• vom 08.03.2016, 17:56 Uhr

Chronik


Konvertiten

"Massentaufen sind nicht zu erwarten"




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Von Mathias Ziegler

  • Nicht wenige vom Islam enttäuschte Flüchtlinge konvertieren zum Christentum. Im Gegensatz zu manchen anderen christlichen Gruppen geht die katholische Kirche in Wien mit diesem Thema sehr behutsam um.

- © fotolia/Sandra Lass

© fotolia/Sandra Lass

Wien. Die evangelische Gemeinde in Hamburg hat zuletzt enorme Mitgliederzuwächse verzeichnet. Allein heuer sollen gut 600 neue Glaubensbrüder und -schwestern aufgenommen werden, denn viele Flüchtlinge, die vom Islam enttäuscht sind, konvertieren nach der Ankunft in Deutschland. Die ARD berichtet von regelrechten Massentaufen.

Szenen, die es in Österreich nicht geben wird. "Massentaufen sind nicht zu erwarten", sagt dazu Friederike Dostal, die das Referat für Erwachsenenkatechumenat und Verkündigung der Erzdiözese Wien leitet. Schon allein deshalb, weil Konvertiten im Rahmen des Katechumenats in Kleinstgruppen auf die Taufe vorbereitet und dann auch in kleinem Rahmen getauft werden. Insgesamt erwartet Dostal aber auch in Österreich einen zahlenmäßigen Anstieg der erwachsenen Taufwerber mit islamischem Hintergrund. "Ich sage bewusst nicht Muslime, weil sich viele von ihnen gar nicht mehr als solche sehen."

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Was macht das Christentum interessant für Muslime? Ein Motiv ist sicher, "dass sie unerwartet freundlich empfangen wurden und sich Menschen um sie bemühen, auch in katholischen Pfarren oder Caritas-Quartieren", meint Dostal. "Aus Flüchtlingslagern in Jordanien oder im Libanon wurde mir nicht selten erzählt, dass dort, wo der muslimische Rote Halbmond die Verteilung von Hilfsgütern übernimmt, die Christen bestenfalls einen Fußtritt bekommen, wenn sie auch etwas haben wollen. Und hier in Österreich sind dann viele Muslime überrascht, dass man sich flächendeckend um sie kümmert, ohne nach ihrer Herkunft oder ihrer Religion zu fragen - und dass sie niemand grundsätzlich davon überzeugen will, die Religion zu wechseln. Das macht sie neugierig." Das bedeutet noch nicht, dass sie auch tatsächlich Christen werden wollen. Sondern vielmehr spielt es bei der Integration der Flüchtlinge eine Rolle, "dass sie wissen möchten, warum die Leute hier anders sind".

Mehr islamische Taufwerber, aber nicht um jeden Preis
Während manche anderen christlichen Gruppen muslimische Flüchtlinge sehr rasch eingemeinden, um neue Mitglieder zu lukrieren, geht die katholische Kirche in Wien bewusst behutsam vor. "Die Zahl der Konvertierenden steigt auch so stark an. Es kommen tatsächlich viele ganz gezielt nach Österreich, die schon lange Christen werden wollten oder sich als Christen verstehen, aber keine Taufe empfangen konnten. Die werden auch sofort von uns ins Katechumenat übernommen. Und es gibt eben auch viele, die sehen, wie es ihnen geht, und sich dann ebenfalls anmelden."

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Dokument erstellt am 2016-03-08 17:59:06



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