• vom 06.06.2014, 18:37 Uhr

Chronik

Update: 07.06.2014, 18:37 Uhr

Vatertag

"Papama"




  • Artikel
  • Lesenswert (13)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Petra Tempfer

  • Heute gibt es weniger alleinerziehende Väter als vor 30 Jahren: Der Vatertag gibt Anlass für eine Suche nach den Gründen.


© fotolia/babimu © fotolia/babimu

Wien. "Jeder hat darauf gewartet, dass ich aufgebe und nach Hilfe schreie. Das war zumindest mein Eindruck", sagt Alexander Haide. Er ist alleinerziehender Vater einer Tochter. Als Haide das Sorgerecht erhielt, war Elizabeth zwei Jahre alt. Welche Vorbehalte ihm entgegengebracht werden sollten, war ihm damals allerdings nicht bewusst. Im Kindergarten wurde es allmählich Gewissheit. Die Blicke, die ihn trafen, vermittelten seiner Ansicht nach eine klare Botschaft: "Was macht das Monster mit dem Kind?"


Das ist kein Rückblick auf das Schicksal eines alleinerziehenden Vaters vor 30 Jahren, als - so möchte man glauben - traditionelle Muster noch festgefahrener und sämtliche Rollenklischees gelebte Wirklichkeit waren. Elizabeth ist heute neun. Die Szenen im Kindergarten spielten sich also erst vor wenigen Jahren ab.

Kind automatisch zur Mutter: Sorgerecht ändert sich nur träge
Alleinerziehende Väter sind noch lange nicht die Norm. Ganz im Gegenteil. Deren Zahl schrumpft sogar. Laut Statistik Austria sind heute 9000 Väter Alleinerzieher - vor 30 Jahren waren es 11.000. Alleinerziehende Mütter gibt es 104.000. "Das liegt zu einem großen Teil daran, dass sich die Gesetzeslage erst jetzt allmählich ändert", sagt dazu Olaf Kapella vom Institut für Familienforschung zur "Wiener Zeitung".

Der Sozialpädagoge spricht damit das Familienrechtspaket an, das nach langem Tauziehen im November 2012 im Ministerrat beschlossen worden ist. Es brachte eine erste Lockerung bezüglich der Obsorge bei unehelichen Kindern. Bisher war es so, dass diese automatisch der Mutter alleine zustand. Eine gemeinsame Obsorge musste extra beantragt werden, auch wenn die Eltern zusammenlebten. Seit 1. Februar 2013, als das Familienrechtspaket in Kraft trat, kann das gemeinsame Sorgerecht am Standesamt (also außergerichtlich) vereinbart werden. Zudem können ledige Väter die gemeinsame oder alleinige Obsorge beantragen - auch gegen den Willen der Mutter. Die Entscheidung trifft der Richter. Bei strittigen Trennungen kann das Gericht auch ohne die Zustimmung der Eltern ein gemeinsames Sorgerecht verfügen.

Das sei ein wesentlicher Punkt, so Kapella. Denn dadurch werde von vornherein deutlich, dass Vater und Mutter gleichberechtigte Elternteile seien, die beide für das Kind verantwortlich seien. "Das ist ein wichtiges gesellschaftspolitisches Signal", so Kapella.

Bisher bekamen Väter die Obsorge immer nur dann zugesprochen, wenn die Mutter aus einem triftigen Grund nicht für das Kind sorgen konnte. So auch bei Haide. "Die Mutter hatte psychische Probleme. Sie wollte selbst, dass ich das alleinige Sorgerecht bekomme." Anders als in den meisten Ein-Eltern-Familien ist es nun sie, die Elizabeth nur an einzelnen Tagen oder am Wochenende sieht.

Mit alten Traditionen und Stereotypen zu brechen, ist ein langwieriger Prozess. Bis eine Gesellschaft ihre Rechtslage ändert, braucht es viel Vorarbeit. Oder umgekehrt: Bis von den Möglichkeiten, die neue Gesetze mit sich bringen, Gebrauch gemacht wird, kann ebenfalls eine gefühlte Ewigkeit vergehen.

So ist das auch bei der Obsorge. Seit Inkrafttreten des Familienrechtspakets ist die Zahl der Obsorge-Anträge kaum gestiegen. "In den Köpfen der Menschen heißt es noch immer: ,Der Mann kann das nicht so gut‘", so Kapella. Frauen hafte nach wie vor ein eher pflegerisches Rollenbild an. "Und viele Frauen tun sich auch selbst schwer damit, Männern die Kinderbetreuung zu überlassen."

Der Wille beim Mann sei zwar zunehmend da, und in intakten Familien sei sehr wohl ein Trend zu erkennen, dass Väter immer mehr familiäre Verantwortung übernehmen. Bereits fünf Prozent aller Eltern, die aktuell in Karenz sind, sind Männer. Sobald es aber ums Eingemachte wie die alleinige Verantwortung für das Baby geht, tun sich Männer offensichtlich oft schwer.

"Chefs sehen es nicht gern, wenn ein Mann in Karenz geht"
"Auch viele Chefs sehen es immer noch nicht gern, wenn ein Mann in Karenz geht", sagt Kapella. Egal ob Alleinerzieher oder nicht: Sich von einem saftigen Vollzeitgehalt auf Kinderbetreuungsgeld reduzieren zu lassen, sei ebenfalls nicht unbedingt leicht.

Haide hatte es da leichter, wie er selbst sagt. Der heute 46-Jährige ist freier Journalist mit Schwerpunkt Musik. "Ich hatte das Glück, Freiberufler zu sein, dadurch war auch Doppelbelastung kein Thema. Dass alleinerziehende Mütter mit einer Arbeit für wenig Geld, Kindern und dem Haushalt keine Ruhe finden, ist aber echt kein Wunder."

Der Vater weiß, wovon er spricht. "Putzen ist nicht meine Lieblingsarbeit. Aber nachher bin ich froh, dass ich es gemacht habe." Kochen, das sich Haide erst selbst beibringen musste, ist mittlerweile seine Leidenschaft. Im Nägellackieren ist er auch schon Profi, im Windelwechseln sowieso ("Wenn ich das auf der Donauinsel gemacht hab’, haben mich die Touristen fotografiert"). Nur eins kann und will er auch gar nicht lernen: "Beim Zöpfe-Flechten brech’ ich mir die Finger."

weiterlesen auf Seite 2 von 2




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2014-06-06 16:32:03
Letzte Änderung am 2014-06-07 18:37:50



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Die Chemie stimmt
  2. Worum sich Kammern kümmern
  3. Des Dorfes Kern
  4. Mal wieder Opposition
  5. Kurz lädt FPÖ zu Koalitionsverhandlungen ein
Meistkommentiert
  1. "Kurz schlägt große Skepsis entgegen"
  2. SPÖ stimmt für Gespräche mit ÖVP und FPÖ
  3. Lunacek und Felipe geben auf
  4. Die Demontage des Grünen Klubs
  5. Kurz mit Strache-Inhalten und europäischem Anstrich

Werbung




Werbung


Werbung