Bad Aussee. "Die Schmerzen", sagt Matthias Grill, "haben nichts mit Wehleidigkeit zu tun". Der Initiator der Bürgerinitiative "Pro Bad Aussee" kämpft seit Monaten gegen die Verbauung des Reiterer Plateaus am Stadtrand des Kurortes Bad Aussee. Die Fläche gilt vor allem wegen ihres Panoramas als eine der schönsten Wiesen im Ausseerland. Dass der Grazer Großinvestor Reinhard Hohenberg dort neben einem öffentlichen Kurbad statt drei gleich 13 Apartmentblöcke für mehr als 300 Gäste bauen will, das geht vielen Bürgern zu weit: Sie fühlen sich von der Politik hinters Licht geführt. "Als im Mai das Projekt Narzissenbad vorgestellt wurde, war davon keine Rede, dass die ganze Wiese mit Appartments zugepflastert werden soll", sagt der Gastronom und Nebenerwerbslandwirt Grill.
Ursprünglich war die Rede davon, dass am Plateau lediglich ein Ersatzbad für das zum Abbruch verdammte Vitalbad im Ortskern von Bad Aussee und drei Hotelblöcke errichtet werden. Zufällig wurde bekannt, dass in einer zweiten Bauphase – je nach Bedarf – bis zu zehn weitere solche Blöcke folgen sollen. Finanziert wird das 26-Millionen-Euro-Projekt Narzissenbad zum Großteil durch die Oberland-Aussee Projektverwaltungs GmbH rund um Hohenberg, zu 30 Prozent ist der prominente russische Autohändler Sergey Petrov beteiligt.
Viele Ausseer befürchten neben der Verschandelung auch eine alkoholintensive Schickimicki-Szene vor ihrer Haustüre. Ernst Kammerer vom Tourismusverband Ausseerland will beruhigen: Bad Aussee habe sich dem Gesundheitstourismus verschrieben, partydürstenden Russen fehle es an Infrastruktur, sagt er zur Wiener Zeitung. Ähnlich auch Stadtamtsdirektor Joachim Schuster. "Zu uns kommen russische Gäste allenfalls erst dann, wenn ihre Gesundheit vom Alkohol schon angeschlagen ist. Unser Zielgruppenpublikum sind Touristen ab 45 Jahre, die etwas für ihre Gesundheit tun wollen und Erholung suchen."
Drehwurm
Der Schwerpunkt mit der Gesundheit hat allerdings einen Schönheitsfehler: das neue Sportbecken mit quadratischem Grundriss wird nur 16 Meter lang, viel kürzer als das alte. "Will man nicht nur ein wenig Plantschen, sondern Ausdauer und Bewegungsapparat trainieren, sind abgegrenzte Bahnen nötig, die länger als 20 Meter sind. Sonst muss man ständig Pausen machen oder umdrehen. Und das ist kontraproduktiv", sagt Christina Herbst, staatlich geprüfte Sporttrainerin zur Wiener Zeitung.
Für Schuster ist die Länge des Beckens wiederum eine Frage des Geldes: "Wenn man wen hat, der das zahlt, ist ein langes Becken kein Problem". Mit der Investorengesellschaft habe die Gemeinde jedenfalls vereinbart, dass das neue Bad an 330 Tagen im Jahr der Bevölkerung offen stehen müsse und die Nettopreise nicht höher als 12 Euro sein dürfen. Und wie im alten würden auch im neuen Bad Schulschwimmer und Kuranwendungen untergebracht werden, versichert er.

Die Bagger sind am Plateau inzwischen aktiv, doch auch die Projekt-Gegner ruhen nicht. Die Ausseer FPÖ will gemeinsam mit Grünen und Grills Bürgerinitiative Unterschriften für eine Volksbefragung sammeln. Der Gastronom Grill selbst bleibt aber realistisch: Gegen den rechtskräftigen Bebauungsplan, der im Gemeinderat mit einer rot-schwarzen Mehrheit beschlossen wurde, könne man schwer vorgehen. Er bemüht sich daher vor allem um Schadensminderung: Zumindest die Fassade des Kurbades soll geändert werden, damit sie besser in die Umgebung passe. "Und damit es nicht mehr so weh tut, dass man so viel Geld für eine so billige Lösung ausgibt", fügt er hinzu. Auch hofft er, dass die zweite Bauphase ad acta gelegt werde. Und wer weiß, vielleicht finden sich auch noch irgendwo ein paar Meter für ein angemessenes Sportbecken.
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