• vom 29.11.2013, 15:42 Uhr

Chronik

Update: 29.11.2013, 15:50 Uhr

Jagdschloss verfällt

Mayerling, der Tragödie 2. Teil




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Von Petra Tempfer

  • Die Tragödie um Kronprinz Rudolf in Mayerling jährt sich 2014 zum 125. Mal - aktuell verfällt das Schloss zusehends
  • Hausherrinnen des Karmeliterordens brauchen 1,6 Millionen für Sanierung.

Die Karmelitinnen sollten für das Seelenheil der Toten von Mayerling beten, so der Auftrag Kaiser Franz Josephs I. Sie tun es bis heute. Karmel Mayerling

Die Karmelitinnen sollten für das Seelenheil der Toten von Mayerling beten, so der Auftrag Kaiser Franz Josephs I. Sie tun es bis heute. Karmel Mayerling

Mayerling. Es war eine kalte Nacht im Jänner 1889, die das Jagdschloss Mayerling südlich von Wien in die Geschichte eingehen ließ: Kronprinz Rudolf aus dem Hause Habsburg, der einzige Sohn von Kaiser Franz Joseph I. und Kaiserin Elisabeth, soll zuerst seine 17-jährige Geliebte Mary Vetsera und danach sich selbst getötet haben. Am Morgen des nächsten Tages werden die beiden jedenfalls tot im Bett gefunden. Was wirklich in jener Nacht passiert ist, weiß allerdings bis heute niemand so genau.

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Am 30. Jänner 2014 jährt sich die Tragödie zum 125. Mal - pünktlich zu diesem unseligen Jubiläum machen die heutigen Hausherrinnen, zehn Karmelitinnen, auf eine weitere Tragödie aufmerksam: Das Schloss selbst verfällt zusehends. Konkret werden 1,6 Millionen Euro für die Sanierung benötigt.

Das Areal nahe Alland (Bezirk Baden) in Niederösterreich ist tatsächlich alles andere als einladend. Der Park ist verwahrlost, die Schlossmauern sind feucht, und der Verputz schimmelt. Im Museum gibt es nicht einmal Besuchertoiletten - und das, obwohl der Tourismus die einzige Einnahmequelle der Karmelitinnen darstellt, um das ehemals prunkvolle Jagdschloss zu erhalten. In den Schauräumen sind unter anderem der Abschiedsbrief Kronprinz Rudolfs, der Teppich aus dem Schlafzimmer sowie der Kupfersarg Mary Vetseras zu sehen.

Der Erlös aus dem Tourismus sinkt seit Jahren

Wo einst die Leichen des Kronprinzen Rudolf und Mary Vetseras gefunden wurden, steht heute eine Kapelle. Die Mauern schimmeln.

Wo einst die Leichen des Kronprinzen Rudolf und Mary Vetseras gefunden wurden, steht heute eine Kapelle. Die Mauern schimmeln. Wo einst die Leichen des Kronprinzen Rudolf und Mary Vetseras gefunden wurden, steht heute eine Kapelle. Die Mauern schimmeln.

Der Erlös aus dem Tourismus sinke allerdings seit Jahren, sagt Priorin Mutter Regina, die seit 24 Jahren im Kloster lebt. Jährlich kommen rund 40.000 Besucher. "Die meisten steigen aber nur kurz aus dem Bus aus, fotografieren die Kapelle - wo früher das Schlafzimmer war, in dem man den Thronfolger und seine Geliebte tot aufgefunden hat - und fahren wieder. Die drei Euro Eintritt für das Museum wollen sie offenbar nicht ausgeben", ergänzt die eigens engagierte Pressesprecherin Anna-Lena Fahrecker im Gespräch mit der "Wiener Zeitung".

Karmelitinnen treten nämlich gar nicht gern an die Öffentlichkeit. Sie versprechen mit ihrem Eintritt in den Orden, sich von dieser Welt zu trennen und fortan in Klausur zu leben. Die zehn Schwestern in Mayerling hören kein Radio, schauen nicht fern und lesen keine Zeitungen. Ihr Leben gilt dem Gebet und der Kontemplation.

Der römisch-katholische "Orden der Brüder der allerseligsten Jungfrau Maria vom Berge Karmel" ist ein typischer Bettelorden. Die Mitglieder des in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts gegründeten weiblichen Ordenszweiges werden Karmelitinnen genannt. Die Ordensregel verbietet es ihnen, zu arbeiten oder ein Stück Land zu verkaufen. Der Orden selbst hat also von vornherein kein Geld, um die zehn Schwestern in Mayerling zu unterstützen, und auch das einstige Stiftungsvermögen ist längst aufgebraucht: Kaiser Franz Joseph I. hatte unmittelbar nach dem Tod seines Sohnes das Schloss den Karmelitinnen übergeben und mit einer Stiftung bedacht, "um den Schreckensort zu einem Segensort zu machen", so Fahrecker.

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Dokument erstellt am 2013-11-29 15:47:07
Letzte Änderung am 2013-11-29 15:50:08



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