Oslo. (rs) Zehn Mal hatte Anders Behring Breivik von Utöya aus die Polizei angerufen, um sich zu ergeben. Bei jenen zwei Mal, bei denen er tatsächlich durchkam, brach das Gespräch allerdings ab, bevor die Beamten die Situation überhaupt richtig erfassen konnten - die telefonischen Hilferufe der Opfer hatten das Handynetz völlig überlastet.
Doch nicht alles, was ein früheres Einschreiten auf der Ferieninsel verhindert hat, ist unglücklichen Umständen oder höherer Gewalt geschuldet. Wie der nun veröffentlichte Abschlussbericht einer unabhängigen Kommission zeigt, sind der norwegischen Polizei in Zusammenhang mit den Anschlägen von Oslo und Utöya auch haarsträubende Fehler passiert. So wurde etwa die Alarmmeldung, die nach dem Bombenattentat im Regierungsviertel der norwegischen Hauptstadt per E-Mail ausgesandt wurde, an eine ungültige Adresse geschickt. Als die erste Meldungen über das Massaker auf Utöya auftauchten, wussten die lokalen Polizeieinheiten zudem nicht einmal, wo sich die Ferieninsel genau befindet. Eine erste Einsatzgruppe fuhr deshalb zur falschen Insel.
Breivik hätte "früher gestoppt werden können", resümieren die Autoren in dem 500-Seiten-Dokument. Die Langsamkeit der Polizei in der "ersten Phase" des Einsatzes sei "inakzeptabel". Der Bericht kommt darüber hinaus zu dem Schluss, dass der Bombenanschlag hätte verhindert werden können, wenn die "bereits existierenden Sicherheitsmaßnahmen effektiv angewandt worden wären". So wurde zwar registriert, dass Breivik jene Chemikalien kaufte, die er später für die Bombe verwendete. Doch trotz einer entsprechenden Meldung ging der polizeiliche Nachrichtendienst dieser Spur nicht nach.
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