• vom 08.09.2015, 16:57 Uhr

Chronik

Update: 08.09.2015, 18:56 Uhr

Rohrpost

Die Rohrpost ist tot - es lebe die Rohrpost




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Von Petra Tempfer

  • Die Rohrpost im Parlament wird dem Umbau zum Opfer fallen. Woanders erlebt sie allerdings eine Renaissance.

Fast vollautomatisch: Moderne Rohrpostanlagen sparen Personal, sagt Hersteller Sumetzberger. - © Jenis

Fast vollautomatisch: Moderne Rohrpostanlagen sparen Personal, sagt Hersteller Sumetzberger. © Jenis

Wien. "Haha :D im Parlament gibts noch Rohrpost.. das Whatsapp der ältesten Abgeordneten;)" Mit diesen Sätzen hatte sich der jüngste Abgeordnete im Parlament, Julian Schmid (Grüne), bereits im Vorjahr über die aus seiner Sicht antiquierte Methode des Transports zylindrischer Büchsen durch ein Rohrsystem mittels Druckluft amüsiert. Doch ist sie das wirklich? Ganz im Gegenteil, meint dazu Walter Sumetzberger, Rohrposthersteller und Eigentümer der Ing. Sumetzberger GmbH in Simmering. "Die Rohrpost ist nicht am Ende und nicht veraltert. In gewissen Bereichen erlebt sie sogar eine Renaissance."

"Instandhaltung zu teuer"
Tatsache ist, dass die Rohrpostanlage des Parlaments dem Umbau zum Opfer fallen wird. Mit diesem soll 2017 begonnen werden. Gerhard Marschall, der im Parlament für den Umbau zuständig ist, bestätigt im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" bereits kursierende Gerüchte: "Die Instandhaltung der Rohrpost wäre zu kostenintensiv. Wir streben einen Modernisierungsschub an." Das bedeutet: 2020, wenn das Parlament in das sanierte Gebäude am Ring zurückziehen wird, wird es keine Rohrpost mehr geben. Die Datenübermittlung wird dann laut Marschall nur noch elektronisch oder per Hauspost erfolgen.


Sumetzberger kann diese Entscheidung nicht nachvollziehen. Gerade jetzt, da die Zunahme an Hackerangriffen den Fortschritt der elektronischen Medien relativiere, müsse man sich der Vorteile der Rohrpost bewusst werden. "Wir erhöhen ständig die Sicherheitsstandards unserer Anlagen", ergänzt Exportdirektor Peter Friedrich. Nur Berechtigte könnten diese mit Ausweis betätigen. Zusätzlich befinde sich ein Chip in jeder Büchse, um zu wissen, wann und wo sich diese bewegt.

Wer Rohrpost mit verstaubten Büros und überalterten Angestellten in Verbindung bringt, irre gewaltig. Ein großer Teil der 286 Mitarbeiter des Betriebes sei allein mit der Software-Entwicklung beschäftigt, so Friedrich. Für die modernsten Systeme brauche man fast kein Personal mehr, sie seien zu 80 Prozent vollautomatisch. In der Praxis kann man sich das so vorstellen: Ein Arzt fordert Medikamente an, ein Roboter stellt sie zusammen und gibt sie in die Rohrpost, und eine Schwester nimmt sie in Empfang. Und zwar in kürzester Zeit - gefüllte Büchsen flitzen mit etwa drei Metern pro Sekunde durch die Rohre.

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Dokument erstellt am 2015-09-08 17:02:04
Letzte nderung am 2015-09-08 18:56:03



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