• vom 03.11.2015, 15:40 Uhr

Chronik

Update: 03.11.2015, 16:32 Uhr

Dorotheum

Schatz oder Schrott?




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Von Petra Tempfer

  • Das meiste ist zwar weniger wert als erhofft, einiges aber weit mehr als erträumt: Am Samstag schätzen Dorotheum-Experten in Wien-Favoriten kostenlos mitgebrachte Gegenstände.

Euphorie oder bedauerndes Kopfschütteln: Die vermeintlichen Schätze lösen bei Experten unterschiedliche Emotionen aus. - © MyPlace-Selfstorage

Euphorie oder bedauerndes Kopfschütteln: Die vermeintlichen Schätze lösen bei Experten unterschiedliche Emotionen aus. © MyPlace-Selfstorage

Wien. Silberlöffel, Porzellanengel, Goldringe, Münzen. Gemälde und Kaffeekannen. Was die Besucher der Veranstaltung "Dorotheum-Experten bewerten bei MyPlace" so alles vorbeibringen, um es von Fachleuten schätzen zu lassen, ist so unterschiedlich wie der Preis, der ihnen schließlich bescheinigt wird. Bereits zum elften Mal (die Aktion findet zweimal pro Jahr statt) widmen sich unter anderen die Gemälde-Expertin Dimitra Reimüller und Gerhard Jirak, der auf Antiquitäten jeder Art spezialisiert ist, in einer Wiener Filiale des Lagerraumanbieters "MyPlace" den Schätzen der Besucher.

Man rechne mit rund 200 Personen, sagt Alexia Gerhardus von "MyPlace". Jeder dürfe aber höchstens zwei Gegenstände "und nicht ganze Koffer voll mit Kleinteilen" mitbringen - und selbst diese zwei entpuppen sich mitunter als völlig wertlos. Zumindest, was deren monetären Wert betrifft. Denn der emotionale ist und bleibt stets unschätzbar.

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"Passt gut darauf auf"
Nicht jeder fasst daher das Urteil der Experten mit Begeisterung auf. Vor allem dann nicht, wenn es jegliche Hoffnung zerschlägt. Viele hadern laut Schätzmeisterin Reimüller damit, wenn ein eher wertloses Stück seit Generationen in der Familie mit den eindringlichen Worten weitergegeben wurde: "Passt gut darauf auf, das ist wirklich wertvoll." "Wenn ich dann sage, dass es nur Dekoration oder ein Liebhaberstück ist, gibt es schon manchmal enttäuschte Gesichter", sagt Reimüller im Gespräch mit der "Wiener Zeitung".

Einige hätten auch vorher im Internet recherchiert und seien zu einem ganz anderen Schluss als Reimüller gekommen. Diese ist für jede Diskussion gewappnet: Mit Lupe und Blaulampe versucht sie, den Besuchern ihre Schätzung "etwas verständlicher zu machen", wie sie sagt.

Doch die Hoffnung lebt. Denn pro Veranstaltung seien stets acht bis 15 Gegenstände dabei, "die ich gerne in eine Auktion nehmen würde", so Reimüller. Was einen tatsächlich erwartet, wisse man freilich nie. Schätzungen von null bis 10.000 Euro seien möglich. Gerhardus von "MyPlace" erinnert sich zum Beispiel an einen Zinnkrug, den ein Besucher bei einem Flohmarkt um wenig Geld erstanden hatte, der aber mehrere 1000 Euro wert war. Ein anderes Mal waren zwei Aquarelle von Richard Moser - jeweils im Wert von 4000 bis 5000 Euro - und eine kleine Öl-Acryl-Arbeit ohne Titel von Georges Mathieu mit einem Schätzwert von 10.000 Euro dabei. Oder ein Putto mit Trauben von Michael Powolny, das auf etwa 6000 Euro geschätzt wurde.

Endlich Gewissheit
Aber auch, wenn die Experten beim Anblick der vermeintlichen Schätze nur bedauernd den Kopf schütteln, muss das nicht unbedingt enttäuschend sein. Ganz im Gegenteil. So mancher Besucher soll schon danach sinngemäß geseufzt haben: "Jetzt kann ich den Krempel endlich mit ruhigem Gewissen wegschmeißen."




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Dokument erstellt am 2015-11-03 15:44:05
Letzte nderung am 2015-11-03 16:32:04



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