
Rom/Wien. Es kommt auf den Papst an. Weil ohne ihn, den Pontifex und Brückenbauer, geht in Sachen Konzil nichts. Und Benedikt XVI. hat bereits ausrichten lassen, was er von der Forderung nach einer Neuauflage des Zweiten Vatikanums, dessen Beginn vor 50 Jahren dieser Tage gefeiert wird, hält. Nämlich nichts.
Bereits als junger Theologe hatte er 1976 mit der Frage gehadert, ob die Anpassung von Lehre und Struktur an die Welt dem Wesen der Kirche entspreche oder ihm entgegengesetzt sei. Vielmehr beobachte er dagegen einen "fortschreitenden Zerfallsprozess, der sich im Zeichen der Berufung auf das Konzil abgespielt hat und dieses zunehmend diskreditiert", notierte Josef Ratzinger damals. Seine Meinung hat er auch als Papst nicht geändert. Den Worten folgten alsbald Taten. Prominente Beispiele, die auch von Kirchenkritikern gerne genannt werden, sind die Wiederzulassung des tridentinischen Messritus oder die Annäherung an die konzilkritische Piusbruderschaft. Ein Konzil musste Benedikt XVI. hierfür nicht einberufen.
Der Vatikan argumentierte die Maßnahmen damit, so die Einheit in der Kirche wahren und wiederherstellen zu wollen. Kirchenkritischen Institutionen wie der österreichischen Plattform "Wir sind Kirche" ist das zu wenig. Ihr Obmann Hans-Peter Hurka ortet in den römischen Entscheidungen sogar den Versuch einer "Restauration" vorkonziliarer Strukturen, wie er kürzlich in einer Aussendung betonte. Anstatt "die Fenster zu öffnen", wie das 1962 noch der Konzilspapst Johannes XXIII. gefordert hat, sei die Kirche seitdem noch mehr zentralisiert worden. Mit der Folge, dass Reformer gemaßregelt, mit Lehrverboten belegt oder von ihren Positionen abberufen wurden, sagte Hurka. Um die Verheutigung der Kirche, wie er es nennt, einzuleiten, gebe es nur einen einzigen Ausweg: die Einberufung eines Dritten Vatikanums in Rom. Ein "Kirchenvolkskonzil" soll es sein, wo die Texte des letzten Vatikanischen Konzils neu interpretiert und als "Update in die heutige Sprache" übersetzt werden sollen. "Ein Konzil wäre der Ort, an dem unterschiedliche Standpunkte in der Kirche ausdiskutiert und eine gemeinsame Lösung einmütig entschieden werden könnte", so Hurka. Inklusive der Themen Zölibat, Homosexualität und Frauenpriestertum.
Kirche will zuerst "Schätze" des letzten Konzils heben
Allein in Rom will man von einem "Update" nichts wissen. Nicht anders sehen das auch Österreichs Bischöfe. "Spekulationen um ein eventuelles weiteres Konzil sind meines Erachtens nicht sehr hilfreich", sagte St. Pöltens Diözesanbischof Klaus Küng auf Anfrage und forderte, dass das Zweite Vatikanum in seiner Tiefe umgesetzt werde. "Da gibt es jede Menge Aspekte, die viel zu wenig beachtet werden", sagte der Bischof.
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