• vom 07.08.2014, 16:48 Uhr

Chronik

Update: 12.08.2014, 17:31 Uhr

Cannabis

"Man ist besser drauf"




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Von Chris Scheucher

  • Mehr Jugendliche denn je greifen regelmäßig zu Cannabis.

Wien. "Die meisten meiner Freundinnen und Freunde rauchen zumindest einmal im Monat Marihuana", sagt die 16-jährige Helene M. (Name der Redaktion bekannt). Sie besucht ein Gymnasium in einer niederösterreichischen Gemeinde in der Umgebung von Wien. Warum mehr als zwei Drittel ihrer Bekannten Cannabis greifen, erklärt Helene mit dem Wohlfühleffekt: "Man ist besser drauf."

So wie Schülerin Helene M. finden viele Jugendliche nichts dabei, Gras zu rauchen. Das sei im Gegensatz zu Alkohol und Zigaretten weniger schädlich. "Das Schlimmste, das passieren kann, ist, dass man müde wird. Außerdem macht es nicht aggressiv. Und es hilft gegen Krebs und andere schwere Krankheiten", sagt sie und beruft sich auf das Onlineportal Weedtastisch, eine Seite, die 125.000 Fans hat. Der Facebook-Statistik ist zu entnehmen, dass die Hauptgruppe der Leser dieser Homepage zwischen 13 und 17 Jahre alt ist.

Information

In Österreich ist Cannabis die am häufigsten konsumierte illegale Droge. Hauptsächlich psychoaktiv ist das Cannabinoid Tetrahydrocannabinol (THC). Meistens wird es in Joints inhaliert und gelangt über die Lunge in die Blutbahn und ins Gehirn. THC macht zwar nicht körperlich abhängig - auf Dauer kann es jedoch zu einer psychischen Abhängigkeit kommen. Eine Langzeitstudie zeigt: Cannabiskonsum beeinträchtigt die geistige Leistungsfähigkeit unwiderruflich.


In Österreich gab es im Jahr 2011 insgesamt 17.836 Anzeigen im Zusammenhang mit Cannabiskonsum oder -handel (die getrockneten Blütentrauben und Blätter der Cannabispflanze werden Marihuana genannt). Fast 40 Prozent aller Jugendlichen haben mindestens einmal in ihrem Leben Marihuana konsumiert und knapp elf Prozent rauchen es regelmäßig. Im Vergleich dazu: Vom Rest der Bevölkerung kiffen laut Gesundheitsministerium nur 1,5 Prozent.

Weltweit wird heute mehr Gras konsumiert als je zuvor. Uruguay und die US-Bundesstaaten Colorado und Washington haben beschlossen, Marihuanakonsum in kleinen Mengen für den Privatverbrauch zu legalisieren. In Uruguay kann jeder über 21-Jährige sechs Cannabis-Pflanzen legal anbauen respektive 40 Gramm Gras monatlich in der Apotheke kaufen. Ausschlaggebend für diese Lockerungen ist einerseits, der Drogenmafia den Boden zu entziehen und den Markt zu kontrollieren und dadurch andererseits anfallende Steuereinnahmen zu lukrieren.

Ein weiterer positiver Aspekt ist auch, den Preis so auf einem vertretbaren Niveau für Konsumenten zu halten und eine gute Qualität zu garantieren, da mit Streckmitteln versetzter Cannabis zusätzliche Gefahren für die Gesundheit der Konsumenten birgt. Sogar die "New York Times" sprach sich vor kurzem dafür aus, Cannabis zu legalisieren. In einem Leitartikel wurde das Verbot mit der Prohibition verglichen.

Bürgerinitiative für Cannabis-Legalisierung
In Österreich ist eine Legalisierung der Einstiegsdroge trotzdem noch lange nicht in Sicht. ÖVP, FPÖ und der Großteil der SPÖ sind klar dagegen. Einzig die Grünen sprechen sich bundesweit für eine Entkriminalisierung aus und wollen Cannabis zu medizinischen Zwecken erlauben. Die sozialistische Jugend hat eine Kampagne gestartet und wirbt für die heilende Wirkung von Cannabis. Erst am Mittwoch hat der Verein "Legalize! Österreich" die erste parlamentarische Bürgerinitiative zur Herausnahme von Cannabis aus dem Suchtmittelgesetz gestartet. Darin wird die Legalisierung des Eigenanbaus für den persönlichen Gebrauch gefordert. Der Erwerb und Besitz von zehn Gramm Cannabis soll ab 16 erlaubt werden. Die Abgabe soll über Trafiken oder Apotheken erfolgen.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2014-08-07 16:53:07
Letzte nderung am 2014-08-12 17:31:20



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