• vom 10.06.2016, 16:58 Uhr

Chronik

Update: 10.06.2016, 17:11 Uhr

Islam

Ramadan im Flüchtlingsheim




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Von Nina Flori

  • Familie Al-Akaissi ist aus dem Irak geflüchtet, das Fasten fällt ihnen in Österreich leichter als in ihrem ehemaligen Zuhause.

Der 7-jährige Sohn (h.) der Familie Al-Akaissi fastet im Ramadan nur ein bisschen, der 5-jährige Mohammed (v.) noch gar nicht.

Der 7-jährige Sohn (h.) der Familie Al-Akaissi fastet im Ramadan nur ein bisschen, der 5-jährige Mohammed (v.) noch gar nicht.© Peter Hruska Der 7-jährige Sohn (h.) der Familie Al-Akaissi fastet im Ramadan nur ein bisschen, der 5-jährige Mohammed (v.) noch gar nicht.© Peter Hruska

Wien. Um 20.53 Uhr ist Donnerstag Abend die Sonne untergegangen. Das ist der Zeitpunkt, an dem sich Familie Al-Akaissi aus dem Irak in ihrem Zimmer in der Flüchtlingsunterkunft Vindobona an den Tisch setzt und zu essen beginnt. Es gibt Linsensuppe, Teigtaschen, orientalische Pizza, Früchte und Marillensaft.

Den ganzen Tag hat sie hungrig und vor allem durstig auf diesen Augenblick gewartet. Denn im Fastenmonat Ramadan ist Essen und Trinken von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang verboten. "Der erste Tag ist sehr lang", sagt Nur Al-Akaissi im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". "Aber mit der Zeit wird das Fasten leichter. Es ist eine Zwangsdiät", fügt sie lachend hinzu. Fünf Kilo nimmt sie in den vier Wochen ab.

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In der Küche des Caritas-Flüchtlingsheims, das sich am Gelände des Otto-Wagner-Spitals befindet, herrscht in den frühen Abendstunden Hochbetrieb. Fast alle der 80 Bewohner halten sich an den Ramadan und bereiten die Speisen für die Zeit nach dem Sonnenuntergang vor. Die Auswahl der Gerichte hat in dieser Zeit eine besondere Bedeutung.

Drei schnelle Gläser Wasser

In Tabellen können Muslime nachlesen, wann genau die Sonne untergeht.

In Tabellen können Muslime nachlesen, wann genau die Sonne untergeht. In Tabellen können Muslime nachlesen, wann genau die Sonne untergeht.

"Nach Sonnenuntergang trinke ich schnell drei Gläser Wasser nacheinander. Dann essen wir", sagt Nur Al-Akaissi. Im Anschluss wird gebetet und Tee getrunken. Um Mitternacht gehen sie für zwei Stunden schlafen. Dann wird wieder gegessen. "Hungrig sind wir da nicht, aber wir müssen essen." Es gibt leichte Speisen wie Trauben und Melonen oder Käse.

Dass das Fasten, vor allem lange nichts zu trinken, dem Körper schaden könnte, glaubt Wissam Al-Akaissi nicht. "Allah schreibt nichts vor, was dem Körper schaden könnte", sagt er. Den Ramadan nicht zu befolgen, käme für ihn und seine Frau nicht in Frage. "Allah sagt, alles was ihr macht, macht ihr für euch, aber den Ramadan macht ihr für mich."

Familie Al-Akaissi ist seit September 2015 in Österreich. Eigentlich wollten sie nach Luxemburg oder Norwegen, doch als sie in Österreich ankamen, wurden sie so freundlich empfangen, dass sie sich entschieden haben zu bleiben. 12.000 Dollar haben sie für die Reise nach Europa bezahlt. Zuerst sind sie mit dem Flugzeug von Bagdad nach Istanbul geflogen, dann mit einem Boot nach Europa gefahren. Drei Versuche haben sie dafür gebraucht, einmal ist das Boot gekentert, sie wären fast im Mittelmeer ertrunken, erzählt Wissam Al-Akaissi. "Am schlimmsten war aber die Fahrt mit den Schleppern von Griechenland nach Wien. Wir hatten ständig Angst, dass sie uns umbringen." Oft waren sie in der Nacht zu Fuß unterwegs, untertags mussten sie sich in Wohnungen verstecken.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-06-10 17:02:06
Letzte nderung am 2016-06-10 17:11:21



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