• vom 28.08.2012, 15:28 Uhr

Chronik

Update: 28.08.2012, 15:35 Uhr
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Vermisste Kinder in Spanien

Ermittlungspanne mit Folgen



  • Fall hätte gleich nach dem Verschwinden aufgeklärt werden können.

Die Suche nach den Kindern Ruth und Jose, die in Cordoba abgängig waren, dürfte vorbei sein: Wahrscheinlich wurden sie getötet, worauf Knochenfunde hinweisen. - APAweb / EFE / EPA / dpa-Bildfunk / Salas

Die Suche nach den Kindern Ruth und Jose, die in Cordoba abgängig waren, dürfte vorbei sein: Wahrscheinlich wurden sie getötet, worauf Knochenfunde hinweisen. APAweb / EFE / EPA / dpa-Bildfunk / Salas

Madrid. Wo stecken Ruth und Jose? Fast elf Monate lang hatte die Spanierin Ruth Ortiz sich die bange Frage gestellt, was mit ihrer sechsjährigen Tochter und ihrem zwei Jahre alten Sohn geschehen war. Nun scheint die Tierärztin bittere Gewissheit zu haben, dass die beiden Kleinen nicht mehr am Leben sind. "Die Mutter ist am Boden zerstört, sie verlässt ihre Wohnung nicht mehr", berichtete ein Sprecher der Familie.

Dabei war es Ruth Ortiz selbst und nicht die Polizei gewesen, die dafür gesorgt hatte, dass in den mysteriösen Fall, der in ganz Spanien die Menschen bewegte, nun Klarheit zu kommen scheint. Sie hatte bei einem renommierten Wissenschafter ein Gutachten in Auftrag ergeben, das den Verdacht erhärtete, wonach der getrennt von ihr lebende Ehemann die Kinder umgebracht und die Leichen verbrannt haben soll.

Knochenreste falsch zugeordnet
Der Vater der Kinder hatte das Mädchen und den Buben am 8. Oktober 2011 als vermisst gemeldet. Er habe sie bei einem Spaziergang in einem Park in der südspanischen Stadt Cordoba verloren, sagte der arbeitslose Kraftfahrer und Ex-Soldat aus. Die Ermittler glaubten ihm von Anfang an nicht. Sie entdeckten nur zwei Tage später in einem Landhaus der Eltern des Mannes einen Verbrennungsofen und stellten dort 200 winzige, verbrannte Knochenreste und neun Zähne sicher.

Eine Gutachterin der Polizei stellte nach einer Untersuchung jedoch fest, dass die Proben nicht von Menschen, sondern von Nagetieren stammten. Dies scheint sich nun als ein verhängnisvoller Irrtum zu erweisen, denn neue Untersuchungen kommen zu dem Schluss, dass die in dem Ofen gefundenen Reste von Kindern stammten. Wenn das stimmt, hatten die Ermittler gleich nach dem Verschwinden der Kinder vor der Aufklärung des Falles gestanden - und der Mutter hätte die elfmonatige Zeit der bangen Ungewissheit erspart werden können.

Mutter gab eigene Untersuchung in Auftrag
Ruth Ortiz hatte alle Hebel in Bewegung gesetzt, ihre Kinder zu finden. Sie hatte Plakate geklebt, Kundgebungen veranstaltet und ihren Mann öffentlich angefleht zu sagen, was mit den Kindern geschehen ist. Als die Ermittlungen keine Fortschritte brachten, traf die Frau eine ungewöhnliche Entscheidung. Sie bat den Untersuchungsrichter um die Erlaubnis, dass der renommierte Gerichtsmediziner Francisco Etxeberria die Proben aus dem Verbrennungsofen analysieren durfte. Der Richter willigte ein. Der baskische Professor kam zu dem Ergebnis, dass die Zähne und Knochenreste nicht von Tieren, sondern von kleinen Kindern stammten.

Die Ermittler reagierten geschockt, denn einen Irrtum ihrer eigenen Wissenschafterin hatten sie für undenkbar gehalten. Die Polizei gab daraufhin ein neues Gutachten bei einem Experten in Auftrag, den das Innenministerium als eine der größten Koryphäen bezeichnete. Dieser Experte stellte fest, dass die von ihm analysierte Probe von einem Mädchen im Alter von etwa sechs Jahren stammte. Ein namentlich nicht genannter Wissenschafter sagte der Zeitung "El País", man habe mit bloßem Auge erkennen können, dass die Zähne von Menschen stammten.

DNA wahrscheinlich nicht mehr nachweisbar
Der Vater der Kinder weist nach Angaben seines Anwalts weiterhin alle Verdächtigungen zurück. Er sitzt bisher wegen des Vorwurfs der Entführung der Kinder in Untersuchungshaft. Die Justiz will nun prüfen, ob sie ihn auch offiziell des Mordes an den Kindern verdächtigt. Ein wichtiges Indiz fehlt den Ermittlern noch: eine DNA-Analyse der gefundenen Knochenreste. Wissenschafter zweifeln allerdings daran, ob Gentests noch möglich sein werden. Der Verbrennungsofen war eigens so gebaut worden, dass er Temperaturen von bis zu 800 Grad erreicht. Bei dieser Hitze werden genetische Strukturen in der Regel zerstört. (apa/dpa)




Schlagwörter

Spanien, Vermisste

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-08-28 15:29:41
Letzte Änderung am 2012-08-28 15:35:44


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