• vom 22.01.2013, 11:43 Uhr

Chronik

Update: 22.01.2013, 11:50 Uhr

Nach tragischem Jagdunfall

Tierschutzverein fordert Null-Promille-Grenze




  • Artikel
  • Kommentare (3)
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief





  • Sowie Einführung einer psychologischen Untersuchung.
  • Jäger erschoss einen der Treiber.

Saufen und schießen, das endet meist tödlich. - © APAweb/Klaus-Dietmar Gabbert/dapd

Saufen und schießen, das endet meist tödlich. © APAweb/Klaus-Dietmar Gabbert/dapd

St. Pölten/Wien. Nach einem tödlichen Unfall bei einer Treibjagd in Niederösterreich hat der Österreichische Tierschutzverein - "angesichts des explosiven Gemisches aus Alkohol und mangelnder psychologischer Eignung" - eine Null-Promille-Grenze bei der Jagdausübung sowie eine verpflichtete psychologische Verlässlichkeitsprüfung gefordert. "Ausgerechnet die 120.000 Jagdkartenbesitzer - in Österreich immerhin die größte Gruppe unter den Waffenbesitzern, die auch eine Waffe mit sich führen dürfen - müssen sich keiner psychologischen Verlässlichkeitsuntersuchung unterziehen. Und das, obwohl Jäger für die meisten Unfälle im Zusammenhang mit Waffen verantwortlich sind", so Christian Hölzl vom Tierschutzverein am Dienstag in einer Aussendung.

Werbung

  Durch vermehrtes Übungsschießen ist das Problem Hölzl zufolge nicht in den Griff zu bekommen. "Das ist so, als würde man einem Führerscheinbesitzer ein Fahrsicherheitstraining anbieten, im Wissen, dass er in der Vergangenheit regelmäßig alkoholisiert am Steuer saß oder - noch schlimmer - nicht die psychologische Eignung besitzt, im Stadtverkehr ein Auto zu lenken", so der Sprecher.

Psychologische Eignung als Voraussetzung  
Grundsätzlich benötigen alle Österreicher für den Besitz bzw. das Führen von Waffen eine behördliche Genehmigung in Form einer Waffenbesitzkarte oder eines Waffenpasses und müssen sich dazu auch einer psychologischen Verlässlichkeitsuntersuchung unterziehen. "Das gilt nicht für die Jägerschaft: Jäger erlangen entweder den Waffenschein ohne Nachweis über ihre psychologische Eignung oder jagen überhaupt - ganz legal - ohne Waffenpass", meinte Hölzl.

  Das österreichische Waffengesetz (WaffG) verlangt für den Besitz oder das Führen von Faustfeuer- oder halbautomatischen Schusswaffen (sog. Waffen der "Kategorie B") eine behördliche Bewilligung. Für die Ausstellung einer Waffenbesitzkarte oder eines Waffenpasses spielt insbesondere die "Verlässlichkeit" des Antragstellers eine zentrale Rolle. Antragsteller für Waffenbesitzkarten oder Waffenpässe müssen mittels eines psychologischen Gutachtens nachweisen, dass sie etwa bei Stress nicht dazu neigen, mit Waffen unvorsichtig umzugehen oder diese leichtfertig zu verwenden. Das WaffG nimmt hiervon Jäger aus.

  "Für die Erlangung der Jagdkarte reicht die bestandene Jagdprüfung. Zwar wird auch die 'Verlässlichkeit' des Bewerbers verlangt - sie bleibt aber ob der Tatsache, dass kein Nachweis über die psychologische Eignung verlangt wird, bloße Makulatur", kritisierte Hölzl.

  Auch bei den frei erwerbbaren, nur meldepflichtigen Schusswaffen der Kategorien C und D (Büchsen und Flinten) können laut Tierschutzverein "Jäger mit verstecktem Gefährdungspotenzial" nicht mithilfe des waffenrechtlich vorgeschriebenen psychologischen Eignungstests herausgefiltert werden. Hier reiche ebenfalls bereits der Besitz einer gültigen Jagdkarte zum Führen dieser Waffen. "Dieser Systemfehler öffnet in der Praxis Unfällen dieser Art Tür und Tor. Mit Schießübungen in den eigenen Reihen wird es der Jägerschaft nicht gelingen, alkoholisierte oder nervöse Jäger zu eliminieren" warnte Hölzl.



3 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2015
Dokument erstellt am 2013-01-22 11:49:11
Letzte Änderung am 2013-01-22 11:50:22



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. "Ein Kollaps ist wahrscheinlich"
  2. Verfahren gegen Wunderheiler
  3. "Jeder muss Verantwortung einhalten"
  4. "Ich habe mich wie ein Mörder im weißen Kittel gefühlt"
  5. "Es ist keine Gesamtschule"
Meistkommentiert
  1. Faymanns getarnte Vermögenssteuern
  2. Der Staat am Sterbebett
  3. Noch 24 Tage
  4. Und täglich grüßt die NSA
  5. Friedrich Zawrel gestorben

Werbung



Bildende Kunst

Niederländischer Bildhauer Carel Visser gestorben

20150302Visser - © APAweb/EPA, Raymond Rutting Amsterdam. Der niederländische Bildhauer Carel Visser - einer der wichtigsten Vertreter des Konstruktivismus - ist tot... weiter




Todesfall

Intellektueller Unruhestifter: Fritz J. Raddatz ist tot

20150226Raddatz - © APAweb / EPA, Christian Charisius Hamburg. Er war Zeitzeuge deutschen Kulturlebens: Fritz J. Raddatz, einstiger Feuilletonchef der "Zeit", zählte zu den einflussreichsten... weiter




Intellektueller Unruhestifter

Fritz J. Raddatz ist tot

20150226radd - © APA/dpa Hamburg. Er war Zeitzeuge deutschen Kulturlebens: Fritz J. Raddatz, einstiger Feuilletonchef der "Zeit", zählte zu den einflussreichsten... weiter




Todesfall

Friedrich Zawrel gestorben

20150221ZAWREL - © APAweb, HERBERT PFARRHOFER Wien. Friedrich Zawrel ist tot. Der Überlebende des NS-Euthanasieprogramms starb am 20. Februar im Alter von 85 Jahren... weiter






Werbung