die umständlichere Anreise. Die anderen kämpfen dafür, dass der Ort seinen maritimen und natürlichen Charakter dauerhaft behält. "Jetzt parken nicht mehr hunderte Camping-Autos am Fuße des Berges", sagt Ladeninhaber Éric Vannier. "Muss man das wirklich bedauern?" Die Interessensgruppe will noch den Sommer abwarten, um Bilanz zu ziehen. Sie setzt auf bessere Information der Besucher: Die Shuttlebusse fahren alle paar Minuten und bis 1 Uhr nachts. Für ein Dîner am Fuß des Berges bleibt also genug Zeit.
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