• vom 30.10.2012, 14:02 Uhr

Chronik

Update: 05.11.2012, 11:46 Uhr

Widerstandskmpfer

2000 Namen gegen das Vergessen




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Von Petra Tempfer

  • Neue Gedenkstätten für Opfer des Nationalsozialismus in Wien
  • Mahnmal auf Zentralfriedhof, Ballhausplatz und in "Eurogate" geplant.

Hunderte Leichen von NS-Opfern sind bereits im Areal der "Gruppe 40" auf dem Wiener Zentralfriedhof begraben, das nun zur Gedenkstätte werden soll. - © Stanislav Jenis

Hunderte Leichen von NS-Opfern sind bereits im Areal der "Gruppe 40" auf dem Wiener Zentralfriedhof begraben, das nun zur Gedenkstätte werden soll. © Stanislav Jenis

Wien. Heldendenkmäler zur Erinnerung an die im Zweiten Weltkrieg gefallenen Soldaten gibt es viele - Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus wenige. Österreichweit sind es lediglich 44, in Wien stehen 13. Das soll sich nun ändern. Hat doch Bundeskanzler Werner Faymann vor kurzem bekanntgegeben, dass eine neue Gedenkstätte für NS-Opfer und Widerstandskämpfer in Wien entstehen soll. Seit 2011 wiederum existieren Pläne für ein Deserteursdenkmal, der Wiener Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny hat im Vormonat dessen Standort fixiert. Bereits 2004 hatte die Stadt verkündet, ein Holocaust-Denkmal auf dem Areal des ehemaligen Aspang-Bahnhofs in der Passivhaussiedlung "Eurogate" im 3. Bezirk entstehen zu lassen. Alle drei Projekte sollen 2013 fertig sein - jenes Jahr, in dem sich der Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich zum 75. Mal jährt.

Der Ort des Mahnmals in "Eurogate" ist gut überlegt: Von dem früheren Deportationsbahnhof wurden einst rund 50.000 Menschen in Konzentrationslager verschleppt. Etwa 400.000 Euro soll die Errichtung der Gedenkstätte mitsamt umliegendem Park kosten. Über den Standort des Deserteursdenkmals nach Plänen der Stadt Wien herrschte indes bis Mitte Oktober Unklarheit. Nun ist laut Mailath-Pokorny fix, dass es nicht auf dem Heldenplatz, sondern dem Ballhausplatz errichtet werden soll. Dafür hatte sich auch das Personenkomitee "Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz" ausgesprochen. Das Projekt werde jetzt international ausgeschrieben, erste Finanzmittel für die Vorarbeiten in Höhe von 25.000 Euro wurden von der Stadt bereits genehmigt.



Ebenfalls für nächstes Jahr - konkret den 12. März, als vor 75 Jahren deutsche Soldaten einmarschierten - ist die Enthüllung jener Gedenkstätte geplant, die Faymann nach einem Ministerrat Ende Oktober angekündigt hat: eine mit Blumen geschmückte Tafel auf dem Zentralfriedhof im Areal der "Gruppe 40". "Wir nehmen damit im Bereich des antifaschistischen Widerstandes eine klare Position ein", sagte der Bundeskanzler bei der Ankündigung.

Im Areal der "Gruppe 40" liegen bereits Widerstandskämpfer und Opfer der politischen Justiz begraben. Während der NS-Zeit wurden im Wiener Landesgericht hunderte Todesurteile vollstreckt, die Leichen kamen entweder für medizinische Studien zuerst ans Anatomische Institut oder sofort auf den Zentralfriedhof. Auch die auf dem Schießplatz Kagran hingerichteten Opfer der NS-Militärjustiz, des SS-Massakers in Hadersdorf am Kamp sowie aus dem Konzentrationslager Hinterbrühl wurden hier laut Bundeskanzleramt "formlos verscharrt".

Rund 2000 Namen seien es, die auf der Gedenktafel verewigt werden sollen. "Geplant ist, die Geschichten der Opfer dazuzuschreiben und eine Publikation zu veröffentlichen", heißt es. Die Gesamtkosten lägen bei einigen 10.000 Euro, sie werden von Bund und Stadt getragen.

75 Jahre nach dem Anschluss
Der Realisierung der Gedenkstätte waren zahlreiche Gesprächsrunden vorausgegangen - unter anderem zwischen Kultur-, Innen- und Justizministerium, dem Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes und Opferverbänden wie den Sozialdemokratischen Freiheitskämpfern. Vor allem die Opferverbände haben laut Bundeskanzleramt dazu gedrängt, dass die Gedenkstätte zum Jubiläumstermin 2013 eröffnet wird.

"Es ist längst an der Zeit, dass mehr Gedenkstätten errichtet werden", meint dazu der Politikwissenschafter Emmerich Tálos zur "Wiener Zeitung". Dass diese noch immer selten sind, habe "mit der Problematik des Umgangs mit dem Nationalsozialismus" im Land zu. "Österreich hat sehr lange gebraucht, um diese Zeit aufzuarbeiten. Und um zu verstehen, dass es nicht 1938 ausgelöscht wurde und 1945 neu auferstanden ist, sondern eine wichtige Funktion zur Zeit des Faschismus innehatte", sagt Tálos.

Gedenkstätten zu errichten sei allerdings nur eine von vielen Möglichkeiten. "Schule, Zeitungen, Fernsehen, Radio: Sie alle haben den Auftrag eines aufklärenden Umgangs mit dem Faschismus", so Tálos, "damit die Opfer dieser Zeit nie in Vergessenheit geraten."




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2012-10-30 14:08:11
Letzte nderung am 2012-11-05 11:46:11





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