Addis Abeba. Ayichulu Modjo gehört zu den Ausnahmen in Äthiopien. Schmatzend quillt die feuchte Erde unter seinen Schuhen hervor, als der Bauer seine kräftigen Maispflanzen begutachtet. Vorgestern hat es zuletzt geregnet, heute scheint die Sonne bei 25 Grad vom leichtbewölkten Himmel. Man kann dem Mais auf dem Feld im äthiopischen Mojo fast beim Wachsen zu sehen, Bauer Modjo rechnet mit einer guten Ernte.
Im Fernsehen hingegen hat er die Bilder vom vertrocknenden Mais in den USA gesehen. "Oft hatten wir nicht genug, und die Amerikaner hatten viel mehr, als sie essen konnten. Wie kann es sein, dass in einem so großen, modernen und reichen Land wie Amerika die Ernte vertrocknet", fragt sich der Bauer, über dessen Gürtel sich ein kleines Bäuchlein wölbt. In diesem Land immer noch ein seltener Anblick und das untrügliche Zeichen eines gewissen Wohlstands. Eine monatelange Dürre betrifft derzeit mehr als 80 Prozent der amerikanischen Mais- und Weizenanbaugebiete. Experten befürchten, dass die amerikanischen Farmer, die mittlerweile rund 40 Prozent ihrer Maisernte in die Bioethanol-Erzeugung stecken, nur halb so viel wie in durchschnittlichen Jahren ernten werden. Normalerweise versorgen die USA knapp ein Fünftel des Weltmarktes mit Getreide, die Ernteausfälle im größten Erzeugerland lassen derzeit die Weltmarktpreise in die Höhe schießen.
Verbraucher in den reichen Ländern merken den Anstieg der Weltmarktpreise meist kaum, doch in Entwicklungsländern, in denen vielen Menschen bis zu zwei Drittel ihres Einkommens für Nahrungsmittel ausgeben müssen, machen sich der Anstieg sofort schmerzlich bemerkbar. Der staatlich ausgezeichnete äthiopische Vorzeigebauer Ayichulu Modjo, der 20 Rinder, fünf Esel und ein Motorrad besitzt, profitiert derzeit von den steigenden Lebensmittelpreisen. Im vergangenen Jahr verkaufte er 100 Kilo der äthiopischen Hirseart Teff für umgerechnet 50 Euro, in diesem Jahr bekommt er dafür über 70 Euro. Eine Preissteigerung von über 35 Prozent.
Unabhängig durch Vorräte
Doch Modjos Mehreinkünfte durch die steigenden Lebensmittelpreise werden vom gleichen Phänomen wieder aufgefressen. "Ich habe sieben Kinder. Vier von ihnen studieren. Sie rufen fast jeden Morgen an und sagen, dass sie mehr Geld brauchen, weil sie sich das teure Essen in der Stadt nicht mehr leisten können", erzählt der Familienvater. Nach seinen Angaben müssen seine Töchter und Söhne mittlerweile umgerechnet acht Cent für ein kleines Brot ausgeben, vor einem Jahr waren es keine fünf. Für Injera, die landestypischen Sauerteigfladen mit Linsensauce, müssen sie jetzt 1,55 Euro hinlegen, 2011 waren es rund 65 Cent.
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