• vom 03.09.2012, 13:21 Uhr

Chronik

Update: 03.09.2012, 13:28 Uhr
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Zu Lebzeiten stark umstritten

Sektenführer San Myung Mun mit 92 Jahren gestorben



  • Mit seinen Massenhochzeiten machte er weltweit Schlagzeilen.

Ein Trauernder in der Vereinigungskirche in Seoul, der den Tod des Sektengründers San Myung Mun beweint. - APAweb / EPA / Jeon Heon-Kyun

Ein Trauernder in der Vereinigungskirche in Seoul, der den Tod des Sektengründers San Myung Mun beweint. APAweb / EPA / Jeon Heon-Kyun

Seoul/Washington. Der ebenso schillernde wie umstrittene koreanische Sektenführer San Myung Mun ist tot. Der selbst ernannte Messias, schwerreiche Unternehmer und Gründer der Vereinigungskirche, die vielen als Mun-Sekte bekannt ist, starb Montag früh (Ortszeit) in einem Krankenhaus der Bewegung in der Nähe von Seoul. Das teilte ein Sprecher der Organisation mit. Mun wurde 92 Jahre alt. Er erlag den Folgen einer Lungenentzündung.

Mun (auch Sun Myung Moon) hinterlässt ein Imperium von Bildungs-und Freizeiteinrichtungen, Sportvereinen, Zeitungen und Unternehmen in den verschiedensten Branchen und Ländern, darunter in den USA und im kommunistischen Nordkorea. In den vergangenen Jahren war es um den Chef der 1954 gegründeten Vereinigungskirche ruhiger geworden. Seine Bewegung, die lange Zeit zu den einflussreichsten Sekten gehörte und durch ihre Massenhochzeiten bekanntwurde, plagte nach Ansicht von Beobachtern ein Mitgliederschwund.

Beisetzung am 15. September
Mun sei um 1.54 Uhr (Sonntag/18:54 MESZ) im Kreise seiner Familie und Freunden auf dem rund 1000 Hektar großen Grundstück der Organisation in Kapyong gestorben, sagte der Sprecher. Dort sollen am 15. September nach einer 13-tägigen Trauerperiode auch die Beisetzungsfeierlichkeiten stattfinden. Zehntausende Anhänger aus aller Welt würden erwartet.

Vor etwa zwei Wochen war Mun wegen Komplikationen einer Lungenentzündung zunächst auf eine Intensivstation in Seoul gebracht worden. Von der Krankheit erholte er sich nicht mehr.

Zu seinen Lebzeiten war Mun stark umstritten, von seinen Anhängern wurde er jedoch als "Wahrer Vater" verehrt. Nach eigenen Angaben hatte er als Jugendlicher von Jesus Christus die Aufgabe erhalten, dessen Mission auf Erden zu erfüllen.

Segen per Satellit
Furore machte der 1920 im heutigen Nordkorea geborene Mun mit seinen spektakulären Massenhochzeiten. Bei den sogenannten Blessings (Segnungen) erteilte er in Stadien und per Satellit Tausenden Paaren rund um den Globus seinen Segen. Nach eigenen Angaben hat die Vereinigungskirche gegenwärtig etwa drei Millionen Mitglieder. Die Zahl dürfte nach Einschätzung von Beobachtern jedoch deutlich niedriger sein.

Mun wurde als Verführer kritisiert, der es über seine religiösen Aktivitäten hinaus dank einer ergebenen Gefolgschaft zum Milliardär gebracht hatte. Er war ein erklärter Gegner des Kommunismus und Unterstützer der Republikaner in den USA, wo er sich über 40 Jahre lang trotz einer mehrmonatigen Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung aufhielt. Er und andere Mitglieder der Vereinigungskirche hatten die "Washington Times" 1982 als konservative Alternative zur "Washington Post" gegründet.

"Worte können meine Gefühle nicht ausdrücken", so der Präsident der Zeitung, Thomas McDevitt. "Er (Mun) glaubte an die Notwendigkeit einer kräftigen, freien Presse, um akkurate Information und moralische Werte an die Menschen in einer freien Welt zu vermitteln."

In Deutschland gab es von 1995 bis 2006 ein Einreiseverbot des Innenministeriums für Mun und seine Frau. Die Vereinigungsbewegung gehöre zu den Jugendsekten und Psychogruppen, deren Aktivitäten junge Menschen gefährden könnten, so die Begründung. Das Verfassungsgericht kippte diese Entscheidung im November 2006. Kritiker warfen Mun vor, er strebe eine Art Weltherrschaft an. Zudem gab es in den 80er Jahren Berichte über die Isolation von Mitgliedern in religiösen Zentren. (apa/dpa)




Schlagwörter

Todesfall, Sekten, San Myung Mun

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-09-03 13:23:19
Letzte Änderung am 2012-09-03 13:28:18


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