• vom 09.09.2012, 12:41 Uhr

Chronik

Update: 09.09.2012, 13:21 Uhr
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Polens Kirche ruft zur Versöhnung mit Russland auf

Polen und Russen sollen Brüder werden



Religiöses Symbol Polens: Die Feldkathedrale der polnischen Armee in Warschau

Religiöses Symbol Polens: Die Feldkathedrale der polnischen Armee in WarschauBild: Piotrus - Creative Commons Religiöses Symbol Polens: Die Feldkathedrale der polnischen Armee in WarschauBild: Piotrus - Creative Commons

In Polens katholischen Kirchen ist am Sonntag ein Aufruf zur Versöhnung mit Russland verlesen worden. Es handelt sich um die gemeinsam mit der russisch-orthodoxen Kirche erarbeitete Botschaft, die der Moskauer Patriarch Kyrill I. und der Vorsitzende der Polnischen Bischofskonferenz, Erzbischof Jozef Michalik, Mitte August in Warschau unterschrieben hatten. Beide Völker werden laut Kathpress darin aufgerufen, sich gegenseitig zugefügtes Leid und Unrecht zu vergeben. "Jeder Pole", heißt es weiter, solle "in jedem Russen und jeder Russe in jedem Polen einen Freund und Bruder" sehen.

Michalik schrieb unterdessen an Kyrill I., die Unterzeichnung der Erklärung beider Kirchen habe in der katholischen Kirche und in ganz Polen ein "positives Echo" gefunden. Auch Papst Benedikt XVI. hatte den Schritt als ein "wichtiges Ereignis" gewürdigt, das Hoffnung für die Zukunft gebe. Selbst der russlandkritische polnische Oppositionsführer Jaroslaw Kaczynski begrüßte den Versöhnungsaufruf, ebenso wie Staatspräsident Bronislaw Komorowski und die Regierung.

Vereinzelt gab es jedoch auch Kritik an dem Dokument. Der prominente Priester Tadeusz Isakowicz-Zaleski kündigte an, er werde es nicht verlesen. Die Kirchenerklärung habe politischen Charakter, kritisierte er. Zudem verwies er darauf, dass sie in den orthodoxen Kirchen Russlands nicht bekanntgemacht werde.

Polens Bischöfe hatten Ende August beschlossen, dass das Dokument an diesem Sonntag in allen Gottesdiensten verlesen wird. In Russland soll es nicht in den Kirchen verkündet werden; dort hätten Hirtenbriefe keine Tradition, hieß es.

Der Lubliner Erzbischof Stanislaw Budzik, einer der Autoren des Versöhnungsaufrufes, zeigte sich überrascht über die geäußerte Kritik. Widerstand unter Gläubigen und Priestern gegen die Bekanntgabe des Dokuments habe er nicht erwartet, sagte er laut polnischen Medienberichten. Die Erklärung beider Kirchen habe einen tiefgründige theologische Botschaft. Das Dokument ist unter anderem von dem historischen Brief der polnischen katholischen Bischöfe an ihre deutschen Amtsbrüder von 1965 inspiriert. Sie schrieben bereits 20 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg: "Wir vergeben und bitten um Vergebung."

Die polnisch-russischen Beziehungen sind wegen vieler historischer Konflikte bis heute von gegenseitigem Misstrauen geprägt. Laut einer Umfrage bewerten rund 40 Prozent der Polen die Beziehungen zu Russland als schlecht und nur gut 10 Prozent als gut. Belastet ist das Verhältnis unter anderem wegen der Rolle der Sowjetunion zu Beginn des Zweiten Weltkriegs.

Eine Mehrheit der Polen macht wegen des Hitler-Stalin-Pakts für den Kriegsausbruch nicht nur Deutschland verantwortlich, sondern auch die Sowjetunion. Russische Historiker wiederum geben Warschau die Schuld am Tod zahlreicher sowjetischer Kriegsgefangener während und nach dem polnisch-sowjetischen Krieg von 1920.




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Dokumenten Information
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Dokument erstellt am 2012-09-09 13:14:12
Letzte Änderung am 2012-09-09 13:21:05


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