• vom 18.12.2012, 11:23 Uhr

Chronik

Update: 20.12.2012, 21:59 Uhr

Weltuntergang

Proteste gegen den Weltuntergang




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  • Weltuntergangs-Phantasien stammen von westlichen Esoterikern
  • Österreicher fürchten sich kaum vor dem Weltenende.

Am 21. Dezember endet die 13. Periode im Kalender der Maya. Den Apokalyptikern ist entgangen, dass es sich dabei um eine Art Jahrtausendwende handelt. - © APAweb / dpa / Franziska Kraufmann

Am 21. Dezember endet die 13. Periode im Kalender der Maya. Den Apokalyptikern ist entgangen, dass es sich dabei um eine Art Jahrtausendwende handelt. © APAweb / dpa / Franziska Kraufmann

Wien/Sarajevo. Der angeblich bevorstehende Weltuntergang am 21. Dezember ist eine Kopfgeburt westlicher Esoteriker – zumindest die Wissenschaft sieht das so. Weder der Maya-Kalender noch die Astronomie böten eine Grundlage für Angst und Besorgnis, so Experten Montagabend bei der Diskussionsveranstaltung "Science Talk" zum Thema "Welt und Untergang: vom Mythos zur Angst" in Wien. Die Österreicher würden das Thema aber ohnehin recht locker nehmen, meinten sie.


In der bosnischen Hauptstadt Sarajevo will man aktiv etwas gegen die Weltuntergangsangst unternehmen. Für Mittwoch wurde eine Protestkundgebung gegen den Weltuntergang angekündigt, der laut dem Maya-Kalender angeblich am 21. Dezember eintreten soll. Für die Veranstaltung wurde im sozialen Netzwerk Facebook mobilisiert.

Die Gründe für den Protest dürften für jeden Einwohner Sarajevos evident sein, erklärte die Gruppe. Man brauche keinen Weltuntergang in Bosnien und schon gar nicht in Sarajevo. "Wozu denn, wir haben bereits genügend Probleme", erläuterte die Gruppe. Ihrer Ansicht nach wäre es daher nur logisch, dass Sarajevo vom Weltuntergang umgangen wird.

Astronomen sehen keine Gefahr

"Wir Österreicher reagieren eher unhysterisch", konstatierte Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (ÖVP) beim "Science Talk". Dies bescheinigten auch Statistiken, im Vergleich zu anderen Ländern herrsche in Österreich wenig Panik, so der Astronom und Wissenschaftsautor Florian Freistetter, der die Veranstaltung moderierte. Zu denken gäbe ihm aber, erklärte Töchterle, dass die Denkmuster aus dem Mythos auch in einer scheinbar aufgeklärten Welt noch vorhanden.

Verwundert zeigte sich der Maya-Experte Nikolai Grube von der Universität Bonn, dass sich Menschen überhaupt für die Prophezeiungen "von so einem exotischen Volk, mit dem wir eigentlich nichts zu tun haben" interessieren. "Dieser Weltuntergang der Maya ist in unseren Köpfen entstanden", sagte er. Die westliche Welt hätte ihn bloß auf die Maya projiziert. Er sei Teil einer großen esoterischen Bewegung, die man auch als Wissenschaftskritik deuten könne, weil die großen Probleme dieser Welt bis jetzt von der Wissenschaft nicht richtig gelöst wurden. "Ich denke, dass gerade auch in esoterischen Kreisen Weltuntergänge immer wieder projiziert werden, weil sie Möglichkeiten bieten, eine große Lösung von außen zu erwarten", so Grube.

Ganz normale Jahrtausendwende

Tatsächlich böte der Maya Kalender keinerlei Anlass für Weltuntergangsstimmung. Die Maya hätten den 21. Dezember 2012 wohl so gefeiert, wie wir den Übergang von einem in das nächste Jahrtausend, meinte Grube. Denn an diesem Tag wäre das Ende des dreizehnten Vierhundertjahreszyklus (Baktun) erreicht, dann seien 5.200 Mayakalender-Jahre zu 360 Tagen vergangen, was für die Maya zweifelsohne ein großes Ereignis gewesen wäre, sagte er. Laut Hieroglyphenschriften würde an diesem Tag sogar der Gott Bolon Yokte die Mayas beehren.

Das Missverständnis sei, dass der Maya-Kalender nun aufhöre. Das sei "Quatsch", und es gäbe zahlreiche Inschriften, die auf einen vierzehnten und fünfzehnten Baktun hinweisen. "Der Kalender wird weitergezählt", sagte Grube.

Weltuntergang vor 65 Millionen Jahren

Der Weltuntergang sei immerhin schon einmal vor etwa 65 Millionen Jahren eingetreten, erklärte Christian Köberl, Direktor des Naturhistorisches Museums Wien (NHM). Allerdings geschah das aus der Sicht der Dinosaurier, ausgelöst durch den Einschlag eines Asteroiden auf der Halbinsel Yucatan im heutigen Mexiko. Die Überlebenden hätten anschließend ihre Chancen genutzt und ihre Nachfahren könnten heute darüber referieren, scherzte er. Von den größeren Himmelsobjekten wisse man mittlerweile die Bahnen und zumindest in den nächsten 50 oder 100 Jahren würde von ihnen keine Gefahr drohen, sagte Köberl.

Am 21. Dezember werde auch keine besondere Planetenkonstellation stattfinden, so Freistetter. Die Planeten des Sonnensystems würden nicht, wie manchmal behauptet, alle in einer Reihe stehen, und die Wirkung der geballten Schwerkraft, die dabei entstünde, könne der Erde auch nichts anhaben. Der Mond hätte jeden Monat mehr Einfluss auf die Erde, als eine solches Ereignis verursachen würde.




Schlagwörter

Weltuntergang, Maya

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Dokument erstellt am 2012-12-18 11:24:07
Letzte Änderung am 2012-12-20 21:59:46



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