Wien. 300 Euro landen pro Haushalt jährlich im Restmüll. Wer das macht, denkt man, ist ja selber schuld: Wer wirft schon Geld in den Mistkübel? 100-Euro-Scheine liegen tatsächlich nicht offen auf der Müllhalde herum - Lebensmittel, von denen die Hälfte laut einer aktuellen Karmasin-Studie noch genießbar und wertvoll wäre, aber sehr wohl. Insgesamt sind es rund 30 Kilogramm jährlich, die ein Haushalt gedankenlos entsorgt. "Das entspricht 18 Prozent der Restmüllmenge", präzisierte der niederösterreichische Umwelt-Landesrat Stephan Pernkopf am Montag. "Und gleichzeitig hungern weltweit rund eine Milliarde Menschen." Umgelegt auf die Industriestaaten sind es jährlich 220 Millionen Tonnen genießbarer Lebensmittel, die weggeworfen werden.

Wer die schwarzen Schafe sind und wo man daher bei der Bewusstseinsbildung ansetzen muss, hat das Marktforschungsinstitut Karmasin konkret für das Land Niederösterreich erhoben. "Der Trend, dass vor allem die jungen Menschen verantwortungslos mit dem Essen umgehen, ist aber in Gesamtösterreich erkennbar", sagt Studienleiterin Sabine Beinschab im Gespräch mit der "Wiener Zeitung".
Laut Studie sind es hauptsächlich die 16- bis 29-Jährigen, die Lebensmittel wegwerfen: Weil sie gesundheitliche Bedenken haben (der häufigste Grund), Platz im Kühlschrank schaffen wollen oder aus Gusto zu viel eingekauft haben und dann doch essen gegangen sind. 58 Prozent dieser Altersgruppe entsorgen Nahrungsmittel, die das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten haben, ungeöffnet in den Müll. "Lebensmittel haben für die jungen Menschen nicht mehr so einen Stellenwert wie etwa für die Nachkriegsgeneration", so Beinschab.
Aufkleber "Bitte nicht füttern" auf Mülltonnen
Generell gebe es drei Wegwerftypen: die eher jüngeren leichtfertigen Wegwerfer mit dem geringsten Problembewusstsein (siehe oben, 23 Prozent), die über-30-jährigen mäßigen Wegwerfer (35 Prozent) und die über-50-jährigen Achtsamen (42 Prozent). 62 Prozent wollen künftig weniger Essbares in den Müll schmeißen - obwohl nur 14 Prozent wissen, wie viel die von ihnen entsorgten Lebensmittel eigentlich wert sind.
Umwelt-Landesrat Pernkopf will die Studie nun zum Anlass nehmen, Maßnahmen zu setzen, wie er betonte. So sollen Infotafeln in Müllräumen und die Aufkleber "Bitte nicht füttern" auf Restmülltonnen die Bevölkerung sensibilisieren. Gleichzeitig werden Mitteilungshefte mit Tipps zu dem Thema an Schulen verschickt. Im Prinzip gehe es darum, das richtige Einkaufen, Lagern und früher in jedem Haushalt praktizierte "Restlverwerten" wieder zu erlernen.
Österreichweites Ziel ist laut Lebensministerium, die Menge an entsorgten Lebensmitteln um 20 Prozent zu reduzieren. Zu diesem Zweck wurde eine Plattform eingerichtet, der sämtliche Abfallverbände sowie das Institut für Abfallwirtschaft an der Boku angehören. Sie alle gemeinsam führen nun Abfallanalysen durch, die vom Ministerium gefördert werden und eine koordinierte Zusammenarbeit zum Thema Abfallreduktion - darunter das Essen im Müll - zum Ziel haben.
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