• vom 04.10.2012, 17:33 Uhr

Chronik

Update: 02.11.2012, 08:39 Uhr
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Kein Bad für alle Fälle im steirischen Bad Aussee


Von Christa Hager

  • Trotz Protesten wird im Kurort der Wellness-Komplex Narzissenbad gebaut.

Bad Aussee.

Um 26 Millionen Euro entsteht am grünen Ortsrand von Aussee das Narzissenbad.

Um 26 Millionen Euro entsteht am grünen Ortsrand von Aussee das Narzissenbad.Vitalbad Errichtungs GmbH Um 26 Millionen Euro entsteht am grünen Ortsrand von Aussee das Narzissenbad.Vitalbad Errichtungs GmbH

"Die Schmerzen", sagt Matthias Grill, "haben nichts mit Wehleidigkeit zu tun." Der Initiator der Bürgerinitiative "Pro Bad Aussee" kämpft seit Monaten gegen die Verbauung des Reiterer Plateaus am Stadtrand von Bad Aussee. Die Fläche gilt vor allem wegen ihres Panoramas als eine der schönsten Wiesen im Ausseerland. Dass der Grazer Großinvestor Reinhard Hohenberg dort neben einem Kurbad statt drei gleich 13 Appartmentblöcke für mehr als 300 Gäste bauen will, das geht vielen Bürgern zu weit: Sie fühlen sich von der Politik hinters Licht geführt. "Als im Mai das Narzissenbad vorgestellt wurde, war keine Rede davon, dass die ganze Wiese mit Appartments zugepflastert werden soll", sagt der Gastronom und Nebenerwerbslandwirt Grill.

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Ursprünglich war die Rede davon, dass am Plateau neben den drei Hotelblöcken lediglich ein Ersatzbad für das zum Abbruch verdammte Vitalbad im Zentrum von Bad Aussee errichtet werde. Zufällig wurde bekannt, dass in einer zweiten Bauphase - je nach Bedarf - bis zu zehn weitere solcher Blöcke folgen sollen. Finanziert wird das 26-Millionen-Euro-Projekt Narzissenbad zum Großteil durch die Oberland-Aussee Projektverwaltungs GmbH rund um Hohenberg, bei der zu 30 Prozent der prominente russische Autohändler Sergey Petrov beteiligt ist. Viele Ausseer befürchten deshalb eine alkoholintensive Schickimicki-Szene vor ihrer Haustüre. Stadtamtsdirektor Joachim Schuster beruhigt: "Zu uns kommen russische Gäste allenfalls erst dann, wenn ihre Gesundheit vom Alkohol schon angeschlagen ist", scherzt er. "Unsere Zielgruppe sind Touristen ab 45 Jahre, die etwas für ihre Gesundheit tun wollen und Erholung suchen."

Öffentliches Schwimmbad
Der Gesundheits-Schwerpunkt hat allerdings einen Schönheitsfehler: Das neue Sportbecken wird um einige Meter kürzer als das alte, nämlich nur 16 Meter. "Will man nicht nur plantschen, sondern Ausdauer und Bewegungsapparat trainieren, sind abgegrenzte Bahnen nötig, die länger als 20 Meter sind. Sonst muss man ständig Pausen machen oder umdrehen", sagt Christina Herbst, Sporttrainerin, zur "Wiener Zeitung".

Für Schuster ist die Länge des Beckens wiederum eine Frage des Geldes: "Wenn man wen hat, der das zahlt, ist ein langes Becken kein Problem." Mit der Investorengesellschaft habe man vereinbart, dass das neue Bad an 330 Tagen im Jahr der Bevölkerung offen stehen müsse, die Nettopreise dürfen nicht höher als 12 Euro sein. Und wie im alten würde es auch im neuen Bad Schulschwimmer und Kuranwendungen geben.

Am Plateau sind inzwischen die Bagger aktiv. Doch die Gegner geben sich nicht geschlagen. Die Ausseer FP will gemeinsam mit den Grünen und Grills Initiative Unterschriften für eine Bürgerbefragung sammeln. Grill bleibt realistisch: Gegen den rechtskräftigen Bebauungsplan, im Gemeinderat mit rot-schwarzer Mehrheit beschlossen, könne man schwer vorgehen. Er bemühe sich daher vor allem um Schadensminderung: Zumindest die Fassade des Kurbades sollte geändert werden, damit sie besser in die Umgebung passe. "Und damit es nicht mehr so weh tut, dass man so viel Geld für eine so billige Lösung ausgibt", fügt er hinzu.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-10-04 17:38:06
Letzte Änderung am 2012-11-02 08:39:30


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