• vom 17.02.2015, 17:27 Uhr

Chronik


Aschermittwoch

Zum Ausklang noch schnell eine Völlerei




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Von Brigitte Pechar

  • Am Aschermittwoch wird dem Karneval mit dem Heringsschmaus Adé gesagt.

- © fotolia/Simone Voigt

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Wien. Der Karneval ("carne vale" bedeutet: Fleisch, lebe wohl) ist vorbei, die Fastenzeit beginnt. Weil aber die Menschen nicht übergangslos vom Feiern, Essen und Trinken in eine Zeit der Entbehrungen und des Entsagens wechseln wollen oder können, gibt es am Aschermittwoch den Brauch des Heringsschmauses. Längst wird zu diesem Anlass nicht mehr nur Hering serviert. Jedes Restaurant, das auf sich hält, bietet mittlerweile mehrgängige Fisch- und Schalentier-Menüs ab 80 Euro an. Dazu werden Champagner und Sekt kredenzt.

Mit dem Heringsschmaus, der gar nichts mehr mit seinem ursprünglichen Sinngehalt (Fisch als Fastenspeise) zu tun hat, wird der Fasching symbolisch zu Grabe getragen oder ertränkt. Früher galt der Heringsschmaus als "Arme-Leute-Essen". Der saure Fisch war einerseits billig und entschlackte andererseits den Körper nach dem Alkoholgenuss der Faschingszeit.

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Als Klassiker sei hier der Wiener Heringssalat empfohlen: Heringe, gekochte Kartoffeln, gekochte Erbsen, feinblättrig geschnittene Zwiebel, würfelig geschnittene, blanchierte Karotten und ein ebenso geschnittener Apfel werden mit Joghurt und selbstgemachter Mayonnaise vermischt, mit Salz und Pfeffer abgeschmeckt und serviert.

Adé also Völlerei, jetzt wird gefastet. Dafür gibt es mehrere Gründe und auch Arten. Fasten kommt vom althochdeutschen Wort fasten und bedeutet "festhalten" (an den Geboten der Enthaltsamkeit). Unter Fasten versteht man eine religiös begründete freiwillige Nahrungsenthaltung in Bußzeiten. Bußzeiten sind in der christlichen Tradition alle Freitage des Jahres und die österliche Fastenzeit. Weil Jesus vor Beginn seines öffentlichen Wirkens 40 Tage lang gefastet hat, wurde das Fasten und seine symbolhafte Dauer zum Zeitmaß des vorösterlichen Fastens der Christen.

Von Aschermittwoch bis zur Auferstehungsfeier dauert die österliche Fastenzeit, in der die Regeln des Fastens gelten: nur eine volle Mahlzeit pro Tag und zwei kleine Stärkungen. Zwei Tage im Jahr sind Fast- und Abstinenztage: Aschermittwoch und Karfreitag. An diesen Tagen soll nur eine sättigende Mahlzeit ohne Fleisch eingenommen werden.

Das Mittelalter hatte zum Teil außerordentlich strenge Fastenregeln. Verboten waren alle Fleisch- und Milchprodukte und Eier, die als "flüssiges Fleisch" galten. 1491 wurden die Fastengesetze erstmals etwas gelockert und Papst Julius III. (1550 bis 1555) erteilte allen Christen Dispens für Butter beziehungsweise Öl und Eier, Käse und Milch.

Dieses christliche Fasten hat mit den heute gängigen Diäten oder Schlankheitskuren nichts zu tun. Der Aschermittwoch ist für viele Menschen aber der Tag, an dem sie dem Alkohol entsagen - wenigstens für einige Wochen. Wieder andere ergreifen die Gelegenheit, um endlich das Rauchen aufzugeben. Vielfach ist das mit dem Abschluss von Wetten verbunden.

Immer mehr Menschen nützen die Fastenzeit auch dazu, Einkehr in einem der 21 Klöster, Orden oder Stifte der Plattform "Klösterreich" zu halten. Das Kloster Pernegg - es gehört zum Stift Geras - etwa ist bekannt für seine Fastenkurse. Gewichtsverlust, der sich in einer Woche mit ausschließlich flüssiger Nahrung automatisch einstellt, steht dabei nicht im Vordergrund, sondern das Finden der inneren Ruhe.

Wissen: Aschermittwoch

Die katholische Tradition, Gläubigen am Anfang der Fastenzeit "Asche über das Haupt zu streuen", hat ihren Ursprung bereits im 10. Jahrhundert. Damals wurden Personen, die sich schwerer Sünden schuldig gemacht hatten, in Bußgewänder gekleidet und mit Asche, die von verbrannten Palmzweigen stammen musste, bestreut. Die allgemeine Aschensegnung zu Beginn der Fastenzeit geht auf eine Empfehlung von Papst Urban II. (1091) zurück. Demnach wurde die Asche bei Männern aufs Haupt gestreut, bei Frauen auf die Stirn gezeichnet.

Der Priester zitiert dazu einen Passus aus dem Alten Testament: "Bedenke Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst." Das Wort aus dem Buch Genesis soll Gläubige an die Endlichkeit des "Fleisches", also des eigenen Lebens, erinnern. Der symbolisch vollzogene Abschied vom Fleisch (Karneval) soll helfen, sich durch das Fasten auf das geistliche Leben und auf Gott zu besinnen.

Der Aschermittwoch markiert im Christentum der Westkirche den Beginn der 40-tägigen Fastenzeit und soll an die 40 Tage erinnern, die auch Jesus Christus betend und fastend in der Wüste verbracht hat. Die Fastenzeit endet am Karsamstag.




Schlagwörter

Aschermittwoch, Fasten

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Dokument erstellt am 2015-02-17 17:32:05



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