Graz/St. Pölten.

Immerhin drohen Alfred Bergner, der als Oberhaupt der Stadt das Unglücksfest im Park genehmigt hatte, bis zu ein Jahr Gefängnis. Der Verdacht der Justiz: Der Bürgermeister habe jenen Baum, der am 28. Juli mehrere Personen unter sich begraben hatte, nicht kontrollieren lassen und dadurch die Aufsichtspflicht verletzt. Was Bergner freilich bestreitet. Es habe sehr wohl eine Firma mit der Prüfung beauftragt, allerdings sei die Kontrolle "wegen der Urlaubszeit" aufgeschoben worden. Allein die Baumpfleger wollen sich nun an den Auftrag Bergners nicht erinnern.
Wer letzten Endes an der Tragödie die Schuld trägt, soll nun die Staatsanwaltschaft St. Pölten klären. "Für uns geht es jetzt einmal um die Frage, ob der Baum schadhaft war oder nicht", betont die leitende Staatsanwältin Michaela Schnell. Wenn nicht, könnte Bergner aufatmen, weil so die ganze Sache mit dem Vermerk "höhere Gewalt" zu den Akten gelegt werden könnte. Aber so richtig daran glauben will niemand. Schon gar nicht Bergners Bürgermeisterkollegen, wie ein Rundruf der "Wiener Zeitung" durch mehrere Amtsstuben ergeben hat. Die Politiker haben sich dort mit der Tatsache, dass sie bei Veranstaltungen immer und überall irgendwie haften, bereits abgefunden.
Bürgermeister unter Druck
Dabei sehen sich die Bürgermeister nicht nur dem Druck der Gerichte, sondern auch der Lokalbevölkerung ausgesetzt. "Wenn man zum Beispiel der Feuerwehr das Fest nicht genehmigt, sind sie einem ewig böse, sagst aber nichts und es passiert etwas, dann fragt sich jeder, warum es genehmigt wurde", bringt es ein Bürgermeister, der anonym bleiben möchte, auf den Punkt. So gesehen sei es für einen Lokalpolitiker auch keine Schwierigkeit, zum Spielverderber zu werden. Nicht nur, was den Zustand von Bäumen betrifft: So fällt auch die Beurteilung von Brandschutz und Fluchtwegen in die Kompetenz des Ortschefs.
Daran, dass die Bürgermeister zu viel Verantwortung tragen und auch von der Justiz zu "hart" behandelt werden, glaubt man auch beim Österreichischen Gemeindebund. "Wenn es so weitergeht, haben wir bald keine Bürgermeister oder keine Feste mehr, weil diese nicht mehr erlaubt werden", erklärt ihr Präsident, Helmut Mödlhammer, gegenüber der "Wiener Zeitung" und appelliert gleichzeitig an die Justiz, bei den Ortschefs Milde walten zu lassen. Zumal es hier zuletzt immer wieder zu sehr kuriosen Urteilssprüchen gekommen sei. Als Beispiel nennt der Gemeindevertreter den Fall eines Bürgermeisters, der infolge eines tödlichen Unfalls bei einem Gaudi-Skirennen wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht saß, obwohl er nur die Siegerehrung im Ort genehmigt hatte und mit dem Rennen selbst nichts zu tun hatte. "Es gibt schon so etwas wie Eigenverantwortung, es kann nicht immer der Bürgermeister verantwortlich sein", bekräftigt Mödlhammer.
Was den aktuellen Fall in Pöchlarn betrifft, so droht neben dem Gemeindechef nun auch den Veranstaltern ein Gerichtsverfahren. Und auch hier lautet der Verdacht auf fahrlässige Tötung, da die Organisatoren das Festgelände angesichts des aufkommenden Sturms nicht geräumt hatten.
Keine Gefahr für Zeltfeste?
Die Einzigen, die keine Angst vor dem Staatsanwalt zu haben scheinen, sind die Freiwilligen Feuerwehren. Dort läuft die Zeltfestsaison bis Ende September. Dass Besucher durch umstürzende Bäume oder Blitzschlag verletzt werden könnten, glaubt man nicht. "Unser Zelt hält Windstärken von 120 Stundenkilometern aus", erklärt etwa Erich Weberhofer, Feuerwehrkommandant von St. Lorenzen im Mürztal, auf Anfrage. Das Fest, das am 18. August startet, sei vom Bürgermeister genehmigt und auch das Zelt von einem Statiker abgenommen worden.
Probleme mit der Justiz könnte Weberhofer nur dann bekommen, sollte er - wie in Pöchlarn geschehen - die Besucher bei drohender Gefahr nicht rechtzeitig evakuieren. Im Bundesfeuerwehrverband sieht man diese Gefahr gelassen: Demnach hätten die Kommandanten das "nötige Gespür, um Gefahren rechtzeitig zu erkennen". Ob dazu auch schadhafte Bäume zählen, ist nicht überliefert.
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