• vom 05.08.2014, 14:25 Uhr

Chronik

Update: 05.08.2014, 15:32 Uhr

Suchtmittel

High im Verkehr




  • Artikel
  • Kommentare (2)
  • Lesenswert (15)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Petra Tempfer

  • Österreich hat keinen zuverlässigen Schnelltest, mit dem man Drogenkonsum bei Autofahrern feststellen kann. Die Dunkelziffer der Autofahrer, die unter Suchtgifteinfluss unterwegs sind, ist daher hoch.


© sp4764/fotolia © sp4764/fotolia

Wien. Haare, Urin, Schweiß, Blut. Es gibt viele Möglichkeiten, Drogenkonsum festzustellen. Keine davon ist innerhalb weniger Minuten durchführbar. Das stellt ein echtes Problem dar - falls es sich um Drogenkonsum von Autolenkern handelt. Geht es um Alkohol, sind dank unzähliger im Einsatz befindlicher Alkomaten Promillegrenzen und Strafrahmen schnell definiert. Ist ein anderes Suchtmittel im Spiel, ist es um vieles schwieriger. "Alles, was es an Schnelltestgeräten gibt, ist nicht praxistauglich und maximal im Teststadium", sagt Otmar Bruckner von der Abteilung Verkehrsdienst im Innenministerium im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Auf diesem Gebiet werde zwar laufend geforscht, "wirklich zuverlässig ist aber nichts".

Die Dunkelziffer der Drogenlenker ist daher hoch. Im Straßenverkehr werden jährlich rund 1000 Personen aufgegriffen, bei denen der Verdacht des Drogenkonsums besteht. Daraus resultieren laut Bruckner 700 bis 800 Anzeigen. Zum Vergleich: Anzeigen wegen Alkohols am Steuer gibt es jährlich 40.000. Ausländischen Studien zufolge kommt allerdings auf jeden zehnten Alkolenker ein Drogenlenker: Für Österreich wären das dann in Wahrheit 4000 Autofahrer, die unter Drogeneinfluss unterwegs sind.


Die Lücke, die sich bei den
Verkehrskontrollen auftut, sollte schon längst geschlossen sein - das ist zumindest das Bestreben des Innenministeriums. Doch wie? Ministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) hat erst im Vorjahr eine Offensive gestartet und die Pilotprojekte zu Drogen-Haartests in Wien, die seit 2011 laufen, propagiert. In Ländern wie Deutschland, Frankreich, der Schweiz und Finnland ist diese Methode bereits gebräuchlich. In Österreich soll sie nur dann zum Einsatz kommen, wenn Personen, denen der Führerschein wegen Alkohols oder Drogen am Steuer schon entzogen worden ist, diesen zurückbekommen sollen. Dass Polizisten einem Lenker im Zuge eines Planquadrats ein Haar ausreißen, es in einen Schnelltester legen und sofort über dessen Drogenkonsum Bescheid wissen, ist also noch immer eine mehr als vage Zukunftsvision.

Derzeit kostet eine Haaranalyse rund 280 Euro. Noch zu lösende, aktuelle Probleme sind massive Unschärfen bei den Testergebnissen aufgrund von Haarstruktur, Haarfarbe, künstlichen Färbemitteln und der Häufigkeit des Haarewaschens.

"Haschomat" und "Fingerprint"
Das Thema Haar-Schnelltest wäre also vorerst abgehakt. Bleiben noch Urin, Schweiß und Blut. Ein Urintest ist billiger als ein Haartest, für ihn sind etwa 90 Euro zu zahlen. In Deutschland führt die Polizei auch Urintests auf der Straße durch. Im Gegensatz zum Haar, das mitunter eine jahrelange Geschichte des Drogenkonsums dokumentiert, zeigt der Urin nur eine Momentaufnahme. "Substanzen im Urin sind zwar länger nachweisbar als im Blut, die Analytik ist aber aufwendig und dauert lang", sagt Thomas Szekeres von der Medikamentenanalytik und Toxikologie am AKH und Präsident der Wiener Ärztekammer. "Je schneller ein Test verfügbar sein soll, desto ungenauer ist er."

Womit wir bei den echten Schnelltests wären - und dem Testgerät mit den bezeichnenden Namen "Haschomat" oder "Drugwipe", das den Schweiß analysiert. In Spanien, Belgien und Deutschland ist dieses bereits im Einsatz. In der Theorie funktioniert alles ganz wunderbar: Der Polizist hält den Autofahrer auf, zückt seinen "Haschomaten" in der Größe einer Zigarettenschachtel, zieht ihn über die Haut des Lenkers -und hat innerhalb weniger Minuten ein Ergebnis über etwaigen Drogenkonsum. Die bisher auf dem Markt befindlichen "Haschomaten" haben sich allerdings nicht bewährt. Sie lieferten der Reihe nach Fehlergebnisse. Genauso wie der in Norwich in Großbritannien erfundene "Intelligent Fingerprint", der ebenfalls Schweißreste - in diesem Fall auf der Fingerkuppe - analysiert.

Diese hohe Fehlerquote macht Geräte wie den "Haschomaten" laut Bruckner "viel zu unsicher". Weist das Gerät Drogenkonsum nach, muss der Lenker nämlich seinen Führerschein abgeben. "Und das ist ein Eingriff in das persönliche Recht des Bürgers, von dem sein Arbeitsplatz abhängen kann", sagt Bruckner. "So einen Eingriff kann man mit schlechten Vortestgeräten nicht verantworten."

In Österreich geht man daher nach wie vor den konservativen Weg. Im Gegensatz zu Deutschland, wo Polizisten schon bei dem Verdacht, dass der Lenker Drogen konsumiert hat, diesen auch ohne Amtsarzt bestrafen können, muss in Österreich in jedem Fall die Fahreignung festgestellt werden. Und zwar durch den Amtsarzt. Hält die Polizei also hierzulande einen Lenker auf und hegt aufgrund des Fahrverhaltens oder körperlicher Auffälligkeiten den Verdacht des Alkohol- oder Drogenkonsums, führt sie erst einmal einen Alkotest durch. Verläuft dieser negativ, "kann die Fahreignung nicht durch den Polizisten, sondern nur durch den Amtsarzt festgestellt werden", so Bruckner. Der Polizist fährt mit dem Lenker zum nächsten Amtsarzt. "Weigert sich der Lenker mitzufahren, gilt er von vornherein als beeinträchtigt, und eine Strafe droht."

weiterlesen auf Seite 2 von 2




2 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2014-08-05 14:29:06
Letzte nderung am 2014-08-05 15:32:04



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Von Wölfen umzingelt
  2. Das Problem mit Sachleistungen
  3. Noch mehr Eurofighter?
  4. Die dunkle Seite der 24-Stunden-Betreuung
  5. Von langen Ästen und unklaren Grenzen
Meistkommentiert
  1. Schwaches Ergebnis für jüngste Parlamentschefin
  2. Lichterkette um Regierungsviertel
  3. Richtung Russland
  4. Strache verspricht "50 Prozent freiheitliche Handschrift"
  5. Kneissl will Außenministerin werden

Werbung




Werbung


Werbung